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ODROERIR, EVERTALE, THE PRIVATEER, FIRTAN, FINSTERFORST

Freiburg, MensaBar

FINSTERFORST

Als ich um 18:30 Uhr in der MensaBar ankomme, weiß ich noch nicht, dass dies wohl einer der längsten Konzertabende wird, die ich bis jetzt besuchen durfte. FINSTERFORST haben zum zehnjährigen Jubiläum und der Bühnenpremiere ihres neuen Albums „Mach dich frei“ geladen und gleich noch drei lokale Bands sowie die Thüringer Odroerir dazugeholt, um eine große Party im sonst eher Metalkonzert-armen Freiburg zu veranstalten.

Eröffnet wird die Sause von den Power-Metallern EVERTALE. Die präsentieren ihr erstes Album „Of Dragons And Elves“, und wenig überraschend geht es in Blind-Guardian-artige Gefilde. Die Jungs haben einige Ohrwürmer im Gepäck und der locker gefüllte Zuschauerraum übt sich in leichtem Kopfnicken und etwas schüchternem Applaus, der im Laufe des halbstündigen Sets allerdings lauter wird. So viel Spaß die Songs auch machen, so schlecht ist leider der Sound: Gerade in den lauteren und mit Backtracks versehenen Songteilen zerren die Boxen stark, was den Gesamteindruck leider ziemlich trübt. Mit den ersten vereinzelten Zugabe-Rufen verabschieden die Offenburger sich um 19:20 Uhr von der Bühne.

Die Freiburger Freibeuter THE PRIVATEER entern um 20:00 Uhr die Bretter und starten mit etwas besserem Sound und vor vollerem Haus in ihr Set. Der Sechserpack kann mit seinem Heavy-Folk-Metal überzeugen und macht auf der Bühne ordentlich Alarm. Der überträgt sich leider (trotz einiger Animationen von Seiten der Band) nur bedingt aufs Publikum, das heute generell etwas hüftsteif agiert. Vor 'The Last Journey' gibt Fronter Pablo bekannt, dass Bassist Jonas die Band verlässt. Der bedankt sich artig bei den Fans und seine Bandkollegen nehmen ihn in den Arm. Die Melancholie ist aber spätestens dann überwunden, als die Band ihren Superfan Hermann auf die Bühne holt, der „uns schon nach Berlin gefahren hat!“ und heute Geburtstag feiert. Zu seinem Ehrentag darf er bei einem Stück mitsingen, was er wirklich gut macht. Über abschließenden Applaus und Zugabe-Rufe dürfen THE PRIVATEER sich bei ihrem Heimspiel natürlich auch freuen.

Mit dem Material der Thüringer Pagan-Metaller ODROERIR bin ich persönlich nicht vertraut, ein erheblicher Teil des Publikums zu meiner Verwunderung schon. Die feiern die siebenköpfige Band, die im Laufe ihres Sets gefühlte dreißig Instrumente bedient, dann auch gut ab. Ich persönlich werde während des ganzen Sets nicht so wirklich warm mit der Truppe und ihrer Musik. Mir fehlt irgendwie der gewisse Kick, und gerade nach der Vorstellung von The Privateer wirkt der Auftritt auf mich nicht wirklich mitreißend. Das sieht aber wie gesagt ein Teil des Publikums völlig anders, so dass man von einer gelungenen Show sprechen kann. Außerdem sind sie wirklich fit an ihren Instrumenten und zeigen, dass man selbst eine Maultrommel in einen Metal-Song integrieren kann, was den sechs Herren und der Dame auf der Bühne meinen Respekt sichert.

Der unangefochtene Publikumsliebling ist aber FINSTERFORST. Die MensaBar ist gut gefüllt, als die selbsternannten Black Forest-Metaller in ihren Set starten. Bei recht gutem Sound, den ich zu Anfang des Abends nicht von dieser Anlage erwartet hätte, holzen die Jungs durch ihr Programm. Gleich drei Tracks (plus Intro und dem Zwischenspiel 'Reise zum...') vom neuen Album bereichern die Setlist, bei 'Zeit für Hass' taut das Publikum sogar soweit auf, dass es zu einem Moshpit kommt. Herr der großen Gesten ist dabei Fronter Olli Berlin, der immer wieder zu Mitklatsch- oder Mitgrölaktionen animiert. Das heißt aber nicht, dass der Rest der Band nur still in der Ecke steht: Auf der Bühne ist ordentlich Bewegung und die Truppe hat sichtlich Spaß, was den Gig größtenteils sehr kurzweilig macht. Nur der abschließende 23-Minüter 'Finsterforst' weißt doch einige Längen auf. Um kurz vor 01:00 Uhr verlassen die Gastgeber unter Jubel die Bühne.

Dass die Umbaupausen während des Abends doch um einiges länger ausgefallen sind als gedacht, merken leider die Lörracher Schwarzmetaller von FIRTAN. Der Großteil des Publikums ist nach dem Finsterforst-Gig gegangen, und auch mich hält nur die Chronistenpflicht noch in der Location. Um 01:20 Uhr starten die Herren um Fronter Phillip Thienger so fulminant in ihr Set, dass ich mein Bleiben nicht bereue. Auch wenn die Truppe nicht immer hundertprozentig übereinanderliegt, rollen mächtige Songs wie 'Seelenfänger' oder 'Hypnos und Thanatos' bei brauchbarem Klang über die Verbliebenen hinweg. Als unkaputtbar zeigt sich dabei Olli Berlin, der vor der Bühne bangt und die Jungspunde abfeiert, als gäbe es kein Morgen.

Fünf Bands zu einem Event zusammenzuholen, ist ambitioniert und für die Konzertszene in Freiburg auf jeden Fall eine große Bereicherung. Schade nur, dass dadurch Firtan eine Stunde später als geplant und vor fast leerem Hause ranmussten. Trotzdem war es ein toller Konzertabend, den man durchaus als Leistungsschau der südbadischen Underground-Szene bezeichnen kann.

 

Pics: Maximilian Blom