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FYRNASK, FÄULNIS, EÏS

Oberhausen, Helvete

Eis

Samstags, 19:30 Uhr in Oberhausen. Wer auf auf stickige Club-(Black)-Metal-Konzerte steht und abends gern im Ruhrpott weggeht, begibt sich – auch wie ich – regelmäßig in den Helvete-Keller. Am Ort des Geschehens sehe ich Tiergeweihe, blau-gelbe Beleuchtung und unzählige brennende Kerzen. Ein kurzer Blick auf die Running Order; nein, heute steht keine Agalloch-Show auf dem Programm.

Die naturmystische Bühnendeko gehört den süddeutschen Black Metallern FYRNASK, die seit diesem Jahr aus dem Schatten ihrer Alben „Bluostar“ und „Eldir Nótt“ getreten sind und sich an einer Live-Umsetzung ihrer Mischung aus norwegischer Rasanz und meditativen Ritualklängen versuchen. Die Inszenierung entpuppt sich dabei als origineller als die gespielten Songs an sich. Von einem selbstintonierten Cello-Intro, bis zum einheitlichen Mönchskutten-Look der Musiker á la Sunn o))) meets Nazgul-König kommt die Umsetzung detailverliebt und sphärisch rüber. Was das Songmaterial angeht, sorgen die zahlreichen traditionellen Blast-Passagen für so manches zufriedenes Grinsen. Abseits davon ersetzt man die Ambient-Anteile heute entweder durch Drone-lastige Spannungsbögen mit tribalhaften Schlagzeugakzenten, oder mir war diese Seite der Band schlicht weniger bekannt als ich dachte. Die beschwörenden Cleanvocals fehlen ebenso, wie Kreativkopf Fyrnd trotz Gitarrendoppelbelastung noch an der Power seiner Live-Stimme arbeiten könnte. Publikumskommunikation bleibt aus, was bei der verbreiteten Atmosphäre auch am besten passt.

Jetzt könnte ich fünfmal schreiben, wie groß die (rein objektiven) Differenzen zu FÄULNIS sind, wer aber dabei war oder die Auftritte der Hamburger Black-Metal-Punks kennt, braucht kein erklärendes Wort. Der Rest möchte mehr lesen? Bandchef Seuche hat mit seinem schicken Feinrippunterhemd, Schnäuzer und schwitzigem Haar ironiefrei 'ne Authentizitätsmedaille verdient. Auch die beiläufig wirkenden Ansagen „Na, das war ja fast schon Applaus“, oder „Was Neues gegen Katzenbilder und hdgdl“ passen wie Arsch auf Eimer. Los geht’s mit dem schon für die Tour angekündigten, viertelstündigen 'Letharg', das mit reichlich Tempowechseln und Sprachmonologen die frühe Phase abdeckt. Der übrige Teil des rund einstündigen Sets liest sich als Best-of-Programm der aktuellsten beiden LPs. Das schon vom neuen Video bekannte 'Weil wegen Verachtung' ist eine tolle Verknüpfung zwischen eingängigen Rock-Riffs und Ausrast-Black-Metal und wird live noch zügiger ins Publikum geschnoddert. 'Distanzmensch, verdammter' schlägt in dieselbe Kerbe, 'Landgang' wird von Jahr zu Jahr mehr zum Band-Klassiker und 'Trümmer', 'Paranoia' und 'Weiße Wände' sind zwar weniger eingängig, runden das Repertoire trotzdem adäquat ab. Kaum ist die letzte Zeile ins Mikro gespien, verlässt Seuche wortlos die Bühne und der Rest zockt die letzten Minuten zu viert. Wenige Minuten später sieht man den Frontmann schon sympathisch und den Fans zugewandt Platten und CDs hinterm Merchstand signieren.

Als EÏS nach einer in die Länge gezogenen Umbaupause die Bühne betreten, hat sich der Raum vor der Bühne gegenüber zum gut besuchten FÄULNIS-Gig sichtbar geleert und auch ich habe meine Schwierigkeiten, mit dem Auftritt der Bielefelder warm zu werden. Alboin hat seine Doppelbelastung Gesang/Bass inzwischen verinnerlicht, wirkt in seinem trotz bleicher Schminke modischen Look distanziert und im Bezug aufs Publikum eher unleidenschaftlich. Die Live-Mitstreiter an den restlichen Saiten beherrschen ihren Anteil, da ist auch breitbeiniges Posen drin. Auch Drummer Marlek drischt sich mit viel Energie durch die sechs Tracks. Am Set ist für Eïs/Ex-Geïst-Hörer wenig Grund zu mäkeln. 'Galeere' und 'Wetterkreuz' sind mit jeweils zwei Songs dabei, aus der frühen Phase sorgen 'Kainsmal' und 'Winters Schwingenschlag' für gute Laune bei Fans der ersten Stunde. Nach rund 45 Minuten eine kurze Pause samt Windrauschen. Eïs verlassen die Stage und kehren diesmal mit weißen Bandshirts und schwarzen Westen bekleidet, in ihrer Urversion EISMALSOTT zurück. Alboin bedankt sich und mit 'Zweifel' oder 'Sternleite | Tiefenrausch' taucht man in eine letzte Viertelstunde rauschigen Old-School-Black-Metals ab.

SETLIST FÄULNIS

Letharg
Atomkinder und Vogelmenschen
Weil wegen Verachtung
30. Juli, bewölkt
Distanzmensch, verdammter
Landgang
Trümmer
Abgrundtief
Paranoia
Weiße Wände
Hiroshima

SETLIST EIS

Galeere
Helike
Winters Schwingenschlag
Am Abgrund
Kainsmal
Mann aus Stein

 

Pics: Meredith Schmiedeskamp