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WIZARD, GUN BARREL, MAJESTY, GRAVE DIGGER

Bochum, Zeche

Grave Digger

Ein Blick vor die noch verschlossenen Türen der Zeche reicht, um zu wissen, wohin die Reise am heutigen Abend geht: Soweit das Auge reicht, stehen langhaarige, Kutten- und Bandmerchtragende Gestalten herum, viele von ihnen auch schon im gesetzteren Alter. Vier Bands haben sich unter dem Banner der ,,German Metal Attack" zusammengefunden, um den Anwesenden den einzig wahren Stahl vor den Latz zu knallen.

MajestyUm 18 Uhr starten die Kölner GUN BARREL in ihr halbstündiges Set. Mit 'Brace For Impact' geben die Jungs um Fronter Patrick alles und zeigen mit ihrem arschtighten 'Dirty Metal Rock'n'Roll' der Zeche einen ausgestreckten Mittelfinger. Die schon gut gefüllte Halle geht nach kurzer Aufwärmphase gut mit, und nach dem abschließenden 'Lonely Rider' holen sich GUN BARREL ihren wohlverdienten Abschlussapplaus ab.

Angenehme 15 Minuten Umbauzeit später verdunkelt sich die Halle für MAJESTY, die ihre Lehrmeister Manowar zu keiner Sekunde leugnen. Epischer True Metal, große Gesten, Geschichten über den 'Thunder Rider' und große Schlachten auf den 'Fields Of War' – eigentlich  fehlt nur noch das Motorrad, und Tarek und seine Mannen könnten als Tribute-Band durchgehen. Das Publikum hat jedenfalls Bock auf Schlachtenhymnen und feiert den heute um einen Rhythmus-Klampfer erweiterten Vierer mit intensivem Mitklatschen und "Hail! Hail! To Majesty!"-Rufen nach allen Regeln der Kunst ab. Die Band dankt es ihnen mit einer dreiviertel Stunde Vollgas,  bevor sie mit den ersten "Zugabe"-Rufen des Abends in die Garderobe geschickt werden.

WizardDass Bocholt nicht zu den weißen Flecken auf der metallischen Landkarte zählt, beweisen WIZARD: Die Szeneveteranen machen von Anfang an Alarm und schaffen es, mit ihrem Keyboardfreien Power-Metal die Stimmung in der Zeche aufrecht zu halten. Besonders Frontsau Sven D'Anna flirtet quasi dauerhaft mit dem Publikum, zeigt sich auch nicht berührungsängstlich und verbreitet gute Stimmung allerorten. Aber auch Bassist Volker und Gitarrist Dano scheinen dem Duracel-Häschen die Batterien geklaut zu haben, denn trotz des begrenzten Platzes auf der Bühne machen sie Meter und bangen gerne und viel. Die Zeche ist offensichtlich ebenfalls nicht müde zu kriegen, zu genretypischen Songs wie 'Defenders Of Metal' (Manowar sagen auch hier „Servus“) und 'Children Of The Night' wird gefeiert und Fäuste bzw. Pommesgabeln gen Decke erhoben. Auch hier ist nach einer Dreiviertelstunde Schluss, und ebenfalls unter großem Applaus verlassen die Jungs die Bühne.

Wer jetzt meint, aus dem Publikum sei die Luft raus und die Stimmung könne nicht noch besser werden, der irrt gewaltig. Nachdem sich offenbar in der Umbaupause alle Anwesenden nochmal gestärkt haben, ist es um exakt 20.40 Uhr so weit: Das Licht geht aus und der Reaper betritt mit einem Akkordeon die Bühne, um unter lautstarker Unterstützung der Anhängerschaft das Intro der aktuellen Scheibe, 'Charon', zu intonieren. Anschließend stürmt der Rest des GRAVE DIGGER-Clans unter den ersten Klängen von 'Clash Of The Gods' auf die Bühne. Sofort fällt auf, dass die neuen Songs wesentlich fetter aus den Boxen dröhnen als auf dem Album. Die Band agiert wie gewohnt agil, gerade Gitarrist Axel Ritt post wie ein Weltmeister, während Bandkopf Chris Boltendahl vor guter Laune nur so überschäumt und sichtlich Spaß hat, mal wieder (laut seinen Worten zum zwölften Mal) in den alt-erwürdigen Gemäuern der Zeche auftreten zu dürfen.

Grave DiggerDie Setlist deckt die mittlerweile 33-jährige Geschichte der Gladbecker Metal-Institution gut ab, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf den Songs des neuen Albums liegt, welche mit vier Titeln vertreten ist. Ansonsten fällt besonders der "The Grave Digger"-Song 'The House', welchen die Totengräber wieder aus der Mottenkiste geholt haben, und ein Medley, bestehend aus 'The Reaper', 'Baphomet', 'We Wanna Rock You' und 'Twilight Of The Gods'. Dem Publikum ist das alles wurscht, sie feiern neuere Kracher wie 'Hammer Of The Scots' oder 'Ballad Of A Hangman' genauso wie Klassiker der Marke 'Excalibur' oder 'The Round Table (Forever)' ab und sind immer textsicher.

Nach einer Stunde und 15 Minuten beendet dann das unvermeidliche 'Rebellion (The Clans Are Marching)' das Set, bevor zur Zugabe Barhocker auf die Bühne gestellt werden (O-Ton Chris: "Wir sind mittlerweile Ende vierzig, da können wir die Zugabe nicht auch noch im stehen spielen!") und 'Yesterday' in einer grandiosen Akustikversion gezockt wird. Anschließend werden die Hocker natürlich wieder weggestellt, und mit 'Highland Farewell' und dem obligatorischen 'Heavy Metal Breakdown' schicken GRAVE DIGGER die nassgeschwitzten und platten Metaller nach 90 Minuten in die regnerische Bochumer Nacht.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Tourname "German Metal Attack" voll und ganz zutrifft. Drei supermotivierte Vorbands haben den anwesenden Fans ordentlich in den Arsch getreten und dafür gesorgt, dass sich niemand über den Kauf der Karte geärgert hat. Auch Grave Digger zeigen nach über dreißig Jahren, dass sie immer noch nicht zum alten Eisen gehören und weiter als Garant für schweißtreibende Liveshows gelten dürfen.

 

Setlist Grave Digger:

Charon (Fährmann der Toten)
Clash Of The Gods
Death Angel & The Grave Digger
Hammer Of The Scots
Ballad Of A Hangman
The House
Killing Time
Medusa
Excalibur
The Reaper/Baphomet/We Wanna Rock You/Twilight Of The Gods (Medley)
Knights Of The Cross
The Round Table
The Dark Of The Sun
Home At Last
Rebellion (The Clans Are Marching)
-------
Yesterday (Akustisch)
Highland Farewell
Heavy Metal Breakdown

 

Pics: Maximilian Blom

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