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AHAB, CARRION MOTHER, HEMELBESTORMER, LONE WANDERER

DOOM OVER FREIBURG 2016

DOOM OVER FREIBURG

Was Metalkonzerte angeht, gehört Freiburg nicht gerade zu den Top-Städten, aber eine Konzertreihe hat sich mittlerweile etabliert: Das "Doom Over Freiburg", welches jährlich den harten, langsamen Tönen frönt. Neben den Szene-Schwergewichten AHAB stehen am heutigen Abend drei Newcomer auf der Bühne, die zeigen, dass auch die Doom-Szene keine Angst vor einem vorzeitigen Ableben haben muss.

Die Eröffnung des Abends gebührt den Lokalmatadoren LONE WANDERER, welche die Chance nutzen, ihre Tags zuvor erschienene Debüt-Platte "The Majesty Of Loss" vorzustellen. Der Funeral-Doom des Vierers packt mich leider nicht so richtig, aber die ersten Anwesenden nutzen die Chance, ihre Nackenmuskeln auf Temperatur zu bringen.

Die Regensburger CARRION MOTHER bringen im Anschluss einen wesentlich packenderen Auftritt auf die Bühne. Die Truppe baut von Beginn an eine intensive Atmosphäre auf, die leider nach dem ersten Song einen kurzen Einbruch erleidet, weil das Kabel am Bass den Dienst versagt. Nach kurzer Reparaturpause geht's aber weiter, und damit auch die Atmosphäre. An der hat Sänger Aris ganz entscheidenden Anteil, der jeden Song durchlebt und durchleidet. Das Publikum dankt es der Band mit lautem Applaus, Headbanging und den ersten "Zugabe"-Rufen des Abends. Auch AHAB-Drummer Cornelius findet nach der Show lobende Worte für die Bayern.

Den Doom-Grundsatz, dass eine intensive Atmosphäre eine große Bühnenperformance schlägt, treiben im Anschluss HEMELBESTORMER auf die Spitze. Die Belgier, die in diesem Jahr mit ihrem grandiosen Debüt "Aether" im Underground hohe Wellen geschlagen haben, spielen ihren Auftritt auf unbeleuchteter Bühne, lediglich die weißen, beschienen Bühnenaufsteller lassen grob erahnen, dass tatsächlich Musiker auf der Bühne stehen. Aber wer braucht schon Licht, wenn man es allein durch Instrumente schafft, Kopfkino auszulösen und einen ganzen Raum in kollektiven Dröhn-Rausch zu versetzen? Musikalisch ist das ganz großes Kino, der visuelle Wert eines solchen geht ihnen aber leider ab.

Um kurz nach zwölf ist dann endlich Zeit für eine der wohl wichtigsten deutschen Doom-Bands der Stunde: AHAB. Vor grob geschätzten 120 Zuschauern starten die Heidelberger in ihr Set, dass von Beginn an eine Sogwirkung entfaltet, wie man es von ihren Platten kennt. Ansagen gibt es bis auf ein "Hallo" am Anfang und ein "Danke" am Ende gar nicht, stattdessen dominieren turmhohe Riffkaskaden, die bandtypisch von ruhigeren Parts unterbrochen werden. Das Problem, dass der Spannungsbogen eines Konzerts in den Pausen zwischen den Songs einen Dämpfer bekommt, umschifft das Quartett ebenfalls sehr geschickt: Während die Musiker ihre Instrumente stimmen, kommen Meeresgeräusche aus den Boxen, die einen noch mehr in die Stimmung des Konzerts eintauchen lassen. Einziger Makel ist der Clean-Gesang, der leider sehr undeutlich aus den Boxen kommt, was aber dem Gesamtbild keinen Abbruch tut. Als dann nach 70 Minuten die Band von der Bühne geht, fühle ich mich wie nach einem Kinobesuch. Die Meute holt die Truppe aber nochmal für eine Zugabe auf die Bretter zurück, und auch die wird unter Kollektiv-Ganzkörperbanging – wirklich jeder im Saal schüttelt mindestens den Kopf, eher aber den ganzen Oberkörper – abgefeiert. Um kurz vor halb zwei ist die Show dann endgültig vorbei und das fünfte "Doom Over Freiburg" klingt anschließend im Thekenbereich aus.

 

Pic: Maximilian Blom