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EAT THE GUN, GLOOMBALL

Düsseldorf, Pitcher

EAT THE GUN

Was die Besucherzahlen angeht, steht die Düsseldorfer Show von EAT THE GUN und GLOOMBALL nicht gerade unter dem besten Stern – schließlich spielt man an diesem Abend gegen den Zuschauermagnet Queens Of The Stone Age an. Die Konkurrenz nimmt's gelassen – und schenkt dem Publikum im Pitcher ordentlich ein.

GLOOMBALLDen Auftakt machen die Newcomer GLOOMBALL, die dem Publikum zum Kennenlernen mit 'Overcome' und 'Burning Gasoline' zwei stampfende Modern-Rock-Nummern von ihrem Erstling „The Distance“ um die Ohren hauen und damit gleich klarmachen, wohin die musikalische Reise bei ihrer Show gehen soll. Das Eis brechen die sympathischen Mannheimer, indem sie mit einer großen Portion Spielfreude die kleine Bühne wackeln und den Funken auf die Zuschauer überspringen lassen. Sänger Alen macht sich, losem Mundwerk sei Dank, mit den Konzertbesuchern ohnehin schnell persönlich bekannt. Die traditionelleren Pitcher-Besucher locken GLOOMBALL mit dem Maiden-ähnlichen Einstiegsriff ihrer Nummer 'Blown Away And Gone' vor die Bühne, während die Herzen der Rock-affinen Damen nicht nur mit Gitarrist Jossis blonder Haarpracht, sondern auch mit dem ruhigeren Titeltrack 'The Distance' im Sturm erobert werden. „Wenn ihr uns richtig scheiße fandet, sagt es euren Freunden weiter. Die gehen dann auf unsere Seite und finden uns auch richtig scheiße“, verabschieden sich GLOOMBALL nach gut 45 Minuten von den Brettern – müssen sich darüber nach ihrem energetischen Auftritt aber wirklich keine Sorgen machen.

EAT THE GUNEAT THE GUN wurden im Vorfeld ihrer Tour vom Fluch des schlechten Timings getroffen: Die Veröffentlichung ihrer neuen Platte „Stripped To The Bone“, die eigentlich pünktlich zu den Konzerten unters Volk gebracht werden sollte, verschiebt sich auf den 22. November, und so geben die Münsteraner nun eine Platte zum Besten, deren Songs die meisten im Publikum, bis auf die Single 'Loner', noch nie gehört haben. Zum Glück strotzt der Silberling, dessen Tracklist das Trio 1:1 runterzockt, nur so vor eingängigen Refrains und Mitsing-Parts, so dass die Hardrocker um Fronter/Sechssaiter Hendrik Wippermann keinerlei Probleme haben, das neue Songmaterial einprägsam an den Mann (und natürlich an die Frau) zu bringen. Darum, dass der Laden etwas dürftig gefüllt ist, kümmern EAT THE GUN sich nicht die Bohne, und rocken voller Inbrunst die Hütte, als wäre sie bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor lauter Ohrwurm-Garanten wie 'Apocalyptic Blues', dem rock'n'rolligen 'Bad Memories' oder der Gute-Laune-Nummer 'Hot Blood' weiß man als Zuschauer gar nicht, welche der Nummern einem die nächsten Tage hartnäckig im Kopf herumspuken soll. Hendrik haut vor lauter Enthusiasmus gar dermaßen heftig in die Saiten, dass ihm gleich zwei davon auf einmal reißen, nimmt den kleinen Unfall aber mit Münsterländer Gelassenheit und spielt einfach weiter, als sei nichts gewesen. Schließlich haben die Drei auch ein Einsehen mit dem Publikum und trumpfen nach dem „Stripped To The Bone“-Block mit einigen wohlbekannten und abgefeierten Schätzchen vom Vorgänger-Album „Runner“ und dem 2009er Song 'Solitary Sinners' auf, bevor sie sich mit 'Viva La Insane' ins Düsseldorfer Nachtleben verabschieden. Ein absolut gelungenes Konzert, das aber noch mehr an Dynamik hätte gewinnen können, hätte die Combo alte und neue Songs in ihrem Set gemischt. Eine klare Kaufempfehlung für die neue Platte haben EAT THE GUN mit ihrer Show jedoch auf alle Fälle ausgesprochen.

 

Pics: Alexandra Michels