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ENTHRONED, IMPIETY, FORGOTTEN TOMB

Oberhausen, Helvete

Impiety

Ursprünglich standen für den heutigen Abend im Oberhausener Kult-Club Helvete vier internationale Acts aus dem weiten Feld des Black Metals auf dem Programm. Doch zum geplanten Startschuss um halb acht ist der Bühnenkeller noch verschlossen und auch kaum Partyvolk anwesend. Der Grund: den Spaniern NOCTEM wurde vor kurzem auf Tour offenbar die gesamte Backline geklaut, weswegen wir heute auf ihren Auftritt verzichten müssen.

Bis 21 Uhr lässt sich die Zeit also bequem an der Theke verbringen, während nach und nach die Konzertgänger eintrudeln. Die Singapurer IMPIETY sprudeln wie zu erwarten vor Energie über. Der Funke springt dabei angenehmerweise schneller über als beim letzten Gig im Helvete, bei dem man vor ungefähr einem Jahr Absu supportete. Auf der Bühne zum Quartett angewachsen, böllert sich die Truppe durch meist schnelle, oft technische Black-Thrash-Eruptionen. In den ersten Reihen finden sich sogleich willig moshende Fans ein. Weder Band noch Publikum lassen sich durch die Soundprobleme der Bassdrum, mit denen man zur Mitte des Gigs zu kämpfen hat,  die Stimmung verderben. Frontmann und Tieftöner Shyaitan leidet angesichts von Ansagen wie "We are the mighty IMPIETY from Singapore" und dem Song 'I Am The Godfather' sowieso kaum an Selbstunterschätzung. Vielleicht kein Wunder, dass man Jahr für Jahr Wechsel im Line-up zu verzeichnen hat. Nach 30 Minuten ist der kurzweilige Auftritt vorbei und die Zeit für den heimlichen Headliner gekommen.

Forgotten TombVor der Stage wird es merklich enger und bereits beim Soundcheck zeichnet sich das folgende Kontrastprogramm ab. Langsames, grooviges Riffing, durchschlagskräftige Drums und Vocals. Depressiver Black Metal mit Eiern eben. "We are FORGOTTEN TOMB from fuckin' Italy" stellt Sänger/Gitarrist Herr Morbid seine Combo kurz und knapp vor. Danach zermalmen Schwergewichte wie 'Deprived', das hitverdächtige 'Reject Existence' und das niederzerrend negative 'Cold Summer', bei dem der atmosphärische Höhe- und frequenzielle Tiefpunkt erreicht ist, den ganzen Laden. FORGOTTEN TOMB können sich anno 2012 auf ihren eigenständigen Sound und Charme verlassen, um heute als beste Band des Abends durchzugehen. Sie bewegen sich mittlerweile nahezu imagefrei in einer von Kitsch und Möchtegern-Kunst flankierten Szene und erinnern in ihrer lässigen Bühnenperfomance mit tiefgestimmten Saiteninstrumenten und Kippe zwischen den Zähnen manchmal an eine härtere Version von Type O Negative. Die Meute ist begeistert, eine Zugabe bleibt ihnen wegen des engen Zeitplans leider verwehrt. Später zeigt sich der Frontmann dafür als humorvoller Zeitgenosse, der sich unter spürbarem Einfluss seines Rotweins unters Volk mischt.

EnthronedAls ENTHRONED gegen 23:15 Uhr die Bühne entern, hat sich der Raum doch sichtbar geleert. Zwar bessert sich der Publikumszuspruch während des arg kurzen Auftritts noch, erreicht aber nicht mehr das vorherige Niveau. Das Urgestein des belgischen Black Metals krawallt sich von der musikalischen Seite her sehr kompetent durch eine Dreiviertelstunde ihres straighten Materials, das regelmäßig von rockigen Midtempo-Parts aufgelockert wird. Melodische Anflüge gehen allerdings weitgehend im Gerödel unter. Auch im Falle von ENTHRONED überrascht es, plötzlich ein Quintett inklusive eines mir zuvor nicht bekannten korpulenten, glatzköpfigen Fronters zu sehen. Ich kann dem latent gesichtslosen Old-School-Programm nicht allzu viel abgewinnen, allerdings muss man den Herren attestieren, auch nach fast 20 Jahren Bandbestehen (Originalmitglieder sind seit dem Weggang von Ur-Bassist/Sänger Lord Sabathan keine mehr dabei) noch ordentlich Power auf der Bühne zu haben und mit ihrem passenden Corpsepaint-Look die Traditionalisten-Fraktion zu begeistern. Beim nächsten mal bitte trotzdem mehr Spielzeit für den Headliner!

 

Pics: Meredith Schmiedeskamp

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