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CATARACT, THE CROWN, MOONSORROW

Baden In Blut Metal Open Air 2011

Das Baden in Blut Metal Open Air findet nun bereits seit 2005 im idyllischen Lörracher Landschaftspark Grütt statt und erinnert in seiner ganzen Gemütlichkeit an eine etwas größere Metaller-Geburtstagsfeier. Die Bühne steht unter einer Weidenruten-Kuppel und ist weder mit einem Zaun noch einem Fotograben zum Publikum hin getrennt – getreu dem Motto: 100% Underground! Das eintägige Festival ist nicht zuletzt dank dem super Wetter zum ersten Mal ausverkauft und besticht durch einen reibungslosen Ablauf!

Die erste überzeugende Band des Abends ist CYPECORE, eine fünf Mann starke Gruppe aus dem Raum Heidelberg, welche dank ihres Sieges bei einem Contest bereits vor einem Jahr hätte spielen sollen, diesen Auftritt aber nicht wahrnehmen konnte. Der Veranstalters verschob das Spielerecht daraufhin um ein Jahr zu und lud die Jungs erneut ein. Der melodische Death Metal sporadisch vorhandenen Thrash Metal-Riffs scheint dem Publikum jedenfalls gut zu gefallen. Entsprechend motiviert legen sich die Heidelberger ins Zeug.

BATTALION aus der Schweiz spielen einfach gestrickten Thrash Metal und machen damit ihren Job mehr als gut! Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass im Metal das Rad nicht zwingend neu erfunden werden muss. Die Band kann an diesem Abend ihren neuen Gitarristen Clode Hürlimann präsentieren, welcher sich sichtlich freut, auf einem gut besuchten Open Air die Klampfe schwingen zu dürfen. Die Schweizer haben sich nach dem Suizid von Gitarrist Cyril Etzensperger vor einem Jahr damit eindrucksvoll zurück gemeldet und sind definitiv eine Bereicherung für die Heavy Metal-Fangemeinde im Underground.

Ordentlichen Black Metal gibt es danach in Form von AGRYPNIE, einer Combo aus Hessen. Die Truppe besteht quasi nur aus Torsten „Unhold“ Hirsch, der ebenfalls Sänger bei den vor einigen Jahren aufgelösten Nocte Obducta war. Während er für die Aufnahme seiner bisherigen Alben mit Ausnahme der Drums alles selber eingespielt hat, ist er live zusätzlich mit Gitarristen und einem Bassisten unterwegs. Die deutschen Texte sind enorme Geschmacksache, was aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass die Band großes Interesse beim Publikum auslöst. Einen soliden Gig legen sie jedenfalls hin und man merkt an seiner routinierten Art, dass Bandkopf Torsten nicht erst seit gestern in der Metalwelt unterwegs ist.

Etwas komplett anderes präsentieren uns die Veranstalter des Baden in Blut Metal Open Airs mit der Horror Punk-Kapelle THE OTHER. Die optischen Kunstwerke stammen aus Nordrhein-Westfalen und wurden 1999 als MISTFITS-Coverband gegründet. Normalerweise treten die vier bösen Jungs eher an Gothik- und Wave-Veranstaltungen auf, haben aber nicht zuletzt durch Auftritte im Vorprogramm von ALICE COOPER und am Wacken Open Air auch in der Metalszene Bekanntheit erlangt. Live sind die Horror-Punks jedenfalls unterhaltsam und scheuen auch nicht vor humorvollen Ansagen zurück. Um auch etwas fürs Horror-Image der Band zu tun, werden während der Show essbare Augäpfel ins Publikum verteilt.

Nach der Umbaupause, welche übrigens während dem gesamten Festival ziemlich zackig vonstatten gehen, steht mit HELLSAW aus Österreich wiederum bitterböser Black Metal der alten Schule auf dem Programm. Der in der Steiermark beheimatete Fünfer kommt auf die Bühne, um das Gaspedal gleich voll durchzudrücken. Keine langen Ansagen zwischen den Songs, schnörkellose Gitarrenarbeit und ein krank dreinblickender Sänger. So muss authentischer Black Metal aussehen!

Mit CATARACT steht erneut eine Schweizer Band auf der Festivalbühne, was kein Wunder ist, da Lörrach nur einige Kilometer von Basel entfernt und somit sehr nahe an der Grenze zur Eidgenossenschaft liegt. Die Metal Core Thrasher aus Zürich sind für ihre intensiven Live-Shows sowohl berühmt als auch berüchtigt. Sänger und Energiebündel Fedi Carminitana versteht es wie kaum ein anderer an diesem Tag, das Publikum gleich von Beginn weg zum Mitbangen und Mitmoshen hinzureißen. Songs aus der gesamten vergangenen Dekade der Bandgeschichte werden gespielt und begeistern den Grossteil der Besucher. Einer nach dem andern versucht sich beim Stagediven und Crowdsurfen, bis es ihnen sogar ein schätzungsweise 10-jähriger Bube nachmacht und nicht mehr damit aufhören will. Es ist definitiv eine Band, bei welcher man live selten enttäuscht wird!

THE CROWN aus Schweden sind bekanntlich eine Death Metal-Institution schlechthin, haben aber nach Meinung mancher Diehard-Fans die Blütezeit hinter sich, was nicht zuletzt daran liegt, dass im Zuge der Reunion bekannt wurde, dass der charismatischen Sänger Johan Lindstrand nicht mehr mit an Bord sein würde. Aber wie man sich beim aktuellen Longplayer "Doomsday King" schon vergewissern konnte, ist es ebenfalls live eine Tatsache, dass Sänger Jonas Stålhammar seinem langjährigen Vorgänger stimmlich sehr nahe liegt. Leider ist der Sound nicht wirklich gut abgemischt, was sich schließlich vor allem bei den Klassikern der Band wie z.B. "Total Satan" negativ bemerkbar macht. Trotzdem ist es eine große Freude sich die Schweden-Deather wieder einmal live reinziehen zu dürfen!

Als Headliner hat man sich zum ersten Mal in der Festivalgeschichte eine Pagan Metal Band ins Boot geholt. Sie hören auf den Namen MOONRORROW, stammen aus Finnland und sind vor allem beim jüngeren Publikum sehr beliebt. Der Verfasser dieser Zeilen muss an dieser Stelle gestehen, dass dieser Stil von Metal nicht unbedingt seine Baustelle ist, lässt sich jedoch zwischendurch auch positiv überraschen. Bei Pagan Metal denkt man eigentlich mehr an rhythmische Folklore, welche zum mithüpfen und mitgrölen animieren soll. Doch dass es bei dieser nun schon seit 1995 bestehenden Band auch sehr ruhige – ja fast andächtige Parts gibt, überrascht positiv.

Soviel steht fest: Das Baden in Blut Metal Open Air ist ein wahres Schmuckstück auf der immer dichter werdenden Festival-Landkarte.

Pix: Romano Steffen

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