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THE WOUNDED KINGS, ALTAR OF PLAGUES, NEGATIVVM

Bielefeld, AJZ

Im Antifaschistischen Jugendzentrum in Bielefeld gibt es heute die volle Doom-Keule mit Black Metal-Schippe – und das für gerade mal sieben Euro. Auch Getränke- und Merchpreise unterliegen einer fanfreundlichen Preispolitik, so dass der Konzertbesuch auch nicht gleich das gesamte Monatsgehalt verschlingt. Vor dem Konzert gibt es für Interessierte noch einen Vortrag über die Auswüchse des radikalen Christentums in Deutschland, ein Thema, das der Zielgruppe entsprechend auf reges Interesse stößt.

Direkt auf den Vortrag folgend betritt die erste Band des Abend die Bühne: NEGATIVVM sind der blackmetallischste Teilnehmer des Abends und überzeugen mit Hippieschwarzwurzelsound in bester Wolves-In-The-Throneroom-Tradition. Auch wenn der Musik ein Funken mehr Eigenständigkeit gut tun würde, zieht einen die Atmosphäre der fließenden Riffs unwiderstehlich in seinen Bann.

THE WOUNDED KINGS spielen danach 45 Minuten lang Funeral Doom in der ultrazähen Sumpfvariante. Der Gesang ist leider kaum zu hören, aber die tiefergelegten Minimalriffs mit starkem Blues-Einschlag entfachen auch so ihre großartige Wirkung und das Drumming ist unglaublich kraftvoll, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Betörend, kraftvoll, elektrisierend!
Danach dekorieren MONARCH die Bühne liebevoll mit Kerzen, bevor sie mit kathartischem Drone Doom verstören. Der klingt, wie sollte es auch anders sein, ziemlich nach Sunn O))), denn wie soll man in diesem Genre ernsthaft für Soundinnovationen sorgen? Die Soundscapes vom Keyboard sind jedenfalls kaum mehr als ein netter Bonus, viel wichtiger sind die durch Mark und Bein gehenden Töne, die sich am besten sitzend auf Holzboden genießen lassen. Begrüßt den Schmerz und werdet eins mit ihm! Dass es leider immer wieder Idioten gibt, die den Konzertgenuss durch lautes Reden, Brüllen oder Pfeifen trüben, ist an dieser Stelle kaum mehr als eine Randnotiz wert.
Headliner sind heute ALTAR OF PLAGUES, die sich stilistisch bekanntlich irgendwo in der Schnittmenge der ersten beiden Bands aufhalten und das Ganze noch mit einem gewissen Schuss Pagan verfeinern. Und die Band ist schlau: Nach einem schnellen, teils sogar rasenden Anfang leitet man sehr gemächlich in den epischen, variierten Teil des Sets über, so dass sowohl Knüppelfans wie auch die geduldigen Doomer bedient werden. ALTAR OF PLAGUES sind in Höchstform und erreichen so trotz der späten Stunde – es ist bereits weit nach Mitternacht – noch starke Reaktionen. Um halb zwei ist die Show dann vorbei, so dass man ganz schön rennen muss, um den Nachtbus noch zu bekommen.