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BACKYARD BABIES, JUNKSTARS

Borlänge - Liljan

BACKYARD BABIES

2015/2016 scheint das große Doppeljahr des Skandi-Rock zu sein: Gluecifer haben ihre Alben wiederveröffentlicht, Turbonegro waren nie weg, die Hellacopters spielen einen Reunion-Gig auf dem Sweden Rock – und die BACKYARD BABIES veröffentlichten nicht nur eine neue Platte, sondern sind auch wieder auf Tour. Nach fünf Jahren machen sie nun auch wieder die Club-Bühnen im heimatlichen Schweden unsicher, so wie an diesem Freitagabend im mittelschwedischen Borlänge.

Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, dass im Liljan Konzerte stattfinden. Indirekte Beleuchtung in dunkelrot und lila, rote Kunstlederbänke – der Laden erinnert einen mehr an ein Casino oder eine Edeldisko (die Beschreibung klingt allerdings eher nach 'nem Edelbordell, Red.) als an einen Rockschuppen. Der Eindruck täuscht auch nicht so ganz, denn neben dem Konzertsaal, der geschätzte 300 Leute fasst, ist ein Clubraum, in dem auch während der Konzerte (!) Elektromusik läuft, was einigermaßen nervt. Als ich um halb zehn dort ankomme (Die Tür ging erst um neun Uhr auf) sind vielleicht 30 Nasen im Raum, was sich aber kurz vor den Konzerten fast schubweise ändert. Um elf Uhr stürmen dann die JUNKSTARS auf die Bretter. Der rock'n'rollige Punk der Stockholmer gewinnt in diesem Leben garantiert keinen Kreativitätspreis mehr, man hat eher das Gefühl, das alles schonmal irgendwo gehört zu haben. Hinzu kommen die Ansagen von Fronter Max Malmquist, die selbst für einen Nicht-Muttersprachler erkennbar lustig sein sollen, es aber irgendwie nicht sind. Auch das restliche Publikum spendet maximal Höflichkeitsapplaus, was einen irgendwo zwischen Bewunderung und Fremdscham zurücklässt. Fazit: Viel gewollt, wenig gewonnen.


Eine halbe Stunde lassen sich die BACKYARD BABIES dann Zeit, bevor sie um kurz nach Mitternacht mit 'Th1rte3n Or Nothing' vor plötzlich fast vollem Haus in ihr Set einsteigen. Die Stimmung vor der Bühne ist feucht-fröhlich, viele Leute haben offensichtlich kräftig zu Hause vorgefeiert. Interessant ist auch die Zusammensetzung des Publikums, in dem neben den üblichen Verdächtigen (also langhaarige und/oder tätowierte Jungs und Mädels in Schwarz) ziemlich viele „normal“ gekleidete Menschen um die 50 sind. Paradox zum Beispiel die Szene, als ein Paar in dem Alter ein Crowd-Selfie macht.

Auf der Bühne ist hingegen von Alterungserscheinungen nichts zu spüren. Man merkt der Band die Motivation und die Lust an, nach sechs Jahren Bühnenabstinenz wieder vor heimischem Publikum aufzutreten. Die Herren Dregen und Borg sind wie eh und je die Fixpunkte, beide stehen zu keiner Sekunde still und besonders bei Dregen habe ich zwischendurch die Angst, das er von den Podesten am Bühnenrand vor lauter Überschwang ins Publikum fällt. Passiert aber glücklicherweise nicht. Stattdessen zockt sich das Quartett bestens eingespielt durch ihr Set, bei dem vor allem die Klassiker des Backkatalogs abgefeiert werden, aber auch die vier Songs des aktuellen Drehers ''Four By Four'' kommen gut an. Ebenfalls ganz weit vorne ist die fette Lightshow mit gelegentlichen Rauchsäulen, die ich eigentlich in so einem kleinen Laden nicht erwartet hätte. Nach guten 60 Minuten beendet dann das lauthals mitgebrüllte 'Nomadic' das reguläre Set. Den herbeigerufenen Zugabeblock eröffnet 'Abandon', das Nicke alleine mit der akustischen Gitarre einleitet. Das umjubelte 'Look At You' setzt dann um zwanzig nach eins den Schlusspunkt.

Die Babies zeigen auch nach 29 Jahren Bandgeschichte, wie fette Liveperformances und unaufgesetztes Rockstar-Posing gehen. Da können sich einige Bands inklusive des eigenen Supports noch ordentlich was abgucken!


SETLIST BACKYARD BABIES
Th1rte3n Or Nothing
Highlights
The Clash
Made Me Madmen
U.F.O. Romeo
Brand New Hate
Dysfunctional Professional
Bloody Tears
Heaven 2.9
A Song For The Outcast
Star War
Painkiller/Roads
Wasted Years
Nomadic
--
Abandon
Minus Celsius
Look At You

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