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HALESTORM, WILSON, NOTHING MORE

Köln, Live Music Hall

HALESTORM

Combos, die als erste Vorband einen Konzertabend eröffnen, haben es häufig schwer. WILSON jedoch spielen ihr Set einfach als wäre es ihre Headlining-Show und erfüllen die Einheizerrolle perfekt. Die selbsternannten Party Animals aus Detroit reißen schon während der ersten beiden Songs beinahe die Live Music Hall ab.

Mit leicht fragwürdigen Titeln wie 'If You Ever Leave Me, I Will Find You', 'College Gangbang' und besonders viel Enthusiasmus können Wilson das Kölner Publikum sofort von sich überzeugen. Zusätzlich zu Gastauftritten ihrer Tour-Kollegen, die sie auf der Bühne besuchen – es ist schließlich der letzte Gig der Tour – bekommen die Fans noch einen ganz besonderen Leckerbissen vorgesetzt: Als die ersten Töne von 'Back In Black' ertönen, ist kollektives Ausrasten angesagt. Man könnte jetzt sagen, dass die Jungs von Wilson sich mit fremden Federn schmücken, aber wer schon mit seinen eigenen Songs begeistert, darf auch ruhig mal ein Fan-Service-Cover einbauen. Frontbart Chad spielt ein bisschen Heavy-Metal-Xylophon auf unterschiedlich gefüllten Bierflaschen, nimmt schließlich einen großen Schluck aus einer der Flaschen und lässt sich vom tobenden Publikum bis ans Ende der Halle tragen. So viel Spaß hat schon lange keine Vorband mehr gemacht.

Nachdem Wilson derart vorgelegt haben, treten die Texaner von NOTHING MORE ein schweres Erbe an. Die Zuschauer fordern mehr und an fehlender Motivation der Musiker soll es nicht scheitern: Sänger Jonny Hawkins hüpft leicht bekleidet auf die Bühne und wirbelt die nächsten 45 Minuten wie ein Irrwisch zwischen seinen Bandkollegen umher. Musikalisch lassen sich die Jungs aus Texas nicht die Butter vom Brot nehmen, aber leider hilft der Waschbrettbauch nicht beim Singen und so geraten vor allem die hohen Töne immer wieder in Schieflage. Die Jungs der anderen Bands kommen zwischendurch mit einem Augenzwinkern und nur mit Shorts bekleidet auf die Bühne und unterstützen Nothing More bei ihren Songs – die Stimmung ist ausgelassen und das überträgt sich gleich auf die Zuschauer. Immer wieder wird auch eine steampunkig-anmutende Trommel in die Show eingebunden, auf der Jonny dann den Rhythmus angibt. Alles in allem eine überaus motivierte und überzeugende Leistung, die aufgrund der übertriebenen Selbstdarstellung des Frontmanns – wie in den teilweise leicht verstörten Blicken des Publikums zu lesen ist – allerdings etwas an den Nerven zerrt.

Die Vorarbeit ist geleistet, das Publikum in Bier- und Rocklaune – beste Grundlagen für die Amerikaner von HALESTORM. Die Geschwister Hale und ihre Musikantenfreunde Joe und Josh erklimmen pünktlich um 22:00 Uhr die Bühne und rocken gleich mit 'Mz. Hyde' los. Frontfrau Lzzy macht mit ihrer umgeschnallten Gibson-Signature-Gitarre und auf schwindelerregenden Plateauschuhen wirklich eine super Figur – und dann noch diese Rockröhre! Songs wie 'Rock Show' oder 'Freak Like Me' greifen perfekt die Stimmung in der Live Music Hall auf – weder Band noch Publikum brauchen eine Vorlaufzeit, da wird sofort auf höchstem Level gefeiert. Zwischendurch klingt Lzzys Stimme leider immer wieder etwas heiser, wohl der Preis des Non-stop-Tourens. Das tut der Show jedoch absolut keinen Abbruch, denn keiner der Musiker lässt sich den Touralltag anmerken: Schlagzeuger Arejay, Gitarrist Joe, Bassist Josh und Frontfrau Lzzy haben sichtlich Spaß an ihrem Job und spielen Reißer wie 'I Am The Fire' sicher routiniert, aber niemals gelangweilt. Zwischendurch bedankt sich Lzzy sehr emotional bei den Fans und erklärt, wie glücklich sie sich schätzen, ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben. Klar, das ist sicher nicht die erste Liebeserklärung dieser Art, die der geneigte Rockkonzertbesucher hört, aber an Lzzys Dankesrede klingt zur Abwechslung mal nichts aufgesetzt. Als sie am Keyboard daraufhin das ruhigere 'Break In' anspielt, das in den Song 'Familiar Taste Of Poison' übergeht, werden gleich zahlreiche Feuerzeuge in die Luft gereckt. Danach hat dann Drummer Arejay die Bühne für sich und liefert ein wildes und kurzes Drumsolo ab. Zwischendurch übernimmt sogar einmal Nothing-More-Frontmann Jonny die Drumsticks (er beherrscht nämlich neben Gesang und Rhythmusgymnastik auch das Schlagzeug) während Arejay gutgelaunt die Bühne auf und ab hüpft. Für einen krönenden Solo-Abschluss hat er überdimensionale Drumsticks parat, die allein schon aufgrund der komischen Proportionen für Freude beim Publikum sorgen. Obwohl das Publikum jedes Lied auf tiefster Seele mitsingt: Man hat das Gefühl, dass der Chor zur „Into the Wild Life“-Single 'Apocalyptic' noch einmal doppelt so laut wird. Der ausgemachte Gassenhauer knallt vor allem live so richtig – da fliegen vor lauter Wonne sogar die (vollen) Bierbecher durch die Halle. Als letzter Song steht der HALESTORM-Rausschmeißer 'Here's To Us' auf der Setlist und zum Abschluss der Show und der Tour kommen noch einmal alle Bands auf die Bühne, um sich gemeinsam zu verbeugen und feiern zu lassen. Nach rund 80 Minuten Rock 'n' Roll – ein bisschen mehr hätte es gerne sein dürfen – versprechen HALESTORM die nächste Show für den Spätsommer und entlassen die glücklichen Fans in die Kölner Nacht.

SETLIST HALESTORM

Mz. Hyde
It's Not You
Rock Show
I Get Off
Freak Like Me
Amen
Love Bites (So Do I)
Daughters Of Darkness
I Am The Fire
Break In / Familiar Taste Of Poison
Drum Solo
I Miss The Misery
Bad Girls World
Apocalyptic
Mayhem
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I Like It Heavy
Here's To Us

Pics: Nina Hammelstein

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