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PORTRAIT, EVILE, DR. LIVING DEAD!

Köln, Underground

Evile

Da das Konzert an einem Sonntagabend stattfindet, geht es im gemütlichen Kölner Underground bereits pünktlich um 20 Uhr los, als die Schweden-Lümmel DR. LIVING DEAD die Bühne entern.

Dr. Living DeadZu dem coolen Fliegeralarm-Intro von 'World War Nine', gleichzeitig Opener der selbstbetitelten aktuellen Scheibe, stapfen die Musiker auf die Bretter und schnappen sich ihre Instrumente. Der Vierer legt bei seinem Auftritt ein Aggressionspotential vor, das perfekt durch die witzigen Totenkopfmasken ergänzt wird und bei Songs wie 'Gremlin’s Night', 'Hard Target', 'Dead End Life' oder dem grandiosen 'UFO Attack' für wüstes Banging in der ersten Reihe sorgt. Die Raumtemperatur steigt merklich an und man bekommt direkt Mitleid mit den Maskenträgern – darunter muss es unerträglich heiß sein! Vom Müffelgeruch ganz abgesehen. Der Rüpel-Crossover-Thrash erinnert ein ums andere Mal an die frühen Suicidal Tendencies, ein Eindruck, der durch die Bandanas auf den Totenschädeln noch verstärkt wird. Den ersten und einzigen Stagedive-Versuch des Abends können sich die Schweden auch noch auf die Haben-Liste setzen – die knapp 150 Anwesenden wahren ansonsten, bis auf wenige Unentwegte, einfach große Distanz zur Bühne.

PortraitBestens angewärmt ist man nach einer brachialen halben Stunde schon, die Umbaupausen zwischen den Bands sind angenehm kurz und so geht es wenig später mit dem zweiten Schweden-Act des Abends weiter: die Heavy Metal-Sensation des letzten Jahres, PORTRAIT, geben sich als nächstes die Ehre. Allerdings passt der Sound des Fünfers aus Kristianstad nicht wirklich zu den beiden anderen Bands. Souverän gespielter Heavy Metal in bester Tradition von MERCYFUL FATE auf der einen Seite und derber Thrash-Metal auf der anderen – das ist ein bisschen wie Hühnersuppe mit Schokopudding. Man mag ja beides, aber nicht unbedingt gleichzeitig. Außerdem, auch wenn ich mir nun den Hass von vielen Fans einhandle: eine gute halbe Stunde ist der permanent hohe Eierkneif-Gesang vom irgendwie auch viel zu übertrieben und pathetisch auftretenden Sänger so eben noch zu ertragen, dann wird’s schlicht und einfach nervig. Komisch, auf CD stört das lange nicht so sehr. Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass Songs wie 'Beast Of Fire', 'The Nightcomers' oder 'Bloodbath' durchaus musikalische Großtaten sind, die vom Publikum auch eifrig beklatscht werden – das Stimmungslevel ist im Vergleich zu DR. LIVING DEAD jedoch klar abgerutscht und so ist wohl kaum ein Anwesender besonders traurig, als mit 'The Nightcomers' nach knapp 45 Minuten der Schlussgong geläutet wird.

EvileDanach merkt man durchaus, wer an diesem verregneten Sonntagabend eigentlich der Herr im Underground ist: EVILE aus Großbritannien. Mit 'Killer From The Deep' vom Debütalbum „Enter The Grave“ geht es los und sofort machen die Anwesenden – nun deutlich näher an der Bühne – ordentlich Rabatz und setzen die Begrüßungsworte von Sänger und Gitarrist Matt Drake in die Tat um: „Thank you all for being here, let’s have a good time...“ Die Band ist überhaupt sehr gut gelaunt und präsentiert ihre Nackenbrecher gleich im Zehnerpack. Gewinner der ersten halben Stunde ist der heimliche Hit des neuen Albums „Five Serpent’s Teeth“, der entsprechend lautstark bejubelte Song 'Eternal Empire'. Natürlich liegt das Hauptaugenmerk der Setlist beim neuen Album – und das völlig zu Recht, denn Songs wie 'Cult', 'In Dreams Of Terror' oder 'Descent Into Madness' sind Nackenbrecher allererster Güte und werden sowohl von den eindrucksvollen Soli von Gitarrist Ol Drake als auch vom Dampfhammer-Schlagzeugspiel von Drum-Viech Ben Carter spitzenveredelt. Als Matt jedoch mit 'First Blood' den erste von drei Songs vom Debütalbum ankündigt, ist er von den enthusiastischen Reaktionen im Publikum wohl selber ein wenig überrascht – grinst sich eins und zockt die Granate, sowie 'Enter The Grave' und 'Bathe In Blood' mit Schmackes ins durchdrehende Publikum. Good friendly violent fun – so gehört sich das auf einem Thrash-Metal-Konzert halt!

Insgesamt ein toller Abend, bei dem lediglich die Schweden von PORTRAIT ein wenig Fehl am Platz wirkten.

 

Pics: Wolfgang Weitzdörfer