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BIFFY CLYRO, BLACKFIELD

Bochum, RuhrCongress

BIFFY CLYRO

Das Publikum, das BIFFY CLYRO mittlerweile an Land ziehen, könnte kaum bunter durchmischt sein. Der Eindruck kommt jedenfalls im Bochumer RuhrCongress mehr als deutlich zur Geltung. Von alteingesessenen Rockern über Metal- und Punk-Fans bis zum Hipster ist in der Halle ziemlich alles vertreten. Kein Wunder, ist der Klangkosmos des schottischen Trios doch inzwischen so weit ausgebaut, dass sich all diese unterschiedlichen Gruppierungen im Sound der Band problemlos wiederfinden. Das bestätigt auch die Setlist mehr als eindrucksvoll.


Doch für den Anfang darf zunächst Aviv Geffen ran. Der Musiker aus Israel und seine Band legen zehn Minuten vor dem offiziellen Start des Konzerts los. Da Geffen sich selbst als Musiker von BLACKFIELD, dem gemeinsamen Projekt mit Steven Wilson, vorstellt, steht konsequenterweise ein Set aus diesen Songs im Vordergrund. Der sympathische Frontmann und seine Mitstreiter haben nur ein größeres Problem: Die eher ruhigen, sich langsam aufbauenden Songs zwischen Pop, Alternative-Rock und ein paar Metal-Riffs sind eher mäßig dafür geeignet, das Publikum auf Biffy Clyro einzustimmen. Die Location ist beim Auftritt von Aviv Geffen im Vergleich zur Performance der Hauptband höchstens halb gefüllt. Viel mehr als ein Mitwippen und -nicken hier und da, sowie ein Mitklatschen nach Animation ist im Publikum nicht zu erkennen. Dennoch lassen vor allem die Songs Gänsehaut aufkommen, die mit politischen Statements Geffens verknüpft sind. Das ist bei den Songs 'Oxygen' und 'Cloudy Now' der Fall. Besonders bei letzterem gehen die Zeilen „We are a fucked up generation“ absolut unter die Haut. Trotzdem: In einem anderen Kontext wäre die Band bestimmt besser angekommen. Schade eigentlich.




Das Problem, Stimmung aufkommen zu lassen, haben BIFFY CLYRO jedenfalls zu keiner Sekunde. Als die Combo um Frontmann Simon Neil und die Gebrüder Johnston an Bass und Drums nach einer knappen Dreiviertelstunde Umbaupause loslegt, ist das Publikum von den ersten Tönen des Intros in ihren Händen. Unterstützt wird die Performance von einem fetten Sound, in dem alle Instrumente klar und deutlich zu hören sind. Bereits der Opener 'Wolves Of Winter' wird lauthals mitgegrölt. Auch der erste Pogo lässt nur bis zum zweiten Track 'Living Is A Problem Because Everything Dies' auf sich warten. Allgemein sind die Pogo-Pits ihm Rahmen des Konzert so gut aufgestellt, dass wirklich niemand rein muss, der keine Lust hat. Allerdings ist dadurch natürlich auch zu bemerken, dass manche Zuschauer leider immer weiter von der Bühne weggedrängt werden. Doch nicht nur vor der Bühne geht es schweißtreibend ab. Die Truppe liefert eine Performance voller Energie und Spielfreude ab, dass bereits nach kurzer Zeit (zur Freude einiger Fans) die Band-typische Oben-Ohne-Show abgezogen wird. Im Fokus des Abends stehen eindeutig die Alben von „Puzzles“ bis „Ellipsis“, wobei letzteres als titelgebendes Album der Tour klar mit Vorzug behandelt wird. Und auch, wenn von den ersten beiden Alben der Combo nichts und von „Infinity Land“ lediglich 'Glitter & Trauma' in der Setlist vertreten ist, so herrscht beim Publikum doch durchgängig Partystimmung. Egal ob Hymnen im Midtempo wie 'Biblical', 'Sounds Like Balloons', 'The Captain' und 'Mountains' oder flotteres Material wie 'Golden Rule' oder 'A Whole Child Ago': Die Band liefert ein einziges Feuerwerk an Hits ab. Selbst die Pop-Schnulze 'Re-Arrange' von „Ellipsis“ wird clever als Ruhepol ins Set der Schotten eingebaut. Für pure Gänsehaut hingegen sorgen die Balladen wie 'Opposite', 'Medicine' 'Many Of Horror' oder 'Folding Stars', das im Zugabenblock rein akustisch performt wird. Hier entsteht im Publikum klar Kuschel- und Feuerzeugstimmung. Und im Finale zerlegen Biffy Clyro die Halle so richtig. Zu 'Stingin' Belle' gibt es, wie schon an anderer Stelle, einen kleinen Circle Pit zum Dudelsack-angereicherten Outro. So bleibt festzuhalten, dass die Jungs definitiv alles richtig gemacht und eine Performance in Bestform abgeliefert haben. Am Ende des Abends sind jedenfalls überwiegend glückliche und erschöpfte Gesichter im Publikum zu erkennen.

Pics: Thorsten Seiffert