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GHOST, INSENSE, IN SOLITUDE

Ghost - Berlin, Festsaal Kreuzberg

GHOST sind in aller Munde, sammeln eine beachtliche Anhängerschar um sich und sind offensichtlich gerne in Berlin. Jedenfalls findet dieses Jahr schon das zweite Headlinerkonzert statt. Die Schweden haben einen Day-Off von ihrer Tour mit In Flames und wollen diesen wohl nutzen. Geändert hat sich seit dem Gig im kleineren White Trash nicht besonders viel, bis auf eins: Es ist voll! Und die Ghost-Shirtdichte ist hoch, obwohl die Bekleidungssstücke mit 20 Euro zu Buche schlagen. Dafür gibt es allerdings auch ein cooles Clockwork-Orange-Motiv.

INSENSE dürfen den Konzertabend pünktlich eröffnen. Die Metalcoreler sind Opener bei der aktuellen In Flames-Tour, bei der neben Rise To Remain und Trivium irgendwie auch Ghost aufs Billing gerutscht sind. Das scheint die Qualifikation von INSENSE für diesen Konzertabend zu sein, denn das Quartett ist weder stilistisch passend noch qualitativ besonders gut. In einer "Core-meets-mittelalte-Machine Head"-Melange brüllt man sich austauschbar durch ein Set, bei dem lediglich die gelegentlichen ruhigen Momente überzeugen können.

IN SOLITUDE sind da naturgemäß von etwas anderem Kaliber und heizen den schon zahlreich anwesenden Headbangern ordentlich ein. Sänger Pelle Åhman hat trotz seines merkwürdigem Äußeren (Fuchsfell auf der Schulter, Corpsepaint) viel Charisma und sein Bruder, Bassist Gottfrid Åhman, ist die pure Rampensau. Geboten wird ein hastiger, energetischer Set, der zum Mitbangen anregt. Warum die Band allerdings am Anfang der Show mit einem Bierbecher beworfen wird, bleibt wohl das Geheimnis des vermutlich tierisch besoffenen Werfers.

Bei GHOST ist dann erstaunlich hoher Girlie-Alarm - eine Nebenwirkung der In-Flames-Tour oder lieben die Mädels einfach nur die süßlichen Melodien? Jedenfalls ist das Gekreische unerwartet laut. GHOST haben sich auf ihren letzten Touren und bei dem langen Festivalsommer viel Routine erspielt und ziehen dementsprechend professionell ihre grotesk übersteigerte, blasphemische Show durch, die jedoch trotz des Fehlens neuer Elemente immer noch Feuer hat. Papa Emeritus hat die Massen vom ersten bis zur letzten Sekunde im Griff. Da stört es auch nicht, dass die Band spieltechnisch nicht gerade ihren besten Tag erwischt hat - die Ghoule haben zumindest an Ausstrahlung gewonnen, weshalb man das gerne verzeiht. Die größte Schwäche der Schweden ist aber immer noch vorhanden: Sie haben einfach zu wenig Songmaterial. Eingestiegen wird zur Abwechslung mal mit dem Instrumental 'Genesis' und an vorletzter Stelle kommt das Beatles-Cover 'Here Comes The Sun' in düsterem Moll, ansonsten ist alles wie gehabt - und die Spielzeit damit einmal mehr viel zu kurz. Es muss ein neues Album her! Ansonsten macht den Geistern bezüglich der Mischung aus eingängigem Songwriting und unterhaltsamer Religions-Verballhornung niemand etwas vor.