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ANVIL, REZET

Lorsch, Rex

ANVIL

Nach der Frühjahrstour mit Dirkschneider machen ANVIL Europa im Herbst/Winter alleine unsicher. Ganz alleine sind sie aber nicht, denn REZET begleiten die Kanadier bei den über 30 Auftritten auf dem Kontinent und der abwanderungswilligen Insel.

Verwirrung gibt es zunächst um die Startzeit und das heutige Billing. Auf der Homepage der Location übernimmt man planlos einen Pressetext aus dem Frühjahr („Anvil spielen die komplette Tour mit U.D.O.. Ein kraftvolleres Power-Metal-Package hat es wohl seit Jahren nicht gegeben.“). Zudem gibt man als Startzeit 20.30 Uhr an, während auf dem Tourposter neben REZET noch eine weitere Vorband und der Start für 19.30 Uhr angekündigt wird. Letztlich kommt es aber anders: Es spielen nur der Headliner mit den Norddeutschen und los geht es um 19.45 Uhr.

Schnell ist klar, dass REZET eine gute Wahl sind. An der Trennlinie von Speed- und Thrash Metal demonstriert das Quartett, dass man einen Platz in der zweiten deutschen Genre-Liga durchaus verdient hat. Trotz anfänglich reserviertem Publikum gelingt es der Truppe durch ein tightes Set die wenigen Anwesenden auf ihre Seite zu ziehen. Kein Problem, wenn man auf starkes Songmaterial seiner drei Veröffentlichungen zurückgreifen kann. Hinzu kommen zwei Coversongs, von denen 'Dead City' (Violent Force) klasse passt, während 'No Class' (Motörhead) nicht so richtig zünden will. Egal, der 45 Minuten lange Auftritt ist eine runde Sache und die Thrasher, die alle Megadeth als Lieblingsband angeben und nicht zuletzt wegen des Gesangs von Richy Wagner stellenweise an Mustaine & Co. erinnern, dürften bei dieser Tour die Zeit ihres Lebens haben. Dass man zudem einige neue Fans erreichen kann, ist ein toller Nebeneffekt.

ANVIL können eigentlich gar keinen schlechten Auftritt hinlegen - und der heutige zählt zu den extrem guten. Trotz geringer Zuschauerzahl (der Aufmerksamkeitseffekt des „The Story Of Anvil“-Films ist scheinbar wieder abgeebbt) hat das Trio eine wahnsinnige Spielfreude und so findet man Lips beim gewohnten Opener 'March Of The Crabs' mit seiner Gitarre gleich mitten im Publikum. Fan-Nähe der ganz besonderen Art. Klar, hätte man den Kanadiern die ganz große Karriere gewünscht, solche Momente wären dann aber nicht möglich gewesen. Überhaupt ist der Kontakt des Bandleaders zu seinen Fans eines der Markenzeichen von ANVIL. Dass er mit Robb Reiner seit 1979 - und wohl bis zu seinem Lebensende - ein geniales Duo bildet, ist bekannt. Mittlerweile ist aber auch Basser Chris Robertson voll integriert und nur so kann das Trio sein Potenzial voll ausschöpfen. Dessen Bühnenshow und technische Raffinessen (nie hatte die Band einen besseren Mann am Tieftöner) runden die Show und den Sound der Truppe dementsprechend perfekt ab. ANVIL dürfen nächstes Jahr gerne wiederkommen. Dann vielleicht mit einer etwas veränderten Setlist, neuem Merchandise („40 Years - 1977-2017“ sieht bestimmt cooler aus wie „39 Years - 1977-2016“) und einer längeren Spielzeit als 90 Minuten. So werden 'Forged In Fire' ebenso schmerzlich vermisst, wie die jahrelang ignorierten Klassiker 'Mad Dog', 'Blood On The Ice' und 'Smoking Green'. Höhepunkte sind - wie immer - die Megaversion von 'Mothra' inklusive Dildo-Gitarrensolo und die Kommunikation von Lips über sein Gitarrentonabnehmersystem sowie 'Metal On Metal' (mehr Hymne geht nicht!). Und wer Drumsoli eigentlich nicht mag, hat heute keine Chance, denn Robb Reiner zieht einen mit seinem leidenschaftlichen Wirbeln in den Bann. Wirklich schade, dass nicht mehr Leute den Weg nach Lorsch gefunden haben. Und wer ganz clever war, hat das Konzert noch mit dem Besuch des wunderschönen Weihnachtmarkts am Rande des Weltkulturerbes verbunden.

 

SETLIST ANVIL

March Of The Crabs
666
School Love
Oooh Baby
Bad Ass Rock'n'Roll
Winged Assassins
Free As The Wind
On Fire
This Is Thirteen
Mothra
Daggers And Rum
Swing Thing
Die For A Lie
Metal On Metal
--
School Love

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