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DESTRUCTION, ENFORCER, FLOTSAM AND JETSAM, NERVOSA

Bochum, Matrix

Für Freunde des Achtziger-Jahre Speed/Thrash-Metal-Sounds ist das heutige Billing ein wahrer Leckerbissen, denn jeweils zwei Bands der aktuellen „Retro“-Generation und der Alteingesessenen geben sich die Ehre. Deshalb ist es schade, dass sich nur verhältnismäßig wenige Nasen dieses Highlight geben. Die Rock-Hard-Redaktion nutzt das Konzert indes für einen kleinen Betriebsausflug: Neben mir sind noch die Kollegen Bittner, Peters und Hackländer sowie Kollegin Malon anwesend, um sich musikalisch 25 bis 30 Jahre zurück zu beamen.

Als ich an der Matrix ankomme, haben die Brasilianerinnen NERVOSA gerade mit ihrem Set begonnen. Das Power-Trio ist engagiert unterwegs und wird von den Anwesenden zurecht gefeiert. Mit dem abschließenden 'Into Moshpit', der für selbigen unter den Fans sorgt, rauscht der Auftritt nach einer halben Stunde über die Ziellinie. Ein starker Gig bei starkem Sound!

Den haben im Übrigen alle Bands des Abends, also auch ENFORCER. Die Schweden um Fronter Olof Wikstrand sind ebenso motiviert wie Nervosa und haben die Meute von Beginn an im Griff. Über die Klamotten der Band und im besonderen des Fronters kann man durchaus streiten (O-Ton Ronny: „Die waren in den Achtzigern schon uncool!“), aber musikalisch sind sie über alle Zweifel erhaben. Das Hauptaugenmerk legt der Vierer wie erwartet auf die Songs ihres aktuellen „From Beyond“-Albums und das Selbstvertrauen, als Vorband Refrains von Anfang an mitsingen zu lassen, muss man auch erstmal haben. Das funktioniert gerade bei großen Hymnen wie 'From Beyond' oder 'Mesmerized By Fire' sehr gut und lässt die Band unter „Enforcer!“-Sprechchören von der Bühne gehen.

Dieses Energielevel können FLOTSAM AND JETSAM im Anschluss leider nicht halten. Die Band ist zwar perfekt aufeinander eingestimmt und alles bis in das letzte Double-Lead sitzt, aber das Material der US-Thrasher ist, gerade nach den eingängigen Enforcer-Songs, einen Ticken zu komplex, um das Publikum so richtig mitgehen zu lassen. Überraschenderweise fehlt die erste „Flotsam And Jetsam“-Single 'Iron Maiden', von der Platte schaffen es stattdessen der Opener 'Seventh Seal' sowie 'Monkey Wrench' und 'Life Is A Mess' in die Setlist. Bei letzterem hat Gitarrist Michael Gilbert offensichtlich kurz mit Technikproblemen zu kämpfen, die aber noch während des Songs behoben werden können. Den engagierten, einstündigen Auftritt dankt das Publikum mit lautem Abschlussapplaus.

Zwischen den Sets kommt dann Jens „Party" Peters mit den Worten "Die Mai Tai von Schmier waren so stark, dass Mandy ihren nicht ausgetrunken hat!“ aus dem Backstage, um der Headlinershow beizuwohnen. Das der DESTRUCTION-Fronter nicht nur Cocktails mischen, sondern auch eine großartige Show abliefern kann, zeigt sich in den anschließenden gut 90 Minuten. Mit 'Under Attack' starten die Süddeutschen in ihr Set und sorgen somit von Anfang an für fliegende Haare im bis zum Mischpult gefüllten Zuschauerraum. Neben der tollen neuen Platte liegt der Schwerpunkt auf den ersten drei Releases der Band, lediglich drei Tracks stammen aus der Zeit zwischen 1987 und 2015. Die Meute feiert das Klassiker-Set ordentlich ab, jede Animation wird dankbar angenommen und zu 'Mad Butcher' kommt sogar ein ansehnlicher Pit zustande. 'Thrash Attack' widmet die Band dem heute anwesenden ex-Sodom-Gitarristen Peppi alias Grave Violator. Auch 'Second To None' wird von Schmier an eine spezielle Gruppe gerichtet: „Dieser Song ist für die Pussys, die heute nicht hierhergekommen sind, weil es Dienstag ist, und sich nachher darüber im Internet auslassen!“. Außerdem lobt er die Matrix für ihre tolle neue Anlage, die dem berühmt-berüchtigten „Matrix-Sound“ ein Ende macht. 'The Butcher Strikes Back' beendet um zehn nach elf das reguläre Set, aber für die Zugabe in Form von 'Thrash 'til Death' und 'Bestial Invasion' lässt sich das Trio nochmal auf die Bühne brüllen.

Das Fazit könnte an dieser Stelle kaum kürzer ausfallen: Grandios! Vier top motivierte, perfekt eingespielte Bands bei tollem Klangbild, der die „Matrix-Sound“-Unkenrufe ad absurdum führt. Das einzige Manko ist der fehlende Zuschauerzuspruch, der aber wohl am ehesten dem Termin anzukreiden ist.

 


SETLIST DESTRUCTION

Under Attack
Curse The Gods
Pathogenic
Nailed To The Cross
Mad Butcher
Dethroned
Life Without Sense
Total Desaster
Thrash Attack
Second To None
Black Death
Invincible Force
The Butcher Strikes Back

Thrash 'til Death
Bestial Invasion

 

Pics NERVOSA, ENFORCER: Stefan Hackländer

Pic DESTRUCTION live: Maximilian Blom

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