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MERCILESS, CENTINEX, UNLEASHED, NECROPHOBIC, ENTOMBED, GRAVE, GENERAL SURGERY, INTERMENT, GOD MACABRE

CLOSE-UP BÅTEN CRUISE 2016

ENTOMBED

Die Macher des schwedischen Close-Up-Magazins veranstalten schon seit Jahren ihre „Close-Up Båten“, für die eine zwischen Schweden und Finnland pendelnde Fähre gekapert und für 24 Stunden in einen Metal-Wallfahrtsort verwandelt wird. Zum 25-jährigen Magazin-Jubiläum hat man ein ganz spezielles Billing auf die Beine gestellt, das zurück zur Geburtsstunde des schwedischen Death Metals führt. Besonders im Fokus stehen dabei die wiederauferstandenen „originalen“ ENTOMBED um Alex Hellid, Uffe Cederlund und Nicke Andersson, die mit ihrer Live-Feuertaufe Fans aus allen Teilen der Welt anlocken.

Donnerstag

Das Old-School-Death-Metal-Billing sorgt nicht nur dafür, dass die 2016er Ausgabe die erfolgreichste aller Zeiten ist, sondern unter den Fans auch ganze 37 Nationen auf dem Boot vertreten sind. Vor dem Einstieg stärken sich viele der Besucher traditionell bei Pizzerien und Burgerläden in der Nähe der Anlegestelle, bevor man sich unter die 2000 wartenden Fans in der Eingangshalle zum Boot mischt. Das Boarding fällt unerwartet unkompliziert aus, ins Staunen gerät man allerdings ob der schieren Größe des bestiegenen Schiffes. Ich hatte mir unter einer Fähre, die zwischen Stockholm und dem finnischen Turku pendelt, einen schmucklosen Kahn vorgestellt, die „Silja Galaxy“ erinnert mit ihren zwölf Decks, zahlreichen Bars und Restaurants, Pool, Sauna und Sonnendeck hingegen eher an einen Luxusliner.

Im Heck des schwimmende Entertainmentcenters befindet sich die „Show Lounge Starlight“, die auf zwei Etagen reichlich Steh- und Sitzmöglichkeiten für die Konzerte bietet. Die Eröffnung des musikalischen Programms fällt um 20:50 Uhr in die Hände der 1992 aufgelösten und 2013 reaktivierten GOD MACABRE, die bei dem Konzert auf ihr einziges Album „The Winterlong...“ zurückblicken. Der Longplayer wird oft als vergessene Perle des Schweden-Death angeführt und in der Tat ist das Material gut gealtert und kann sich durch melodische Versatzstücke vom Gross der Szene absetzen. Musikalisch ist die Darbietung also durchaus interessant, leider merkt man der Band aber die fehlende Bühnenerfahrung (oder das Alter?) an. Das Quintett gibt sich auf den Brettern enorm hüftsteif, weshalb das Konzert eher etwas von einer öffentlichen Probe hat. Da haben INTERMENT den Dreh schon besser raus, und das obwohl die Band in ihrem Demostadium auch schon in den späten Achtzigern aktiv war. Die 2010er Inkarnation ballert auf der Bühne mit beeindruckender Intensität ihre Uffta-Beats, die mit Dismember und Grave-Gitarrenläufen gepaart werden und sich so als erstes Tageshighlight empfiehlt. (rb)

NECROPHOBIC betreten gegen 23:00 Uhr die Bühne und so langsam füllt sich der Saal. Die Black-/Death-Metaller spielen einen ausgewogenen Mix aus neuem und alten Material mit Sänger Anders Strokirk, der bereits zwischen 1992 und 1994 Teil der Band war und seit 2014 wieder an Bord ist, um . NECROPHOBIC kommen mit ihren starken Black-Metal-Einflüssen augenscheinlich sehr gut beim Publikum an, auch wenn die Performance und der übertriebene Leder- und Nieten-Look für meinen Geschmack etwas aufgesetzt wirken und mich nicht wirklich überzeugen. (cosc)

Um 0:10 Uhr ist es dann an ENTOMBED um zu zeigen, ob der Hype um die Reunion angebracht ist. Die drei Originalmitglieder Alex Hellid, Uffe Cederlund (beide Gitarre) und Nicke Andersson (Schlagzeug) haben sich für die komplette Darbietung ihres „Clandestine“-Albums um die  ehemaligen Morbus-Chron-Mitglieder Robert Andersson (Gesang) und Edvin Aftonfalk (Bass) verstärkt. Für die Bühnenperformance erweist sich das als kluger Schachzug, denn die zwei jungen Hüpfer gehen als Aktivposten durch, besonders die intensive Darbietung und Körperspannung von Robert sucht an diesem Wochenende seines gleichen. Alex Hellid sorgt am linken Bühnenrand für Action, während Nickes Schlagzeugspiel ein weiterer Blickfang ist. Unfassbar, dass der notorische Mützenträger nach zwei Jahrzehnten, in denen er sich hauptsächlich als Gitarrist und Sänger in seinen Rock-Bands The Hellacopters und Imperial State Electric verdingt hat, immer noch solch fixe und komplexe Drumarrangements beherrscht. Aus der Reihe fällt hingegen Uffe, der zwar super spielt, sich aber den ganzen Gig über recht spärlich und lustlos bewegt und mit gebückter Körperhaltung nicht die Energie der Musik wiedergibt. Ähnliches gilt für Örvar Säftström, der auf ENTOMBEDs 1990er „Crawl“-EP growlte und Robert heute bei zwei Songs ablöst. Auch hier macht sich trotz respektabler Vokalleistung die über die Jahre fehlende Bühnenerfahrung und einsetzende Bequemlichkeit bemerkbar. Diese Ambivalenz zieht sich auch in andere Bereiche des Auftritts: Die Performance von Robert ist für sich genommen super, allerdings ist seine Stimme wesentlicher heller und dementsprechend ein gutes Stück von dem tiefen Gesang entfernt, den Nicke für „Clandestine“ aufgenommen hat (Sänger LG Petrov, der nun mit Entombed A.D. seine eigene Entombed-Version am Start hat, hatte die Band ja für dieses eine Album verlassen). Zudem richten die Musiker über die gesamten 70 Minuten nicht ein einziges Wort ans Publikum, nicht einmal der Sängerwechsel oder die Integration von drei „Left Hand Path“-Songs wird kommentiert. Obwohl die Combo musikalisch begeistert und gnadenlos abgefeiert wird (es werden sogar reichlich Crowdsurfer nach vorn getragen, die allerdings von der extrem ruppigen Security nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst werden), hinterlässt der Gig einen leicht schalen Beigeschmack, was vielleicht auch daran liegt, dass immer noch unklar ist, wie langlebig dieses Projekt ist und ob es (neben der baldigen „Clandestine“-Performance mit einem Orchester) eine Zukunft in Form von neuem Songmaterial hat. (rb)

Nachdem Entombed mit einem brutalen Set alles weggeballert haben und sich der Konzertraum etwas leert, frage ich mich, was das noch toppen kann. Die Stimmung auf dem Boot ist schon mehr als angeheitert und ausgelassen, als MERCILESS nach kurzer Umbaupause gegen 2.00 Uhr die Bühne betreten. Zuerst scheint es so, als würde jetzt nicht mehr viel passieren, doch dann füllt sich der Raum wieder schlagartig. 1986 in Strängnäs bei Stockholm gegründet, hört man so einige Geschichten über dieses wilde Bündel von Außenseitern, die trotz aller Turbulenzen in der Band stets zusammenhielt. Und so präsentiert man heute, bei dem ersten Gig nach neun Jahren, nicht nur die vier der bereits seit 1987 zusammen musizierenden Mitglieder (Sänger Rogga, Bassist Fredrik Karlén, Bassist Stefan "Stipen" Carlsson, Gitarrist Erik Wallin), sondern auch den ehemaligen Drummer Peter Stjärnwind, der schon bei seiner Band Black Trip auf die Gitarre umgestiegen ist und nun auch bei MERCILESS als zweiter Gitarrist antritt. Dank dieses Line-ups, bei dem jeder Beteiligte etwas zu der Geschichte der Band beigetragen hat, wirkt die Darbietung der Musik wesentliche natürlicher und näher an den Studioaufnahmen als bei Entombed. Allerdings schleicht sich der Abzug in der B-Note an anderer Stelle ein: die unspektakuläre Bühnenpräsenz einiger Bandmitglieder fühlt sich an, als hätten sich die Jungs gerade im Proberaum versammelt. Doch allein die räudig-punkige Darbietung des Openers 'Realm Of The Dark' vermag das Publikum aufzuwecken, das bis zum abschließenden 'Nuclear Attack' vor der Bühne ausharrt und die Band um den charismatischen Sänger Rogga zwischen den Songs mit MERCILESS-Sprechchören abfeiert. Besonders gelungen ist auch das Slayer-Cover 'Crionics', das die Band gekonnt auf ihren Stil umkrempelt. MERCILESS stellen zu später Stunde eine Lektion im schwedischen Death Metal und den gelungenen Abschluss eines historischen Abends dar. (cosc)



Freitag

Nach dem starken Billing vom Vortag hat der zweite Showtag eher etwas von einem Aftershow-Matinee. Zumal die meisten Besucher CENTINEX verpennen, weil sie bis in die frühen Morgenstunden noch in der „Hard Rock Disko“ gefeiert haben (die Rezensenten eingeschlossen, hüstel). Auch bei GENERAL SURGERY sind wir noch nicht auf den Beinen, dafür stehen wir aber bei GRAVE mit einem Katerbier bewaffnet vor der Bühne. Es ist eine schöne Geste, dass neben Entombed auch GRAVE und Unleashed, die zwei verbliebenen Größen des Stockholm-Death-Metal-Sounds, auf dem Boot vertreten sind (Dismember sind ja derzeit leider (noch?) aufgelöst). Bei GRAVE gehen die Meinungen auseinander: Während die einen sich den Gig nicht ansehen, weil ohne Original-Sänger Jörgen Sandström das gewisse Etwas fehle, sehen andere in der aktuellen Besetzung ihre liebsten Stockholm-Deather auf der Bühne. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Mir persönlich fehlt bei den meisten Komposition ein Quentchen mehr Eingängigkeit und Abwechslungsreichtum, weshalb ich mich bei den folgenden UNLEASHED mit ihrem eingängigeren Viking-Death-Metal wesentlich besser unterhalten fühle. Neben den raffinierten Todesblei-Riffs und Johnny Hedlunds bellendem Gesang beeindruckt vor allem die Karriere-umspannende Setlist. Zwar hätte die Auswahl der Songs dem Anlass entsprechend ruhig etwas old-schooliger ausfallen können, aber vielleicht wollten UNLEASHED unterstreichen, dass sie nicht nur von ihren alten Heldentaten zehren, sondern auch in den letzten zehn, fünfzehn Jahren gute Platten veröffentlicht haben. Dementsprechend wird so gut wie jedes Album der Band mit mindestens einem Song berücksichtigt, der Schwerpunkt liegt mit drei Tracks gar auf „Sworn Allegiance“, einem Klassiker der Neuzeit, und nicht etwa auf einem der Frühwerke. Und glücklicherweise erspart einem die Band vor größtenteils schwedischsprachigen Publikum auch das gruselige 'Wir kapitulieren niemals'. Nach dem Gig lassen alle, die noch stehen können, die Cruise beim Karaoke in der Moonlight-Bar ausklingen, bevor die 2000 Schwarzgekleideten um 19:30 Uhr wieder von Bord torkeln, um das Stockholmer Nachtleben unsicher zu machen. Schön war's! (rb)



Ronny Bittner (rb), Cornelia Schmitt (cosc)


SETLIST ENTOMBED

Living Dead
Sinners Bleed
Evilyn
Blessed Be
Stranger Aeons
Chaos Breed
Crawl (mit Orvar Säfstrom)
Abnormally Deceased (mit Orvar Säfstrom)
Severe Burns
Through The Collonades
Revel In Flesh
Left Hand Path

SETLIST MERCILESS

Realm Of The Dark
Souls Of The Dead
Unbound
Lifeflame
The Treasures Within
Dying World
Cleansed By Fire
Silent Truth
The Awakening
Unearthly Salvation
Pure Hate
Crionics (Slayer-Cover)
Nuclear Attack

SETLIST UNLEASHED

The Final Silence
This Is Our World Now
If They Had Eyes
Where Is Your God Now?
Don't Want to Be Born
Winterland
The Avenger
Fimbulwinter
The Longships Are Coming
Legal Rapes
To Asgaard We Fly
To Miklagård
Hammer Battalion
--
Death Metal Victory
Before the Creation of Time

 

Pics: Cornelia Schmitt (Entombed 2, Merciless), Ronny Bittner (Einstieg Schiff, Entombed 1, Unleashed), Promo (Entombed-Header)

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