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INSOMNIUM, STAM1NA, FLESHGOD APOCALYPSE

Köln, Essigfabrik

INSOMNIUM

Nach ihrem letzten Ausflug nach Köln im Vorprogramm von Children Of Bodom sind die Melodic-Death-Finnen von INSOMNIUM erneut in der Domstadt zu Gast und legen die Essigfabrik sanft in Schutt und Asche. Mit von der Partie sind STAM1NA und FLESHGOD APOCALYPSE.

Der letzte Tourtag des Dreierpacks fällt auf einen Sonntag, dementsprechend licht sind die Reihen in der Kölner Essigfabrik. Die Finnen von STAM1NA präsentieren ihr neues Album und drehen dabei trotzdem genauso auf, als würden sie zu Hause vor ausverkauften Haus spielen. Rotzig, laut, chaotisch und absolut überzeugend. Man merkt, dass die Herren um Frontmann Antti Hyyrynen in den letzten Jahren ständig unterwegs waren und mit "SLK" bereits das sechste Album veröffentlichten. STAM1NA spielen einen progressiv-tösenden Mix aus Thrash Metal und Alternative mit den unterschiedlichsten Einflüssen. Außerdem textet die Band stolz auf Finnisch, was der Musik noch mal etwas ganz eigenes, seltsam melodiöses gibt. STAM1NA bieten Synchronheadbangen in Perfektion und kreischende Gitarren - grelles Blitzlicht unterstützt die Musik. Was man hier zu sehen und hören bekommt, ist eine Rockshow, wie sie im Buche steht.

Ganz anders bei den Italienern von FLESHGOD APOCALYPSE. Im Schummerlicht lassen sich die tot-geschminkten Herren in zerfetzen Anzügen von einer Dame in venezianischer Maske auf die Bühne geleiten. Die Einlage ist irgendwo zwischen „Interview mit einem Vampir“, Immortal und der Addams Family anzusiedeln. Die Dame übernimmt den obligatorischen Lady-Of-Sorrow-Part und unterstützt die düstere Atmosphäre mit sphärischen Gesängen. Auch wenn den einen oder anderen die Opulenz der Stücke vielleicht abschrecken wird, ist die Musik von FLESHGOD APOCALYPSE sehr facettenreich, professionell komponiert und gespielt. Pianist Francesco Ferrini sitzt tatsächlich an einem Klavier, an dem eigentlich nur noch die Kerzenhalter fehlen. Klar, schick sieht das alles aus, aber es hinterlässt eher den Eindruck eines prätentiösen Musiktheaters, einer (ungewollten) Persiflage auf die erzwungene Finsternis des Black Metal. Musikalisch gibt es - bis auf die anstrengenden, weil teilweise quietschigen, Sopraneinlagen von Veronica Bordacchini - nichts auszusetzen. 'The Violation' wird mit einem Zitat aus Dante Alighieris "Die Göttliche Komödie" eingeleitet, das Sänger Tommaso Riccardi effektreich aus dem bereit gelegten Buch vorliest. Dem Klassiker der Weltliteratur kann das folgende Stück vielleicht nicht das Wasser reichen, aber es bietet sicherlich einen guten Soundtrack für Virgils und Dantes Trip durch die Hölle. Die Fans sehen das genauso und machen STAM1NA den Titel im Synchronheadbangen streitig. Als plötzlich Bandmitglieder von STAM1NA in albernem Corpsepaint und Gewandung über die Bühne wandeln, können sich auch die sonst so finster dreinblickenden Italiener das Lachen nicht verkneifen. Es ist die letzte Show der Tour, Zeit für Späßchen und Streiche. Später gesellen sich auch INSOMNIUM-Mitglieder dazu und performen zusammen mit FLESHGOD APOCALYPSE den letzten Song. Als Outro dröhnt noch stilecht Verdis 'Dies Irae' aus den Lautsprechern, das Licht geht an - der Spuk ist vorbei.

Nach einer kurzen Umbaupause stehen endlich INSOMNIUM auf der Bühne. Im letzten Jahr waren die vier mit den Kollegen von Children Of Bodom unterwegs und haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Anfang 2014 veröffentlichten sie ihr hochgelobtes Album „Shadows Of The Dying Sun“ mit dessen Opener 'The Primeval Dark' die Band auch loslegt. Die Finnen glänzen mit einer ausgeglichenen Setlist, musikalischer Finesse und sympathischem Auftreten. Bereits nach den ersten Tönen wissen die Fans, welcher Song folgt und feiern so jede Nummer. Der Finnen-Vierer um Niilo Sevänen (Vocals, Bass), Markus Vanhala (Gitarre), Ville Friman (Gitarre) und Markus Hirvonen (Schlagzeug) weiß einfach, wie es geht. Sie als Death-Metaller zu beschreiben, kann dem Sound der Nordlichter nicht gerecht werden, zu viele verschiedene Einflüsse lassen sich in den Songs hören. Death als Grundlage, Thrash-Anleihen, ein bisschen Folk - doch niemals kommen die Melodien zu kurz und niemals wirken die Songs überladen. Tracks wie 'The Elder' oder 'Last Statement' rufen Begeisterungsstürme bei den Fans hervor. Fronter Niilo Sevänen erklärt nochmal, was es mit der letzten Show der Tour auf sich hat und wird schon bald selbst Opfer: Plötzlich stürzen die finnischen Landsmänner von STAM1NA auf die Bühne und bemalen INSOMNIUM etwas grobmotorisch mit schwarzer Farbe (Ob die aus dem Kostümfundus von Fleshgod Apocalypse stammt?), doch davon lassen sich die vier nicht aus der Ruhe bringen und spielen fehlerfrei weiter. Und selbst die düsteren Italiener von FFLESHGOD APOCALYPSE nehmen sich zum Tourabschluss auf die Schippe und kommen in ihren Anzügen als Kellner mit übergehängtem Tuch auf die Bühne: Für INSOMNIUM gibt es Wein aus der Flasche und Häppchen vom Plastiklöffel - Tourleben-Quintessenz. Bald darauf verlässt die Band die Bühne. Lange lassen sich INSOMNIUM allerdings nicht bitten und erscheinen wieder für eine erste Zugabe. Besonders 'Unsung' vom 2011er Album „One For Sorrow“ überzeugt mit seinen eingängigen Gitarrenmelodien. Als Rausschmeißer muss das düstere 'Down With the Sun' herhalten, aber danach ist wirklich jeder glücklich und freut sich bereits auf die nächste Europatournee.

Setlist INSOMNIUM

The Primeval Dark
While We Sleep
Revelation
Daughter Of The Moon
Only One Who Waits
The Harrowing Years
Weather The Storm
The Elder
Last Statement
Ephemeral
The Promethean Song


---


The Gale
Mortal Share


Unsung
Weighed Down With Sorrow
Down With the Sun

 

Pics: Nina Hammelstein

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