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IN EXTREMO

Elspe, Naturbühne

IN EXTREMO

Wenn man seine Kindheit in diesem Teil des Sauerlandes verbringt, gibt es zwei Ausflugsziele in der direkten Umgebung, die das Herz höher schlagen lassen: Die Burg Bilstein und die Karl-May-Festspiele in Elspe. In dieser Hinsicht ist das Konzert von IN EXTREMO auf der Naturbühne, umgeben von Wild-West-Kulisse, schon etwas ganz Besonderes. 

Ich bin gerade auf dem Gelände angekommen, als ich bereits die ersten Klänge von der Bühne höre. DRITTE WAHL müssen schon um 19.20 Uhr auf die Bretter, satte 40 Minuten vor der plakatierten Anfangszeit. Nichtsdestotrotz haben sich bereits einige Leute vor der Bühne eingefunden, und die Rostocker legen mit gewohnt großer Spielfreude los. Das Publikum ist mit dem Material der Punks augenscheinlich kaum vertraut, aber im Laufe des Auftritts bricht das Eis, so dass bei 'Wo ist mein Preis' sogar ein Mitsingpart funktioniert. Pünktlich zur Tagesschau beenden die vier Herren dann mit 'Fliegen' ihr Set, und einige Zugaberufe zeugen davon, dass sie sich heute ein paar neue Fans erspielt haben.
 
Eine knappe halbe Stunde später ist es dann soweit: Das Intro erklingt und Dr. Pymonte betritt zunächst allein die Bühne, um den Klangbaum zu bearbeiten. Unter Pyro-Einsatz fällt anschließend ein Banner und IN EXTREMO starten mit 'Rasend Herz' in den Abend. Die Band ist wie immer bestens eingespielt, und der Sound ist gewohnt gut, allerdings will der Funke zu Beginn nicht ganz überspringen. Die Bewegung im Publikum hält sich (wahrscheinlich auch wegen des zur Bühne hin abfallenden und stufigen Bodens) in Grenzen, aber bei 'Vollmond' wird dann doch lauthals mitgesungen. Die Setlist ist generell gut gemischt, von alten Mittelalterschinken wie 'Merseburger Zaubersprüche II' bis zum neuen Album ist alles vertreten (auch wenn mir persönlich 'Kunstraub' gefehlt hat) und nach und nach taut das Sauerländer Publikum dann auch auf. Da stört es auch nur am Rande, dass Michael Rhein immer von „Elpse“ statt von Elspe spricht (obwohl er vollmundig verkündet hatte, dass er, im Gegensatz zur Vorband – die das Siegerland begrüßt hatten – wisse, wo er sei), der Fronter dirigiert heute gewohnt souverän das Publikum und freut sich sichtlich einen Ast ab, wenn die Leute zum Beispiel vor 'Sängerkrieg' statt der normalen „How How“-Rufe zu Ehren des Wild-West-Flairs der Location „Hau Hau“ brüllen. Die Bühnenshow wirkt wie immer lebendig, was neben dem letzten Einhorn vor allem am Einsatz der Bläserfraktion liegt, die quasi immer in Bewegung ist. Erwähnenswert, weil absolut großartig und passend, ist die Licht- und Pyroshow, die der Siebener auffährt: Ob Lichtkaskaden wie bei 'Unsichtbar' oder rote Feuerschalen bei 'Gaukler' – alles wirkt stimmig und wertet die Show ungemein auf. Diese findet mit 'Aufs Leben' nach 80 Minuten ein Ende, doch für zwei Zugaben lassen sich die Herren nochmal auf die Bretter bitten und sorgen mit 'Spielmannsfluch' und 'Ai Vis Lo Lop' für einen runden und fulminanten Abschluss.
 
In Extremo untermauern ein weiteres Mal ihren Ruf als grandiose Liveband, auch wenn ich im Gesamtpaket schon bessere Auftritte von ihnen erlebt habe. Für ein Metalkonzert ist die Naturbühne allerdings ziemlich ungeeignet, da der bereits angesprochene Boden im Zuschauerraum beinahe jegliche Bewegung im Publikum zu einer Straucheleinlage macht und damit leider fast komplett unterbindet.
 
 
SETLIST IN EXTREMO
 
Rasend Herz
Horizont
Zigeunerskat
Vollmond
Feuertaufe
Herr Mannelig
Viva la Vida
Unsichtbar
Gaukler
Liam
Himmel und Hölle
Merseburger Zaubersprüche II
Belladonna
Sängerkrieg
Frei zu Sein
Küss Mich
Aufs Leben
+++++
 
Spielmannsfluch
Ai Vis Lo Lop

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