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IGNITE, TERROR, WISDOM IN CHAINS, H2O, RISK IT!, IRON REAGAN, TWITCHING TONGUES

EMP PERSISTENCE TOUR 2016

IGNITE

Wiesbaden, Schlachthof

Die sogenannten „Persistence“-Tourneen haben sich im Laufe der letzten Dekade zu einer erfolgreichen Marke der renommierten Konzertagentur M.A.D. entwickelt. Kein Wunder, dass auch die elfte Ausgabe im Januar einmal mehr für volle Hallen sorgt. Mit der Orange-County-Legende IGNITE haben die Berliner heuer einen würdigen Headliner am Start, der sowohl Hardcore- als auch Punkrock- und Metal-Fans begeistert und erst kürzlich mit der brandneuen Scheibe „A War Against You“, der ersten seit fast zehn Jahren, auf Platz 12 der deutschen Albumcharts eingestiegen ist.

RISK IT! aus Dresden fällt die undankbare Aufgabe zu, den Reigen in der hessischen Landeshauptstadt pünktlich um 18 Uhr vor maximal 100 Zuschauern zu eröffnen, sie schlagen sich mit ihrem von Agnostic Front und anderen NYHC-Größen latent beeinflussten Sound aber sehr wacker und kommen auch als Typen sympathisch rüber.

Noch besser machen es WISDOM IN CHAINS aus Pennsylvania. Die haben mit Shouter Mad Joe Black nicht nur eine echte Rampensau mit Billy-Milano-Optik in ihren Reihen, sondern überzeugen auch musikalisch mit einem eingängigen Mix aus Hardcore, Street Punk und Oi! - nebst vieler geiler Gangshouts zum Mitgrölen auf ganzer Linie. Umso ärgerlicher, dass der aktuelle Longplayer des Fünfers, „The God Rhythm“, am Merchandise-Stand vergriffen ist.

Unter die Kategorie „ärgerlich“ fällt leider auch der Auftritt von TWITCHING TONGUES, den selbsternannten „Massacrists of Melody“ aus L.A., die bei der mittlerweile auf ein paar Hundert angewachsenen Meute auf wenig Gegenliebe stoßen. Für meine Kumpels Tobi und Zeljko und auch für mich selbst liegt das einerseits an Frontmann Colin Young, der reichlich „esoterisch“ über die Bühne hampelt und zudem Probleme hat, die Töne richtig zu treffen, andererseits an der zu metallischen Grundausrichtung – Sacred Reich, ick hör dir stolpern - der Combo.

Auch die nachfolgenden IRON REAGAN, die 2012 von aktuellen bzw. ehemaligen Mitgliedern von Municipal Waste, Darkest Hour und Cannabis Corpse in Richmond, Virginia gegründet wurden, sind zwar auch eine Ecke mehr im (Thrash) Metal als im Hardcore verwurzelt, können aber mit ihrer lässigen Fuck-You-Attitüde und hektischen Nummern zwischen alten Nuclear Assault-Klamotten, Wehrmacht (kennt die noch jemand?) und eben Municipal Waste punkten.

H2OBei H2O ist es dann erstmals pickepackevoll vor der Bühne, zählt der Fünfer doch zu den populärsten Melodic-Hardcore-Vertretern von der Ostküste (bzw. aus New York City). Dementsprechend enthusiastisch wird die Band von weiten Teilen des Publikums auch abgefeiert. Dass Straight Edger Toby Morse (v.) und seine Jungs noch nicht einmal die komplette Spielzeit von einem halben Stündchen ausschöpfen, passt leider ins Bild, nachdem es der aktuelle Longplayer „Use Your Voice“ mit 22 Minuten gerade mal auf die Laufzeit einer EP bringt. Scheiß Minimalismus!

Dass sich beim Co-Headliner TERROR die ersten größeren Moshpits respektive Walls of Death des Abends formieren werden, war abzusehen, stehen die Gigs der HC-Abrissbirne aus Los Angeles doch unter der einst von Exodus definierten Maxime „Good Friendly Violent Fun“. Dabei legen Shouter Scott Vogel & Co. für 45 Minuten die Aggressivität einer bissigen Meute Pitbulls an den Tag, die selbst Leute beeindruckt, die das Quintett auf Tonkonserve nur durchschnittlich finden.

Mit 'This Is A War' vom aktuellen Chartbreaker verpassen IGNITE um kurz vor elf den geschätzten 1.300 bis 1.400 Fans die erste melodische Kopfnuss, der innerhalb der nächsten Stunde etliche weitere Highlights der letzten drei Alben wie 'Let It Burn','Veteran', 'My Judgement Day' und 'A Place Called Home' folgen.IGNITE Dass zwischendurch Vertreter von Amnesty International und Sea Shepherd ein paar warme Worte an die Zuschauer richten dürfen, gehört bei dem Kleeblatt aus Südkalifornien ebenso zum guten Ton, wie ausführliche Ansagen von Frontsirene Zoli gegen Gewalt und Krieg. Passend dazu gibt es gegen Ende des Sets eine rabiate Version der U2-Antikriegshymne 'Sunday, Bloody Sunday' zu hören, bevor das famose 'Live For Better Days' und 'Bleeding' die Show nach 15 Songs (respektive einer guten Stunde) viel zu früh beschließen.

Fazit: Auch wenn mir ollem Zausel – sechs Stunden auf den Beinen steckt man Ü50 nicht mehr so gut weg – die letzten drei Bands plus Wisdom In Chains gereicht hätten, war auch die neueste Ausgabe des „Persistence“-Pakets eine runde Sache. Und das für überaus fanfreundliche 32 Euro an der Abendkasse und mehr als faire Merchandise-Preise. Bis nächsten Januar.

 

 

 

 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

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BORN FROM PAIN + TERROR + HIGHER POWER15.04.2017HannoverFaustTickets
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IGNITE19.04.2017AschaffenburgEnter Name HereTickets
IGNITE28.04.2017BremenMomentsTickets
IGNITE29.04.2017SchweinfurtAlter StadtbahnhofTickets

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