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HARASAI, DECAYING DAYS, THY SUMMERDAYS TRAGEDY

Münster, Baracke

HARASAI

Bei den heutzutage omnipräsent vertretenen, überdimensionierten Tourpackages und Kirmesfestivals muss es auch mal um das kleine Underground-Konzert mit lokal/regional bekannten Bands gehen. So auch am heutigen Abend im beschaulichen Münster, wo der Bär in der Regel ja sonst eher Hipster-studentisch als metallisch steppt.

Die Baracke am Aasee ist so etwas wie eine Fusion aus Fachschaftsgebäude der Uni, linkem soziokulturellen Zentrum und Konzertlocation mit unschlagbar günstigen Eintritts- und Getränkepreisen, Punk-Flair und in Sachen Sound- und Lichttechnik leider eher bescheiden bestückt. Egal, auf der beengten Bühne ist optisch alles ganz ansehnlich zurechtgebastelt worden und mit rund 80 Leuten ist der Laden zwar nicht proppenvoll, aber es haben schon bekanntere Acts vor weitaus weniger Publikum auf die Bretter gemusst.

THY SUMMERDAYS TRAGEDYZur Primetime legen die kurzfristig für die abgesprungenen Sauerland-Thrasher Escalation eingesprungenen THY SUMMERDAYS TRAGEDY los und feuern von der ersten Sekunde an direkt aus allen Rohren. Das 2010 gegründete Quintett hat im letzten Jahr seine Debüt-Scheibe „A Path Through My Ashes“ vorgelegt und lässt sich am ehesten im Bereich progressiver Deathcore verorten. Man schwankt stark zwischen Geknüppel mit dazugehörigen Röchel-Vocals und ruhigen instrumentalen Verschnaufpausen. Technisch sitzt besonders im Gitarren- und Schlagzeug-Bereich alles einwandfrei, vom Songwriting her fehlt es bislang noch an einprägsamen Widerhaken-Momenten, welche die Identität der Band weiter voranbringen könnten. Dabei sei darauf verwiesen, dass die Jungs es in Form von sphärischen Post-Metal-Longtracks auch anders können, von denen es aber nichts in die Setlist geschafft hat. Nach 35 Minuten gibt es artigen Applaus vom zurückhaltenden Publikum, das vielleicht mehr wegen des Melodeath-Sounds der kommenden Bands vor Ort ist.

DECAYING DAYS sind grundsätzlich schon um einiges länger aktiv, haben durch Stilkorrektur und Line-up-Wechsel in der Vergangenheit aber nie so richtig in der an sich ja sehr vitalen Münsteraner Metalszene durchstarten können. Wie schnell sich daran etwas ändert, wird vom für Anfang 2014 geplanten Album und mehr Shows abhängen. DECAYING DAYSWas es hier auf die Ohren gibt, klingt allerdings vielversprechend. Stilistisch auf meist finnisch-melancholischem Terrain unterwegs, erfinden sie das Melodic-Death-Rad nicht neu, strahlen dennoch trotz geringer Live-Erfahrung jede Menge Spielfreude aus. Schade dass der Boxen- und Mikrosound so verdammt unausgewogen ist. Dadurch kommen nicht alle Frequenzen zum Tragen und auch die coolen, tiefen Growls klingen zu blechern. Erfreulich ist in jedem Fall das größere Publikumsinteresse (man hat offensichtlich die meisten Bekannten am Start), die auffällig vielseitige Bassarbeit und der gesondert hervorzuhebende Midtempo-Brocken 'Empty World'. Solo-Gitarrist Daniel post auf der Bühne übrigens immer wieder im Slash-Haarmopp-Gedächtnis-Look minus Zylinder. Weiter so Leute, mit zunehmender Erfahrung wird das auch alles was!

Davon haben HARASAI in den letzten Jahren bei Festivalgigs und zahlreichen Clubshows schon viel sammeln können. Die Altenessener hatten in den letzten Wochen mit Problemen an einem Sechssaiter-Posten zu kämpfen, sind aber routiniert genug um als Headliner des Abends auch die kleine Baracken-Stage zum qualmen zu kriegen. Gegen 22:40 Uhr schallt das Intro durch den Raum und auf geht’s in eine gute Dreiviertelstunde Göteborg-Melodeath. Fronter Martin hält sich keine Minute auf der Bühne und springt die meiste Zeit auf dem Boden davor herum oder dreht die ein oder andere Runde durchs Publikum. „Schön wieder in Münster zu sein, eine Stadt voller Fahrräder und Tatorte“ oder „Der nächste Song handelt von dem ganzen Wochenendwahnsinn, ihr wisst schon, Saufen, Kiffen, das was man lieber lassen sollte“, zählen zu den amüsanteren Ansagen des Abends. Bassist/Clean Vocalist Arne, neuerdings mit Kurzhaarfrisur unterwegs, bangt die ganze Zeit mit und Klampfer Yannick soliert immer wieder beeindruckend. Dass man trotzdem schon geilere Gigs von HARASAI gesehen hat, dürfte an den bereits erwähnten Besetzungsschwierigkeiten, der schlechten PA und der ohne Zweifel zu winzigen Bühne liegen. Gern mehr von Abenden wie diesem, aber aus rein praktischen Gründen bitte in einer professionelleren Location!

 

SETLIST HARASAI

Into Oblivion
Resist Rebuild
Three Kings
Heretic Souls
Destructive Masquerade
Dying Race Domain
The Liquid Everything
A Constant Disbelief
Spearhead Of Storms

 

Pics: Nova Rizal