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ALICE IN CHAINS, BLACK SABBATH, BLACK LABEL SOCIETY

Essen, Stadion an der Hafenstraße

BLACK SABBATH

Nach dem durchschlagenden Erfolg ihrer letztjährigen Tour kehren die Metal-Urväter BLACK SABBATH für ein Open-Air-Konzert nach Essen zurück, bei dem sie (im Gegensatz zu den restlichen Deutschland-Gigs) ALICE IN CHAINS statt Soundgarden als Anheizer dabei haben.

Den Job der ersten Supportband übernimmt heute Abend wieder einmal BLACK LABEL SOCIETY, die Combo von Ozzys ex-Gitarrero Zakk Wylde, die um 19:30 Uhr mit 'My Dying Time' eröffnet. Wirklich in Stimmung kommen will jedoch nur die Meute vor der Bühne. Keine Frage, Wylde ist ein technisch brillanter Gitarrist, was er ja auf zahlreichen Alben des Madmans unter Beweis gestellt hat. Als Sänger, Frontmann und vor allem Songwriter bleibt er jedoch leider etwas farblos. Seine Mitstreiter geben ihr Bestes, schaffen es aber leider auch nicht, den Funken bis in die letzte Ecke des Stadions überspringen zu lassen. Das kann allerdings auch am entsetzlich flachen Sound liegen, denn insgesamt zeigt sich die Band gut eingespielt. Nach einer knappen halben Stunde schließt der Auftritt mit 'Stillborn.'

Just in dem Moment als die wiederauferstandenen Grunge-Heroen ALICE IN CHAINS mit einem mitreißenden 'Them Bones' loslegen, verdüstert sich der Himmel und keine zwei Sekunden später fängt's an zu schiffen wie aus Gießkannen. Irgendwie passt das aber auch zur düsteren Atmosphäre, die die Songs des Quartetts auszeichnet. Leider gibt es an diesem Abend nur zwei neue Stücke zu hören (ein fantastisches 'Check My Brain' und ein ebensolches 'Hollow'), ansonsten ist Klassikeralarm angesagt. William DuVall erweist sich einmal mehr als die absolut richtige Wahl für den Posten des Fronters. Auch der Rest der Band ist glänzend aufgelegt, allen voran Gitarrist/Sänger/Bandleader Jerry Cantrell, für den es eine sichtbare Ehre ist, für seine Jugendidole eröffnen zu dürfen. Die zweistimmigen Harmoniegesänge von DuVall und Cantrell funktionieren perfekt und die nachtschwarzen Heavy-Riffs des Meisters sorgen wie eh und je für Gänsehaut. Spätestens als das Bass-Intro zu 'Would' erklingt, gibt es kein Halten mehr. Mit einer superben Version von 'Rooster' (Gänsehaut galore!) schließt das Konzert.

Nach dem Auftritt nimmt das Unwetter leider apokalyptische Ausmaße an. Das Konzert wird unterbrochen und das Publikum aufgefordert, Schutz auf und unter den Tribünen zu suchen. Natürlich verstopfen dadurch sämtliche Aufgänge und den Anweisungen des Sicherheitspersonals, diese freizuhalten, kann nicht mehr Folge geleistet werden, weil es schlicht und ergreifend kein Weiterkommen gibt. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als zu beobachten, wie der Innenraum des Stadions langsam absäuft, und zu wem auch immer zu beten, dass doch noch alles glatt geht. Hauptsache, es kommt hier keiner plattgedrückt wie eine Flunder heraus.

Donner? Regen? Glocke? Da war doch was! Genau, die Eröffnung des BLACK SABBATH-Debüts, das vor 44 Jahren an einem Freitag den 13. für den alles entscheidenden Urknall sorgte. Und als Gott/Satan/Thor, oder wer auch immer hier zuständig ist, beschließt, eine Regenpause einzulegen, kann es schließlich weitergehen. Nachdem ein schwarzer Vorhang von der Bühnendecke heruntergelassen wird, steigt die Spannung ins Unermessliche. Man glaubt aus den Augenwinkeln den schwarzen Schatten eines Hutzelmännchens hinter dem Vorhang zu erkennen, und schließlich vernimmt man eine altbekannte, leicht quäkende Stimme, die eine hinlänglich bekannte Fußball-Stadion-Melodie anstimmt. Das Publikum rastet aus, der Vorhang fällt und die Metal-Urväter BLACK SABBATH sind mit einer tonnenschweren Version von 'War Pigs' auf der Bühne. Und die Wahl des Openers hätte nicht besser sein können: Schließlich läutete dieser nachtschwarze, bleischwere Song-Leviathan eine neue Ära ein und bereitete den Siegeszug des Sounds vor, ohne den wir heute nicht mehr leben wollen. Ozzy hat das Publikum bereits jetzt voll im Griff und singt die Antikriegs-Hymne mit der Menge im Duett. Es folgt ein nicht minder mitreißendes 'Into The Void', anschließend 'Snowblind' und beim Intro zu 'N.I.B.' gehört das Rampenlicht Basser Geezer Butler. Der „Prince Of Darkness“ präsentiert sich für sein Alter in absoluter Topform und beweist Solidarität mit dem immer noch im Starkregen ausharrenden Publikum, indem er seine übliche Showeinlage, sich einen Eimer Wasser über die Birne zu kippen, mit den Worten „I'm gonna join you!“ kommentiert. Und auch sonst lässt der Frontmann heute nichts anbrennen, rennt vom einen Bühnenende zum anderen, übt sich in Luftsprüngen, kniet vor dem Publikum nieder und wird nicht müde „God bless you!“ und „Fuck the rain!“ in die Nacht hinaus zu proklamieren. Eindeutiger Star des Abends ist allerdings der schwarze Magier an den sechs Saiten. Tony Iommi rifft und soliert sich durch die Setlist, dass es einem die Freudentränen in die Augen treibt und zeigt sich in bewundernswerter Form. Selbst Krebs und Chemo-Therapie scheinen diesen Mann nicht zerstören zu können. Beim Drum-Solo von Ozzy-Stammschlagwerker Tommy Clufetos in 'Rat Salad' können sich die Elder-Statesmen eine Ruhepause genehmigen. Das Publikum honoriert Tommys Knüppelattacke mit Inbrunst. Auch fügen sich die zwei Songs vom aktuellen Langeisen „13“, namentlich 'Age Of Reason' und 'God Is Dead?', hervorragend in die Setlist ein. Leider ist nach den beiden Abschlusshämmern 'Children Of The Grave' und 'Paranoid' nach anderthalb Stunden die Messe gelesen. „Aber es war schon geil“, wie Kaiserboris mehrfach betont. Recht hat er.

SETLIST BLACK SABBATH
War Pigs
Into The Void
Snowblind
Age Of Reason
Black Sabbath
Behind The Wall Of Sleep
N.I.B.
Fairies Wear Boots
Rat Salad
Iron Man
God Is Dead?
Children Of The Grave
--
Paranoid

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