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AGALLOCH, HERETOIR, VELNIAS

Oberhausen - Kulttempel

AGALLOCH

Selten bekommt man sie auf deutschen Bühnen zu sehen, dabei können sich die Amis AGALLOCH hierzulande seit Jahren auf eine große Fanschar verlassen. Auch das heutige Konzert im Oberhausener Kulttempel - einer der meiner Ansicht nach angenehmsten Clubs im ganzen Ruhrgebiet - ist reichlich besucht, ohne dass man sich in der Menge störend auf die Füße tritt.

Im Vorprogramm musste innerhalb von wenigen Tagen vor der Veranstaltung ein Ersatz für die Absage von Soliness gefunden werden. Eine kurzfristige Zusage kam von den süddeutschen HERETOIR, die bereits im Februar als Opener beim Oberhausener Alcest-Gig auf der Bühne standen. Und auch heute markiert die Band einen gelungenen Einstieg in einen atmosphärischen, musikalisch abwechslungsreichen Abend. Der Sound ist okay, wird jedoch zu Beginn von einem fies übersteuernden Bass getrübt. Außerdem sind cleane Gitarren viel besser hörbar als die verzerrten. HERETOIR zelebrieren ihre getragenen Post-Rock/Black-Metal-Kompositionen zurückhaltend, aber mit sichtbarer Spielfreude und ordentlichen Screams. Besonders das neue, abschließend intonierte 'Inhale' stärkt die Vorfreude auf künftige Auftritte und ein neues Album.

Anschließend folgt das Kontrastprogramm. Nach dem Umbau wird die Bühne in düstere Beleuchtung und Nebelschwaden gehüllt und VELNIAS starten mit lauten Drums und ultratiefen Gitarren im Doomtempo. Das während des gesamten Auftritts nur in mattenschwingenden Silhouetten erkennbare Quartett bangt, groovt und dröhnt sich in der folgenden knappen Stunde durch einen intensiven Gig, bei dem die Wucht des Gesamtsounds im Mittelpunkt steht. Musikalisch bewegen sich die überlangen Tracks zwischen Keifgesang und Post Hardcore-Gebrüll, das Erinnerungen an Isis oder Neurosis weckt. Meist langsam oder im Midtempo unterwegs, geben sich VELNIAS an den Spannungshöhepunkten auch rasenden Blastattacken hin, um danach wieder in ein noisig-waberndes Krachinferno abzutauchen. Oder wie es einer meiner Konzertbegleiter formuliert: "Die sind wie Agalloch in Stoner." Insgesamt ein beeindruckendes Klangerlebnis voller laut/leise-Dynamik, das in ruhigen Momenten auch melodische Feinheiten offenbart. Hut ab!

Ein schwerer Soundbrocken, den der Headliner auf dieser Tour zu stemmen hat. In der Pause wird die Bühne mit einem großen AGALLOCH-Logobanner und Seitenständern mit obligatorischem Hirsch-Bildnis dekoriert. Die Menge drängt zunehmend in die vorderen Reihen und gegen 21:15 Uhr legt Frontmann/Gitarrist John Haughm mit dem selbst intonierten Intro los. Danach startet die Band mit 'Into The Painted Grey' in ihr rund 100-minütiges Set. Die vier Musiker zocken konzentriert ihre melodischen, mit ausladenden Akustik- und gekonnten Solopassagen gekrönten Folk/Black Metal-Hymnen und Haughms Gesang hat sich im Laufe der Jahre live verbessert, auch wenn er seinem kratzigen, harschen Organ noch nachsteht. Die Songauswahl beschränkt sich zu Beginn auf Stücke neueren Datums, im Laufe des Konzerts kommen aber auch Fans der alten Releases auf ihre Kosten. 'Of Stone Wind And Pillor' widmet man den Jungs von Heretoir, die Haughms Ansage nach seine erste Wahl in Sachen Support gewesen wären. Nach 'Bloodbirds' legt die Band ihre feedbackenden Instrumente nieder und verlässt die Bühne. Die lautstarken Zugabeforderungen und Pfiffe holen die Musiker jedoch schnell wieder aus der Umkleide. Mit 'Hallways Of Enchanted Ebony', 'Dead Winter Days' vom '99er Album "Pale Folklore" und dem 15-Minuten-Epos 'In The Shadow Of Our Pale Companion' von "The Mantle" legen sie einen fulminanten Zugabenblock hin, der vom Sol-Invictus-Cover 'Kneel To The Cross' letztendlich abgeschlossen wird. Ein langer Auftritt, der obendrein von einem sehr differenzierten Sound profitieren konnte.

 

SETLIST AGALLOCH

Cascadia (Intro)
Into The Painted Grey
Falling Snow
The Watcher's Monolith
Limbs
Ghosts Of The Midwinter Fires
Of Stone, Wind And Pillor
Our Fortress Is Burning II - Bloodbirds
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Hallways Of Enchanted Ebony
Dead Winter Days
In The Shadow Of Our Pale Companion
Kneel To The Cross