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AGALLOCH, FEN

Köln, Werkstatt

AGALLOCH

Man sollte meinen, dass ein Montagabend nicht unbedingt für einen erfolgreichen Konzertabend prädestiniert ist. Da sich die Amerikaner AGALLOCH seit einigen Jahren immer mehr als internationale Szenegröße etabliert haben, ist die Kölner Werkstatt heute dementsprechend fast ausverkauft. Schon im Vorfeld erfreuen sich viele Besucher am Biervorrat des benachbarten Getränkemarktes.

Timing scheint heute besonders groß geschrieben zu sein, so dass die Briten FEN vor dem gefülltem Saal pünktlich um 20 Uhr ihr Opener-Set starten. Das Trio um Sänger/Gitarrist The Watcher meistert seine 45-minütige Show dabei ausgesprochen souverän. Atmosphärisch bewegt man sich durchaus in hörbarer Nähe zum Headliner und schaltet während der langen Songs mit starken Zäsuren zwischen dahinfließenden Cleanpassagen, untermalt mit Flüstergesang und plötzlichen, schwarzmetallischen Eruptionen um. Von der Soundqualität her gibt es trotz Verzichts auf eine zweite Gitarre wenig auszusetzen, auch wenn die harschen Vocals einen Hauch mitreißender tönen, als der Klargesang. Als Highlights des nur selten von Ansagen begleiteten Sets gehen das rhythmisch raffinierte 'Of Wilderness And Ruin' der 2011er-Scheibe „Epoch“ und 'Consequence', der Opener des jüngst erschienenen neuen Longplayers “Dustwalker“ ins Ziel. FEN haben ihren persönlichen Stil gefunden, klingen dabei manchmal, als ob die Franzosen von Alcest hinter einer Nebelwand musizierten und sich vermehrt Elementen des primitiven Black Metals bedienten, ohne an melancholischer Energie einzubüßen. Gegen 20:45 Uhr geht man mit einem freundlichen „Dankeschön!“ von der Bühne – das schafft Zeit, vor dem Club dem neuen Rauchergesetz Tribut zu zollen, oder lechzend zur stark frenquentierten Theke zu eilen. Im Keller der Werkstatt ist zudem ein großer Merchstand aufgebaut, der sich am Ende des Abends noch starker Beliebtheit erfreuen wird.

Eine knappe halbe Stunde später wird die Bühne in violettes Licht getaucht und Weihrauchschwaden umhüllen die gebannt nach vorn blickende Menge. Zunächst sitzt AGALLOCH-Frontmann John Haughm allein mit seiner Gitarre im Zentrum des Geschehens und leitet die Zeremonie mit dezenten Tönen ein. Es wird schnell absehbar, dass wir es hier mit dem ausladenden Programm einer nach wie vor selbstbewussten, atmosphärisch begabten Band zu tun haben. Nach dem Einstieg mit 'Limbs', 'Ghosts Of The Midwinter Fires' und dem elegischen 'Falling Snow' gibt das Quartett aus Portland ihren neuesten Song 'Faustian Echoes' („This song is dedicated to Mathias Grassow and Nico Maier. This might be the only tour, where we're playing it.“) zum Besten, der mit über 21 Minuten jedes Trademark AGALLOCHs abdeckt, von der Spannungskurve her aber (noch) nicht mit dem später gespielten Evergreen-Longtrack 'In The Shadow Of Our Pale Companion' mithalten kann. In der Mitte des Sets werden obendrein Fans der ersten Stunde mit 'The Melancholy Spirit' (yes!) und 'Dead Winter Days' aus dem Jahr 1999 beglückt. Prinzipiell zelebrieren die Nordamerikaner bereits in ihren mehr als zehn Jahre alten Songs dynamisch das, was im aktuellen Jahrzehnt gängigerweise unter dem Banner Post Rock firmiert. Vom Sound her gibt es abgesehen von den ab und an übersteuert feedbackenden Amps nichts zu meckern.

Identisch zur letztjährigen Performance beendet man das reguläre Set mit dem Sol-Invictus-Singalong 'Kneel To The Cross', zu dem sich die Fans in der Werkstatt auch nicht lange bitten lassen, in den „Summer is a-coming, arise, arise“-Chor einzustimmen. Ab 23 Uhr entern John Haughm, Don Anderson, Jason William Walton und Aesop Dekker für das dreiteilige Epos 'Our Fortress Is Burning' noch einmal die Bühne und fahren eine finale, gänsehautträchtige Wall of Sound auf, in welcher die hallend-klagenden Schreie des Fronters schließlich den Ausklang begleiten.

 

SETLIST AGALLOCH

Limbs
Ghosts Of The Midwinter Fires
Falling Snow
Faustian Echoes
The Melancholy Spirit
Dead Winter Days
You Were But A Ghost In My Arms
In The Shadow Of Our Pale Companion
Kneel To The Cross (Sol Invictus-Cover)
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Our Fortress Is Burning I-III