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E-Werk, Köln

KASABIAN

KASABIAN beehren das Kölner E-Werk und bieten dem begeisterten Publikum ihre bunte Rock-/Elektromischung in einer fulminant inszenierten Show. Im Schlepptau haben sie PULLED APART BY HORSES aus Leeds.

Bei PULLED APART BY HORSES gibt es heute nicht nur 'ADHD In HD', wie auf ihrer aktuellen Platte "Blood", sondern sogar in 3D. Sie spielen vor dem fast ausverkauften E-Werk – kein Problem für die Jungs aus Leeds, die bereits im Vorprogramm von Biffy Clyro und Muse spielten. Nicht alle Tracks gehen gleich ins Ohr, haben aber eine zweite Chance sicher verdient. Die Single 'Lizard Baby' hingegen groovt unwahrscheinlich und bringt die Kölner Menge schnell in Wallung. James Brown windet sich mit seiner Gitarre auf dem Bühnenboden und schrammelt was das Zeug hält – Hendrix lässt grüßen. Genauso wie Cobain, der mit Nirvana einen nachhaltigen Einfluss auf die Band hatte. Frontmann Tom Hudson trägt ein "I Preferred Their Earlier Stuff"-Shirt und zeigt seine offene Einstellung zur Musik, die sich auch im breitgefächertem Repertoire der Band widerspiegelt. Punk, Hardcore, Stoner – ihr brachialer Sound und ihre leidenschaftliche Show überzeugt.

Die Jungs von Pulled Apart By Horses haben die Bühne abgerissen, für KASABIAN und ihre spektakuläre Show wird sie nun wieder aufgebaut. Währenddessen stelle ich fest: Den typischen KASABIAN-Konzertgänger gibt es wohl nicht, denn das Publikum ist wild gemischt: Rocker, Hipster, Teen mit Kamera in der ersten Reihe, Yuppie, der sich lieber in der Nähe der hinteren Bar aufhält. Alle erwartet eine große Show, auch wenn die Bühne bisher nur mit einem schlichten "48:13"- Backdrop geschmückt ist. KASABIAN starten ihr Set mit dem Stampfer 'Bumblebee' und ziehen das Publikum sofort in ihren Bann. Lautstark werden alle Songs mitgesungen und rhythmisch umgesetzt. Die Produktion lässt absolut nichts zu wünschen übrig: Licht und Laser werden perfekt passend zu Songs und Stimmung eingesetzt. Zwischendurch fühlt man sich, als wäre man auf einem Rave gelandet, wenn das Stroboskoplicht die Bewegung der tanzenden Masse verlangsamt und die Elektrohymne 'eez-eh' aus den Lautsprechern knallt. Sänger Tom Meighan lässt den Rockstar raushängen und trägt Sonnenbrille. Vielleicht ist ihm ja die Lichtshow zu wild? Sergio Pizzorno – mit Fönfrisur und Fuchsschwanz am Hintern – erweist sich als Multitalent und ist nicht nur für die Keyboards, E-Gitarre und Programmierung zuständig, sondern holt auch zwischendurch mal die Akustikgitarre raus. Ja, die Inszenierung ist sicher beeindruckend, bleibt in ihrer Perfektion aber auch ziemlich steril. Trotzdem: das Publikum springt und tanzt beinah ekstatisch, die Laser zucken – Stadiongesänge im E-Werk, lange nachdem die Songs vorbei sind. Zwischendurch gibt es immer wieder Songs, die eindeutige Kraftwerk-Referenzen aufweisen – zu den Elektrosounds tanzt der ältere Herr neben mir den Roboter. Der letzte Song 'LSF (Lost Souls Forever)' wird von dem Fatboy Slim-Cover 'Praise You' eingeleitet, das die Menge vollends zum Ausrasten bringt und wegen des berühmten Videos zu teils seltsamen Tanzeinlagen bewegt. Die Band aus Leicester spielt beinah zwei Stunden und entlässt ein zufriedenes, verschwitztes Publikum. Auf dem Weg zur Bahn hört man immer wieder dieselben Melodien.

Setlist KASABIAN

Bumblebee
Shoot The Runner
Underdog
Where Did All The Love Go?
Days Are Forgotten
Clouds
eez-eh
Processed Beats
Bow
Neon Noon
Club Foot
Re-Wired
Treat
Empire
Fire
--
Stevie
Vlad the Impaler
Praise You (Fatboy-Slim-Cover)
L.S.F. (Lost Souls Forever) 

 

Pics: Nina Hammelstein