Online-MegazineFestivals & Live Reviews

ALCEST, LES DISCRETS, HERETOIR, SOROR DOLOROSA

Oberhausen, Schacht 1

Alcest

ALCEST befinden sich momentan auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere. Das neue Werk „Les voyages de l'âme“ schlägt in Fan- und Kritikerkreisen ein wie eine Bombe und passend dazu zeigt man sich in Europa aktiv an der Live-Front. Da der heutige Termin im Oberhausener Schacht 1 außerdem der einzige in Deutschland ist, haben sich umso mehr Post Rock/Black Metal-Anhänger eingefunden, um dem französischen Bandpackage samt deutschem Gast zu lauschen.

Gegen 19 Uhr starten HERETOIR zu recht früher Stunde. Zwar wirkt die Band um Sänger/Gitarrist Eklatanz zunächst etwas verloren auf der großen Bühne, doch entwickelt sich daraus ein stimmungsvoller, souveräner Auftritt, bei dem die ruhigen und instrumentalen Momente gegenüber dem Essener Gig im Oktober letzten Jahres noch weiter im Vordergrund stehen. Aber auch die selteneren harschen Ausbrüche (wie der bisherige Band-"Hit" 'Graue Bauten') überzeugen und zeichnen im Publikum zahlreiche zufriedene Gesichter.

Danach steht ein musikalischer Exkurs auf dem Programm, dem sich das heute ohnehin nicht sonderlich traditionell ausgelegte Metalpublikum aber als ausgesprochen zugeneigt erweist. SOROR DOLOROSA erinnern an Bands wie The Sisters Of Mercy und passen mit schwarzhaarigen, sonnenbebrillten Look auch optisch in die stark Achtziger-inspirierte Wave/Gothic-Rock-Ecke. Klar, gefällt nicht jedem, aber das stilistische Experiment im Billing lässt sich als wirklich geglückt bezeichnen.

Nach der zweiten Umbaupause beginnt der Teil des Abends, wegen dem wohl die meisten Besucher angereist sind. Die Co-Headliner LES DISCRETS betreten die Bühne und ernten die bisher größte Begeisterung aus der Menge. Die Combo von Sänger/Gitarrist/Artwork-Künstler (und Neiges bestem Kumpel) Fursy Teyssier (der Alcest-Frontmann bedient hier heute auch den Bass) befindet sich mit ihrem sphärischen, mal mehr, mal weniger metallisch angehauchtem Post Rock in verwandtem musikalischem Klangkosmos wie der Hauptact. Leider müssen wir heute auf die Parts von Sängerin Audrey verzichten, welche die Europatour offenbar gar nicht mit angetreten hat. Dagegen werden es der Band viele Fans danken, dass sie mit 'Gas In Veins' einen Song der Ende 2009 aufgelösten Amesoeurs intonieren, auf deren Reunion wohl auch in Zukunft vergeblich zu hoffen ist.

Als ALCEST dann vor einem riesigen Coverartwork-Banner des aktuellen Albums loslegen, sind auch die letzten Augen von der Theke in Richtung Bühne gewandt, um sich auf akustische Traumreise zu begeben. Einzelne Songs hervorzuheben lohnt kaum, da sich der gesamte Auftritt wie aus einem Guss anfühlt. Atmosphärisch stimmig, eine ausgewogene Setlist zwischen den letzten drei Alben. Neige beschränkt seinen Gesang dabei fast ausschließlich auf cleane Vocals, was aber auch bei vergangenen Konzerten nicht anders war. Beim das Hauptset abschließenden 'Percées de lumière' erklingt dann doch noch das einmalige verhallte Krächzorgan, das sich über die anmutige Klanglandschaft legt. Erwähnenswert ist und bleibt ebenfalls Live-Gitarrist Zero, dessen verblüffend hohe Sangesstimme zunächst so gar nicht zu seinem großen, breiten Erscheinungsbild passt, sich aber hervorragend in den Gesamtsound integriert. Auch Schlagzeuger Winterhalter, der sowohl bei LES DISCRETS, als auch ALCEST hinterm Kit sitzt, liefert eine tighte Performance und zeigt sich leisen Tönen und Blastbeats gleichermaßen gewachsen.

Bleibt nichts weiter, als sich über einen rundum gelungenen Abend zu freuen, der obendrein von einem guten Sound und fairen Getränkepreisen abgerundet wird, auch wenn die Fassbiervorräte im Schacht 1 vernichtet sind, bevor die letzten Besucher den Heimweg antreten.

 

SETLIST ALCEST

Autre temps 
Les iris
Là où naissent les couleurs nouvelles
Les voyages De l'âme
Printemps émeraude
Écailles de lune (Part I)
Sur l'océan couleur de fer
Ciel errant
Percées de lumière
---
Souvenirs d'un autre monde
Summer's Glory