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ANGRA, RAVENSCRY, HALYCON WAY, OPERATION: MINDCRIME

Essen, Turock

ANGRA

Das letzte Konzert einer Tour ist fast immer außergewöhnlich. Bei ANGRA, OPERATION: MINDCRIME und ihren Mitstreitern sollte es nicht anders sein: Alle Bands geben ihr Bestes, diesen Abschluss zu einem besonderen zu machen.

Das beschauliche Turock ist noch nicht halbvoll, als RAVENSCRY ihr Intro aus den Boxen tönen lassen. Dank des zweiten Schlagzeugs auf der Bühne ist die Band in ihrer Bewegungsfreiheit leicht eingeschränkt, daher hat Frontfrau Giulia Stefani gefühlt einen Quadratmeter Platz für ihre Bühnenpräsenz. Nichts desto trotz legt sie eine vorbildliche Kommunikation mit den Zuschauern in der ersten Reihe an den Tag. Ihr Gesang ist glasklar, aber teilweise kaum hörbar, was den Gesamteindruck des Sounds um ein paar Punkte herunterzieht. Neben dem Gesang scheint die Musik nur ein Mindestmaß an Melodien zu enthalten, aber dafür gibt es reichlich mitreißende und innovative Grooves. Der Höhepunkt der Show scheint erreicht, als einer der Gitarristen sich beim letzten Song dazu entschließt, in den Zuschauerraum zu springen und dort weiter zu spielen.

Nach einer erfrischend kurzen Umbaupause entern HALYCON WAY die Bühne, und man weiß nicht recht, welchem der strahlenden Energiebündel man zuerst seine Aufmerksamkeit schenken soll. Steve Braun, der mit seinem Gesang stark an Helloween-Stücke aus der Kiske-Zeit erinnert, scheint völlig entspannt und unkompliziert die saubersten Klänge zu produzieren, während seine Bandkollegen ebenso entspannt den ganzen Raum mit ihrer Energie ausfüllen. Weil dies das letzte Konzert der gemeinsamen Tour der vier Bands ist, wird der Auftritt nicht von Albernheiten der restlichen Musiker verschont. Kieran Robertson von Operation: Mindcime bekommt sogar die Möglichkeit, mit seiner Gitarre mitzumischen. Fest steht, dass diese Band liebt, was sie tut.

Das Turock füllt sich, als OPERATION: MINDCRIME mit dem Intro des legendären Queensryche-Albums aufhorchen lassen. Das Publikum singt nicht nur bei Hymnen wie 'Operation: Mindcrime' und 'Spreading The Disease' die Refrains, sondern jeder Song des Albums scheint von den Zuschauern einstudiert zu sein. Geoff Tates Bühnenpräsenz sucht definitiv ihresgleichen, denn mit seiner geheimnisvollen, schauspielerischen Art erntet er definitiv Faszination. In jedem Fall verleiht er dem Album 30 Jahre nach seiner Erscheinung noch immer seinen einzigartigen Ausdruck, musikalisch wie inhaltlich. Auch seine Gesangsleistung ist bemerkenswert, selbst wenn sie nicht mehr zu hundert Prozent den Originalaufnahmen entspricht. Das tut seiner Musik keinerlei Abbruch. Auf Ansagen verzichtet Tate weitestgehend, aber das Animieren des Publikums bekommen die Gitarristen Kieran Robertson und Scott Moughton auch ohne Mikro hervorragend hin.

Headliner an diesem Abend sind ANGRA, die mit ihrem Frontmann Fabio Lione zumindest klanglich die Halle füllen. Das Publikum wird im Laufe ihrer Show allerdings immer spärlicher, offenbar war die Vorband für einige doch etwas interessanter. Liones Stimmumfang scheint nach oben offen zu sein, denn ab und zu ertönen Klänge, die bestimmt mancher Sopranistin Sorgen bereiten würden. Auch er ist erstklassig gelaunt und pausiert seine Aktivität nur während der Gitarren-Duette und -Soli. Natürlich ist er nicht der erste Frontmann an dem Abend, der eine ausführliche Danksagung ausspricht. Seine ansonsten vergleichsweise trockenen, aber ausgedehnten Ansagen heben humorvoll seine Nähe zum Publikum hervor. Am Anfang der Zugaben bittet Gitarrist Rafael Bittencourt um Ruhe, um eine „wichtige Nachricht“ kundzugeben. Er erzählt, dass er in den Achtziger Jahren von Queensryche inspiriert wurde, Musik zu machen, die mehrere Stilrichtungen miteinander kombiniert. Dann holt er Geoff Tate auf die Bühne und beginnt, das Akustik-Intro zur Queensryche-Ballade 'Silent Lucidity' zu spielen. Geoff Tate und  Fabio Lione singen gemeinsam, und es entsteht die für Balladen typische, träumerische Magie, die die Zuschauer für den Moment gefangen hält. Zur Feier des Tages kommen alle Musiker der Vorbands auf die Bühne und zelebrieren den Schlussakkord ihrer Tour, was in einigen Fällen darin ausartet, Selfies und Videos auf der Bühne aufzunehmen. Leider sieht die Menge der Musiker auf der Bühne am Ende vergleichbar aus mit der Menge der Zuschauer vor der Bühne.

SETLIST ANGRA:

Dr. Tyrell's Death
Nothing To Say
Travelers Of Time
Angels And Demons
Light Of Transcendence
Acid Rain
Final Light
Insania
Lullaby For Lucifer
Lisbon
Magic Mirror
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Rebirth
Silent Lucidity
Carry On / Nova Era
ØMNI - Infinite Nothing

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