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HEAVEN´S BASEMENT

Bochum Total

HEAVEN'S BASEMENT

Klar, während eines breit gefächerten „Umsonst und draußen“-Festivals wie dem Bochum Total muss man beim Aufstöbern der wenigen Schwermetall-relevanten Bands schon ein gutes Näschen beweisen. Das Wühlen im immerhin viertägigen Programm lohnt sich jedoch, wenn man dabei über solche Live-Perlen wie HEAVEN'S BASEMENT aus England stolpert.

HEAVEN'S BASEMENTDas Kreischkonzert etlicher Teenie-Mädels, kurz bevor die britische Combo gegen 18:20 Uhr die Ringbühne entert, stürzt den einen oder anderen fündig gewordenen Sleaze-Rocker zunächst in einen Zustand sichtlicher Verwirrung. Falsche Bühne erwischt? Spontane Änderung in der Running Order? Oder vielleicht doch noch eine etwas verspätete Zugabe des kurz zuvor aufgetretenen Gil Ofarim? Nein, tatsächlich geht hier alles mit rechten Dingen zu. Und spätestens als Gitarrist Sid Glover beim Abziehen seiner Show das Shirt auszieht, dürfte klar sein, was es mit dem vermeintlichen Boygroup-Alarm auf sich hat. Zum Glück haben HEAVEN'S GATE ansonsten aber mit den unzähligen Retorten-„Bands“ nichts am Hut und feuern lieber mit ihren gesammelten Werken von der Debütscheibe „Filthy Empire“ eine Ladung allerfeinsten Hardrocks auf die Menge ab. Wie das klingt? Man nehme eine Basis aus Skid Row und den jungen Bon Jovi, würze sie mit einem gestrichenen Löffel Guns N' Roses und füge zum Verfeinern noch einen Hauch Modern Rock à la Nickelback hinzu. Einmal tight durchschütteln und wohl bekommt's!

Live geht diese Backmischung zumindest weg wie geschnitten Brot. Es dauert keine zwei Songs, da hat Front-Derwisch Aaron Buchanan – der seine Friseur-Empfehlung offenbar von Airbourne-Mainman Joel O'Keeffe zugesteckt bekommen hat – das bunt gemischte Publikum in eine Horde überzeugter Hairspray-Metaller verwandelt, und die Begeisterungsbekundungen kommen schon längst nicht mehr nur aus weiblichen Kehlen. Der anfangs etwas zu leise, dann aber hervorragende Sound tut sein Übriges. Die Briten sind „very amused“ - schließlich wissen sie genau, dass die Hälfte der inzwischen Haare schüttelnden Zuschauer sie vor wenigen Minuten nicht einmal gekannt hat. Kein Wunder – so viel Spielfreude muss selbst die trübste Tasse noch anstecken. So viel Begeisterung belohnt Aaron mit einem Bad in der Menge, vergisst jedoch beim Crowdsurfen das Singen nicht und wird derweil auf der Bühne würdig vertreten. Eines ist nach dem gut einstündigen Auftritt klar: Zur deutsch-britischen Posermetal-Freundschaft dürften HEAVEN'S BASEMENT mit dieser Darbietung ein große Dose Haarspray beigetragen haben.

HEAVEN'S BASEMENT

 

Pics: Alexandra Michels