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BLACK SABBATH, RIVAL SONS

Köln, Lanxess Arena

BLACK SABBATH

BLACK SABBATH können kurz vor dem Ruhestand nicht über mangelnden Zuschauerzuspruch klagen: Eine proppenvolle Lanxess-Arena wartet darauf, von Ozzy Osbourne und Co. die letzte Messe gelesen zu bekommen.

Bevor BLACK SABBATH allerdings das Ende einläuten, darf sich mit RIVAL SONS einer der vielversprechendsten Classic-Rock-Acts der Neuzeit vor großer Kulisse präsentieren. Die Band ist sich der Ehre bewusst und bis in die Haarspitzen motiviert. Schon beim Opener 'Electric Man' kann das Quartett (das live noch Unterstützung von einem Keyboarder erhält) alle Asse ausspielen. Die beiden Stars der Veranstaltung sind Gitarrist Scott Holiday und Sänger Jay Buchanan, die sich auf dem tighten Rhythmusteppich ihrer Kollegen gegenseitig die Bälle zuspielen. Besonders Jay hängt sich besonders rein und geht bei seiner souligen Gesangsperformance das ein oder andere Mal in die Knie. Das Set ist mit den größten Hits der Bandkarriere gespickt und macht definitiv Lust auf die im Februar durch Deutschland rollende Headlinertour der Amerikaner.

Die folgende Umbaupause bietet Gelegenheit, sich an den Merchständen umzuschauen. Die T-Shirt-Märchenpreise von 35 Euro ist man ja mittlerweile schon von anderen Acts gewohnt. Dass BS-Productions aber für die nur auf dieser Tour erhältliche „The End“-CD (inklusive vier Überbleibseln aus der „13“-Recording-Session sowie einigen Live-Tracks) saftige 30 Euro verlangt, lässt das bereits gezückte Portemonnaie schnell wieder in der Hosentasche verschwinden. Für die handsignierte Version werden gar 90 Euro verlangt, was dem Fass endgültig den Boden ausschlägt.



Aber wir sind ja in erster Linie hier, um BLACK SABBATH live zu erleben, und als die berühmten Glockenschläge 'Black Sabbath' einläuten, sind die Merchpreise vorerst vergessen. Die unheilvollen Iommi-Riffs sorgen auch 47 Jahre nach Erstveröffentlichung für Gänsehaut. Live-Drummer Tommy Clufetos kann dem Song sogar mit seinem variablen Tom-Spiel noch einige neue Akzente hinzufügen, während er die Saitenfraktion in den harten Passagen mit reichlich Punch antreibt. Natürlich ist es bedauerlich, dass Originaldrummer Bill Ward nicht dabei ist, aber es ist wirklich zweifelhaft, ob Bill seine Kollegen so energisch wie Tommy vor sich hergetrieben hätte. Geezer Butler lässt hingegen keine Zeichen von Altersschwäche erkennen und bearbeitet seine Bassgitarre so virtuos und hart wie eh und je, während Gitarrenlegende Tony Iommi sich scheinbar mühelos solche Göttergaben wie 'Into The Void' oder 'Iron Man' aus dem Ärmel schüttelt. Und auch Ozzy liefert eine gute Gesangsleistung mit wenig Schieflage ab. Man könnte kritisieren, dass der Prince Of Darkness dafür heute wesentlich mehr Konzentration aufbringen muss als noch vor einigen Jahren, als er während längerer Instrumentalpassagen mit Wassereimern bewaffnet über die Bühne flitzte. Aber der Mann ist 69 Jahre alt, und man kann nach seinem exzessiven Lebensstil froh sein, dass er überhaupt noch auf der Bühne stehen kann.

Der Preis für die durchgehend gute Performance ist allerdings, dass BLACK SABBATH vom einstudierten Tour-Set keinen Millimeter abweichen. Schade, denn obwohl die Band einige Raritäten wie 'After Forever' oder 'Under The Sun' ausgräbt, betrübt die Die-Hard-Fans die komplette Aussparung von „Sabbath Bloody Sabbath“ und „Sabotage“. Warum stattdessen das mittelprächtige „Technical Ecstasy“-Stück 'Dirty Women' seinen Weg ins Set gefunden hat, bleibt ein Rätsel. Mit 'Children Of The Grave' und dem abschließenden 'Paranoid' hat das Birmingham-Trio allerdings noch zwei Knaller an Bord, die die musikhistorische Bedeutung der Band noch einmal untermauern. Trotz einiger Kritikpunkte ist man beim Verlassen der Halle froh, die besten BLACK SABBATH, die 2017 noch möglich sind, erlebt zu haben.

 

Pics Black Sabbath: Dirk Behlau

Pic Merch: Ronny Bittner

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