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OPERATION: MINDCRIME, TILL DEATH DO US PART

Aschaffenburg, Colos-Saal

Kommunikation ist nicht gerade die Stärke im Geoff-Tate-Lager. Die letzte News auf der Homepage stammt vom November letzten Jahres und im Vorfeld der Tour liest man, dass der Ausnahmesänger das komplette „Operation: Mindcrime“-Album akustisch, sowie Songs aus seinen beiden letzten Solowerken mit Saxofon, Dudelsack, Holzblasinstrumenten und Percussion präsentieren will. Während man sich dabei im Vorfeld eher auf den ersten Teil des Programms freut, ist man für das Andere erwartungsoffen oder fluchtbereit (es läuft ja parallel der DFB-Pokal). Und um es vorwegzunehmen, es ist ein Abend voller (positiver) Überraschungen.



Auf der Eintrittskarte (Abendkasse 31 Euro) findet sich ein Bild der Besetzung, die mit den heutigen Bühnenmusikern wenig zu tun hat. Weder John Moyer (Disturbed), Tausendsassa Brian Tichy, Simon Wright noch die Seattle-Veteranen Kelly Grey und Randy Gayne (beide Myth) sind auf der großen Europarundreise dabei.

Zunächst betritt eine unangekündigte Vorband die Bühne, die sich als TILL DEATH DO US PART vorstellt. Gefrontet wird die schottisch/amerikanische Allianz von Emily Tate, der Tochter von Geoff Tate. Zwar hat der Stil des Quartetts, der sich irgendwo in der Nähe von Evanescence orten lässt und durch viele Einspielungen vom Band geprägt ist, wenig mit dem folgenden Queensryche-Material zu tun. Zweifelsohne hat die flippige Tochter die Gene ihres Vaters. Gesegnet mit einer wunderbaren Stimme, ist ihr Auftreten absolut souverän und selbstsicher und mit ihrem Dekolleté (in dem sie auch die Merchandise-Einnahmen bunkert), sorgt sie für einen Blickfang an dem auch Rainer Brüderle seinen Spaß hätte. Der Höflichkeitsapplaus ist ihr sicher, was aber sicherlich auch der familiären Bande geschuldet ist.

Wie angekündigt wird zum 30-jähigen Jubiläum das Queensryche-Meisterwerk von 1988 in voller Länge spielt. Aber eben nicht akustisch und schon gar nicht mit einer ausgefallenen Instrumentierung. Auf der Bühne finden sich zwei der jungen Musiker der Vorband (die wohl erst nach der Veröffentlichung des Albums geboren sein müssten) und drei weitere - eher unbekannte - Musiker, die als multikulturelle Allianz (Kanada, Schottland, England und Brasilien) auf den ersten Blick zusammengewürfelt wirken. Aber auch hier täuscht man sich, gekonnt, demütig und engagiert interpretierten sie die 15 Stücke des Albums (teilweise mit drei Gitarren) und bieten dem Sänger die Rahmenbedingungen, um die Klassiker gesanglich zu veredeln. Der ist gut bei Stimme, besticht durch Spielfreude und die ihm eigene Gestik und Mimik. Optisch (mit Vollbart und Mafia-Oufit) zeigt sich mal wieder die Wandlungsfähigkeit des Künstlers. Und auch ohne großen Bühnenaufbau und Requisiten entfacht das Material seinen Zauber. Für die Rolle von Schwester Mary kommt bei 'Suite Sister Mary' seine Tochter auf die Bühne und die Kombination hat es in sich. Da sich Geoffs Frau Susan zudem um das Merchandise kümmert (im Angebot hier ein Rot- und Weißwein der Marke Geoff Tate aus südbadischer Produktion), kann man fast von einem Familienausflug reden. Letztlich ist die Aufführung ganz großes Gefühlskino und klar, dass nach der Schlussnummer 'Eyes Of A Stranger' tosender Applaus den gut gefüllte Colos-Saal flutet.

Der ein oder andere verlässt dann verfrüht die Halle, da das angekündigte Solomaterial des Sängers das Fanlager spaltet. Aber statt dem - nennen wir es mal künstlerisch gewagten Material - seiner Post-Queensryche-Phase zelebriert man noch das „Empire“-Album. Und da trifft er mit den vier Single-Veröffentlichungen 'Best I Can', 'Silent Lucidity', 'Empire' und 'Jet City Woman' eine gelungene Auswahl. Höhepunkt ist dabei die Schlussnummer, für die man sich Hilfe aus dem Publikum holt. Stand Tobias Sammet bis dahin eher beobachtend im Hinterteil der Halle, greift der Avantasia-Frontmann für das Duett nun auch zum Mikro und macht den Abend so zu einem einmaligen Ereignis. Wer nach den 90 Minuten 50 Euro übrig hat, kann nach der Show noch ein „Meet And Greet“ mit dem Großmeister, inklusive Autogramm, Händedruck und Foto erwerben. Wer sich aber auf den Heimweg macht, wundert sich, warum im Vorfeld nicht genauer über die wunderbare Setlist, die garantiert ein ausverkauftes Haus bedeutet hätte, informiert wurde.

Zumindest kann man mit dem Split von Queensryche gut leben, wenn sich der Sänger um die heute gespielten Alben kümmert und seine alten Weggefährten mit Todd La Torre das Frühwerk der Truppe bearbeiten und neues Material veröffentlichen (was Geoff Tate besser nicht tun sollte).


SETLIST OPERATION: MINDCRIME

I Remember Now
Anarchy-X
Revolution Calling
Operation: Mindcrime
Speak
Spreading The Disease
The Mission
Suite Sister Mary
The Needle Lies
Electric Requiem
Breaking The Silence
I Don't Believe In Love
Waiting for 22
My Empty Room
Eyes Of A Stranger
--
Best I Can
Silent Lucidity 
Empire
Jet City Woman

Pics: Rene Lamotte

 
 

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