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BLACK STAR RIDERS

Zeche, Bochum

Beim Betreten der gut gefüllten Zeche Bochum ereilt mich zunächst ein Schock. Zusammen mit ca. 0,01% anderer Zuspätgeborener scheine ich mit Abstand der Jüngste im Auditorium zu sein. Egal, wer den Baggersee gegenüber BLACK STAR RIDERS bevorzugt, ist selbst schuld. Dass die letztjährige Debütscheibe der Truppe „All Hell Breaks Loose“ ein Knaller erster Güte war, muss keinem waschechten Hardrocker nochmal auf die Nase gebunden werden und die letztjährige Clubrundreise des Quintetts gehörte zu den Highlights eines an Höhepunkten nicht gerade armen Jahres. Ob die Riders auch in der Zeche überzeugten, fanden wir für euch heraus.

Den Job des Anheizers übernehmen, wie bei der letzten Tour, auch heute die St. Petersburger Hardrocker RED’S COOL. In Sachen Songwriting und Instrumentaltechnik konnte man den Youngsters schon damals nicht an den Karren fahren. Die Rhythmusgruppe präsentiert sich auch heute wieder eingegroovt und die beiden Sechssaiter harmonieren toll. Woran es das letzte Mal hakte, war die blasse Bühnenperformance. Und in diesem Punkt ist an diesem Abend eine enorme Steigerung festzustellen. Frontmann Slava Spark tritt deutlich selbstbewusster auf, nervt allerdings auch ab und an mit übertriebenem Hüftgewackel. Die etwas an Tesla-Fronter Jeff Keith erinnernde, rauchige Stimme des Jungspundes scheint dennoch die Mehrheit im Saal zu überzeugen. Laut ihrer Facebook-Seite hat die Truppe ein neues Album im Kasten und präsentiert auch neue Songs, die allerdings noch niemand kennt und die entsprechend verhaltene Reaktionen hervorrufen. Die vom Debütstreich „Bad Story“ bekannten 'Hey You' und der Titeltrack können jedoch auch heute überzeugen. Leider hält sich das Publikum bis auf ein paar Leute direkt an der Bühne insgesamt zurück und spendiert nur brav Höflichkeitsapplaus. Schade.

Es ist zehn vor neun. Das Licht geht aus, aus der Konserve ertönt traditionelle irische Musik, schattenhafte Gestalten betreten die Bühne, die Spannung steigt, es lodert schlagartig die Beleuchtung auf und BLACK STAR RIDERS starten mit einem höllischen 'All Hell Breaks Loose' in den Abend. Die Truppe präsentiert sich perfekt eingespielt, ex-Ratt-Basser Robbie Crane, der den kürzlich ausgestiegenen Marco Mendoza ersetzt, gibt sich zu Anfang ein wenig schüchtern, taut im Laufe des Konzerts jedoch immer mehr auf und erlaubt sich den ein oder anderen Scherz mit dem Publikum, indem er z. B. schelmisch grinsend andeutet, ein Pick in die Meute zu schmeißen, das dann jedoch hinter der Bühne landet.

Die Band gönnt den Anwesenden keine Verschnaufpause und bolzt mitreißende Versionen ihrer Hits in die Menge. Fronter Ricky Warwick – in zerissener Jeans, Kutte, Stirnband, Sonnenbrille und schwer tätowiert – ist der perfekte Entertainer und beweist an diesem Abend erneut, dass er der einzig legitime Nachfolger des großen Phil Lynott ist. Ein in Würde ergrauter Scott Gorham gibt showmäßig den „Elder Statesman“, kommuniziert auf hemdsärmelige Weise mit dem Publikum und verschenkt fleißig Gitarrenpicks, die er der hungrigen Meute persönlich in die Hand drückt. Mit seinem „Zwilling“ Damon Johnson harmoniert er prächtig und die zweistimmigen Lead-Salven sorgen für meterdicke Gänsehaut.

Im Hintergrund verdrischt ex-Megadeth-Schlagwerker Jimmy DeGrasso die Felle, sorgt für den perfekten Rhythmusteppich und jongliert öfter mit den Sticks. Nach 'Kingdom Of The Lost', bei dem live dankenswerterweise auf das in der Studio-Version doch arg nervige Folk-Gefiedel verzichtet wird, stimmen Gorham und Johnson eine Country-Melodie an und Ricky greift zur Mundharmonika und zu 'Cowboy Song' wird abgesteppt, ehe eine fantastische Version von 'The Boys Are Back In Town' den regulären Set beschließt.

Schließlich betritt Damon Johnson alleine die Bühne und zupft ein irisch angehauchtes Solo, das in der zweiten Hälfte von DeGrasso begleitet wird, bevor Ricky ans Mikro stürmt und die erste Zugabe kurz und schmerzlos mit „It’s Whisky Time“ ankündigt. Nachdem die Trinkhymne beendet ist, zupft Ricky ein Akustik-Intro, über das Johnson ein Gänsehaut-Solo improvisiert, bevor in den alten Seger-Smasher 'Rosalie' übergegangen wird, in dessen Mittelteil mit dem Publikum gejammt wird. Mit der Ankündigung auf ein neues Studio-Album wird man in die anschließend stattfindende Disco entlassen und der Rundumblick bestätigt, dass sich nicht nur der Verfasser fühlt wie in einer Badewanne voller Whisky.

Fazit: Wieder einmal eine überragende Performance der alten Herren, von der sich einige jung, dynamisch, erfolglose Möchtegerne – ich nenne keine Namen!!! – mehrere Scheiben abschneiden können. Also: Ab zum Kühlschrank, ein eiskaltes Guiness gezischt, noch einmal das verratzte „Live And Dangerous“-Vinyl aufgelegt und „Slainte“ auf einen gelungenen Abend.

Setlist BLACK STAR RIDERS

All Hell Breaks Loose
Are You Ready
Bloodstone
Bad Reputation
Before The War
Jailbreak
Hoodoo Voodoo
Suicide
Kingdom Of The Lost
Hey Judas
Southbound
Kissin’ The Ground
Valley Of The Stones
Emerald
Bound For Glory
Cowboy Song
The Boys Are Back In Town
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Whiskey In The Jar
Rosalie/Cowgirl Song

Pic: Dalila Kriheli rockstarpix.com (Promo)