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DER WEG EINER FREIHEIT, NEGATOR

Bastard Club, Osnabrück

Zwei Bands zum VVK Preis von 12 Euro sind nicht gerade der Gipfel der Günstigkeit, zumal spontane Konzertgänger direkt 15 Euro Abendkasse berappen müssen. Dafür gibt’s immerhin amtliches Geschepper von Deutschlands derzeit vielleicht kompromisslosesten, modernen Black Metal-Kommandos auf die Ohren.

Der Keller des Osnabrücker Bastard Clubs strahlt immer wieder einen besonderen Charakter als eine Live-Location aus, in der jegliche Distanz zwischen Bands und Publikum verschwindet. Heute ist das nicht anders, auch wenn es um kurz nach 20 Uhr noch erstaunlich leer für einen Samstagabend ist. In der Mitte der engen Bühne thront ein imposantes Schlagzeug mit zwei Bassdrums, das auch vom Sound her im Laufe des Abends den Ton angeben wird. Wenig später starten die Hamburger NEGATOR mit dem Opener 'Epiclesis' ihrer aktuellen Scheibe „Gates To The Pantheon“ und pflügen von der ersten Sekunde an mit 90 % Megablast durch den ca. einstündigen Set. Der Club füllt sich schnell und in den ersten beiden Reihen suchen die Feierwütigen den direkten Kontakt mit den Musikern. Frontmann Nachtgarm ist die inzwischen jahrelange Erfahrung anzumerken, mit der er souverän den Überschall-Feldzug seiner Hintermannschaft dirigiert. Ob man seine wahnsinnigen Grimassen und das latent provokante Image NEGATORs mag, ist wahrscheinlich schlicht Geschmackssache. Ansagen wie „Was schreiben wir eigentlich noch neues Zeug, wenn ihr immer nur die alten Sachen hören wollt?“, oder „Das nächste Lied ist für die ganzen Luschen, die immer noch hinten stehen und pennen!“ wirken allerdings auflockernd und unterhaltsam. Nichtsdestotrotz werde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass Schweiß und Leidenschaft besonders beim Publikum nur auf Sparflamme köcheln. Vielleicht ist das Material der Norddeutschen für ekstatisches Mitgehen aber auch zu schnell und monoton?

Die anschließende Umbaupause bleibt angenehm kurz, wobei die hinteren Reihen sich leider merklich leeren. Prinzipiell ist es ein echtes Ärgernis, dass sich die Geister in der BM-Szene an DER WEG EINER FREIHEIT so scheiden, obwohl die Jungs aus Würzburg abgesehen von ein paar leisen Intermezzi das Gaspedal permanent bis zum Boden durchtreten und mit ihrem ausufernden Gebretter musikalisch prima ins Schema passen. Man polarisiert mit modernem, imagefreiem, freundlich-zurückhaltendem Auftreten und zum Großteil unauffälligen bis modischen Frisuren, während ein Blick auf sein verblichenes Angantyr-Shirt die musikalische Roots-Bindung von Gitarrist/Frontmann Nikita durchschimmern lässt. Seit dem Ausstieg von Ex-Sänger Tobias hat der Bandchef sowohl das Mikro vor der Nase, als auch die Klampfe umgeschnallt und macht seinen Job handwerklich ordentlich. Mehr Souveränität und natürliches Charisma werden sich im Laufe der Jahre bestimmt von selbst entwickeln, immerhin sind alle Bandmitglieder gerade mal Anfang bis Mitte zwanzig. Über die gesamte Länge des Gigs schaut man vor und auf der Stage in konzentriert-zufriedene Gesichter und es bildet sich eine abgehfreudige Traube unmittelbar vor der Bühne. Als Song-Highlights bleiben nach der Show 'Der stille Fluss' von der „Agonie“ EP, das epische 'Neubeginn' aus Debützeiten und das als letzter Song des regulären Sets gespielte, über zwölfminütige 'Zeichen'. Bevor mit der Zugabe 'Ruhe' gegen 22.45 Uhr Feierabend ist, bleibt noch zu erwähnen, dass beide Frontmänner des Abends zu jeweils einem Stück der anderen Band Gastvocals in die Menge keifen, wodurch sich jedoch in keinem beider Fälle gravierende Unterschiede zur einstimmigen Intonation heraushören lassen. Achja: beim nächsten Mal bitte mit einer dritten Band im Gepäck antreten, die Zugunsten der Abwechslung nicht auf der Überholspur feuert.

 

Setlist Negator

Epiclesis
The Last Sermon
Feuersturm
Carnal Malefactor
Gloomy Sunday
Nergal (The Raging King)
Serpent's Court
Panzer Metal
Atonement In Blood
Eisen wider Siechtum
Der Infanterist

 

Setlist DWeF

Ewigkeit
Lichtmensch
Nachtsam
Der stille Fluss
Vergängnis
Zerfall
Neubeginn
Zeichen
Ruhe

 

Pic: Meredith Schmiedeskamp

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