Online-MegazineFestivals & Live Reviews

BLACKMORE'S NIGHT, DES GEYERS SCHWARZER HAUFEN

Stuttgart, Liederhalle

An BLACKMORE'S NIGHT scheiden sich die Geister: Während sich viele alte Deep-Purple- und Rainbow-Fans beim Anblick des Ausnahmegitarristen in Strumpfhosen abwenden, hat er mittlerweile zahlreiche neue Fans aus anderen Genre gewonnen. Seit 1997 hat der Schnurrbartträger eine weitestgehend konstante Truppe am Start, die bereits acht Studioalben veröffentlichte und regelmäßig hohe Chartpositionen erreicht. Trotz späten Vaterfreuden und Tourstrapazen ist der Großmeister mit seiner Frau und fünf MitmusikerInnen ständig auf Tour und auch dieses Mal sind die Hallen und Burgen in seiner zweiten Heimat Deutschland fast durchweg ausverkauft.

Geboten wird einmal mehr eine musikalische Rundreise durch das Schaffenswerk seiner Renaissance-Musik-Phase und diverse Cover (u.a. 'Diamonds And Rust' oder 'Journeyman').

Mutigerweise bietet die Setlist (die sich fast jeden Abend ändert) Highlights wie 'Under A Violet Moon', 'Play Minstrel Play' und 'Renaissance Faire' im ersten Viertel des Auftritts und schafft es trotzdem bis zum Ende zu begeistern. Dabei hat ein Gastspiel der Musikanten fast Volksfeststimmung im besten Sinne. Mittelalterlich gekleidetes Publikum, eine liebevolle Bühnendekoration, wunderschöne Projektionen, ein klasse Sound und Songmaterial mit Gänsehautfaktor sorgen für einen gelungenen Konzertabend, der mit rund zwei Dutzend Nummern (u.a. 'Locked Within The Crystal Ball' (Opener), 'Durch den Wald zum Bach Haus', 'Troika', 'Darkness', 'Home Again' und 'Fires At Midnight') und einer Spielzeit von 140 (!) Minuten fast nicht enden will.

Die Trennschärfe zum Kitsch ist zwar gering, aber wieder einmal demonstriert der Gitarrenzauberer eindrucksvoll, wo seine Wurzeln liegen und was sein Herzblut ist. Und das sei ihm gegönnt, Ritchie muss niemanden mehr etwas beweisen, er hat Hardrock-Geschichte geschrieben und immer das getan, was ihn befriedigte. Das Faszinierende dabei ist der Wandel des Gitarristen vom Rockrüpel zum Bandmitglied (oder wie es seine Frau mit den Worten von „Evil“ zu „Medieval“ bezeichnet). Zwar ist Ritchie der Kopf der Band, er versteht es aber sich zurückzunehmen, lässt anderen Musikern Freiräume, reicht Zuschauern Bier, lacht, tanzt, lächelt, klatscht und headbangt - man hat einfach das Gefühl, dass er noch nie glücklicher gewesen ist. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist der Zusammenhalt und die Atmosphäre seiner phänomenalen Truppe (Bard David Of Larchmont, Sarlet Fiddler, Lady Kelly De Winter, Earl Grey Of Chimey und seine bezaubernde Gattin Candice Night), die ähnlich wie Pavlows Dog den Eindruck einer Großfamilie macht. Da passt es auch, dass sein jüngster Nachwuchs mitten im Set auf die Bühne stürmt und von der Mutter geherzt wird.

Dass der Brite zudem die zahlreichen Saiteninstrumente (darunter auch seine Stratocaster) perfekt beherrscht, muss nicht erwähnt werden, der Mann liebt die Musik und sein Instrument. Und genau dann, wenn er sich die elektrische Gitarre umschnallt, hat man kurze Zeit die Hoffnung, dass er eine Nummer seiner rockigen Vergangenheit anstimmt. Leider zumeist vergeblich und da wären wir beim einzigen Kritikpunkt: Wirklich schade, dass es aus seiner Rockphase mit 'Soldier Of Fortune' nur eine Nummer gibt und Rainbow-Klassiker und weitere Deep-Purple-Meilensteine in geänderter Instrumentierung übergangen werden. Die gespielte Purple-Nummer hat es allerdings in sich. Vor allem, da Candice hier einen tolle Gesangleistung bietet, zu der David Coverdale heute wohl nicht mehr in der Lage wäre. Da auf dem aktuellen Album 'The Temple Of The King' überarbeitet wurde, war zumindest die Hoffnung da, dass auch eine Rainbow-Nummer zu Ehren kommen könnte. Vielleicht das nächste Mal, denn einen Tour im Sommer ohne Ritchie und seine Spielleute mag man sich gar nicht mehr vorstellen.
Fazit: Eine liebevollere, emotionale und engagierte Show bietet kaum jemand. Das abschließend die Band noch minutenlang beim Outro das Publikum abklatscht, spricht für die einzigartige Atmosphäre einer BLACKMORE'S-NIGHT-Show.

Im Vorprogramm gibt es mal wieder DES GEYERS SCHWARZER HAUFEN, die Band, die Ritchie wohl am meisten auf dem Weg zur Renaissance-Phase beeinflusst hat und die bestens ankommt, für Rock-Hard-Leser aber keine Relevanz hat.

Reviews

BLACKMORE'S NIGHT - All Our YesterdaysRH #342 - 2015
Frontiers/Soulfood (47:44)Der Mann in Schwarz, der mit seinen Riffs bei Deep Pur...
BLACKMORE'S NIGHT - Dancer And The MoonRH #314 - 2013
Frontiers/Soulfood (53:16) Ein Blick auf die offizielle Internetpräsenz von BL...
BLACKMORE'S NIGHT - A Night In YorkRH #302 - 2012
Ariola/Sony (78:22) Ritchie Blackmore, für viele der Prototyp des kapriziösen...
BLACKMORE'S NIGHT - Autumn Sky
Sony (65:17) Wer hätte vor 13 Jahren gedacht, dass Strato-Ritchie und seine ...
BLACKMORE'S NIGHT - The Secret VoyageRH #254 - 2008
(50:42) Gerne hätte ich an dieser Stelle den Versuch eines objektiven Reviews ...
BLACKMORE'S NIGHT - Winter CarolsRH #235 - 2006
(42:40) Na, schon die ersten Dominosteine verputzt? Erwartet ihr morgens beim B...
BLACKMORE'S NIGHT - The Village LanterneRH #227 - 2006
(60:54) So sehr ich Ritchie Blackmore auch verehre (Gary Holt spricht mir auf d...
BLACKMORE'S NIGHT - Beyond The Sunset - The Romantic Collection RH #210 - 2004
(55:25) Dass das Ehepaar Blackmore mit seinen mittelalterlichen Klängen komm...
BLACKMORE'S NIGHT - Ghost Of A RoseRH #195 - 2003
(60:20) Ja ja, künstlerisch integer isser, der Ritchie. Alles Bitten und Bette...
BLACKMORE'S NIGHT - Past Times With Good CompanyRH #187 - 2002
(94:29) Da Ritchie Blackmore und seine Lebensgefährtin Candice Night zu jedem ...
BLACKMORE'S NIGHT - Fires At MidnightRH #171 - 2001
Au, das tut weh! Mit ihrem Erstling „Shadow Of The Moon“ hatten uns Ritchie ...
BLACKMORE'S NIGHT - Shadow Of The MoonRH #122 - 1997
Hossa! Hartwurstgitarrenkönig Richard Schwarzmeer und seine singende Lebensabsc...