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AC/DC, THE WHISKEY FOUNDATION, VINTAGE TROUBLE

Gelsenkirchen, Veltins-Arena

AC/DC

Einer geht noch: Nachdem Kollege Issler die australische Rock'n'Roll-Legende bereits vor gut zwei Monaten zum Tourauftakt in Nürnberg besucht hat, macht sich unsere Ruhrpott-Delegation (bestehend aus Zompf Kupfer, Alexandra Michels und meiner Wenigkeit) auf, um Angus, Brian und ihrer jüngst fast vollständig ausgetauschten Begleitmannschaft auf dem finalen Konzert ihrer möglicherweise letzten großen Rundreise durch Deutschland beizuwohnen.

Während meine Kollegen mit dem Auto anreisen, habe ich mich für die eigentlich vollkommen unkomplizierte Anfahrt mit der Bahn entschieden. Blöder Fehler. Die Strecke zwischen Bochum und Essen wird wegen Bauarbeiten momentan nicht befahren. Es gibt zwar Schienenersatzverkehr, aber der braucht deutlich länger, weswegen es unmöglich ist, den Anschlusszug nach Gelsenkirchen zu erreichen. Die Folge: Zwangspause in Wattenscheid, Bier leer, rien ne va plus, Vorband verpasst. Frollein Michels bescheinigt der deutschen Truppe THE WHISKEY FOUNDATION, die soulig-bluesigen Rock mit starkem The-Doors-Einschlag zockt, "ganz unterhaltsam" gewesen zu sein, und "einen schnuckeligen Frontmann" sollen sich auch gehabt haben. Gut, wollen wir unserem Redaktions-Rotschopf mal glauben.

VINTAGE TROUBLE legen im Anschluss einen starken Gig aufs Parkett. Der überaus gut gekleidete (Anzüge, Westen, Hemden, Hüte) Los-Angeles-Vierer zockt entspannten Bluesrock, und würde sich in einer verrauchten Kellerbar vermutlich noch deutlich besser als auf der großen Bühne machen. Dennoch: Die Burschen füllen die Stage gut aus, Fronter Ty Taylor ist eine obersympathische Frontsau, und die Show kommt beim Publikum ganz ausgezeichnet an.

Apropos Publikum: Lässt man seinen Blick durch die Arena schweifen, stellt man fest, dass selbiges sehr gemischt ist. Vom Mittsiebziger, der mit seinem Enkelsohn angereist ist, über piekfein angezogene Business-Typen bis hin zu Metalheads mit langen Haaren und Kutte ist alles und jeder vertreten. Wobei man schon sagen muss, dass letztere Fraktion deutlich in der Unterzahl ist. AC/DC sind vor Jahren (oder besser: Jahrzehnten) mitten im Mainstream angekommen. Die Band ist - ähnlich wie viele vergleichbar große Gruppen - schon längst ein popkulturelles Phänomen, das Jung und Alt, Biedermänner und Rebellen, Arbeiter und Akademiker gleichermaßen fasziniert. Muss man nicht gut finden, sollte man aber akzeptieren - denn ändern kann man es ja ohnehin nicht.

Und ohnehin gilt: Wo AC/DC draufsteht, ist auch AC/DC drin. Daran ändert weder das fortgeschrittene Alter der Herrschaften auf der Bühne, noch der kürzliche Austausch zweier langjähriger Bandmitglieder etwas (Gitarrist Malcolm Young ist an Demenz erkrankt und kann nicht mehr auftreten, Drummer Phil Rudd wurde erst vor wenigen Tagen von einem neuseeländischen Gericht wegen "Drogenbesitz und Morddrohungen" zu acht Monaten Hausarrest verurteilt und dürfte damit endgültig raus sein). Die Aushängeschilder der Truppe sind ohnehin seit jeher Gitarrist Angus Young, der auch mit seinen sechzig Jahren in Schuluniform noch eine gute Figur macht, und – seit dem Tod von Bon Scott – Sänger Brian Johnson, der inzwischen zwar ein wenig an Stimmgewalt eingebüßt hat, aber immer noch sehr, sehr gut singt. Naturgemäß bietet die jahrzehntelang erprobte Show der Australier nur wenige Überraschungen, und im Vergleich zur "Black Ice"-Tour hat sich bis auf einige Veränderungen in der Setlist (die nicht nur die obligatorischen Hits, sondern auch ein paar Songs vom neuen Album und ein paar schon länger nicht mehr gespielte Klassiker enthält) fast nichts getan. Zu Beginn gibt's Feuerwerk, während 'Hells Bells' schwingt eine Glocke über der Bühne, bei 'Whole Lotta Rosie' grüßt eine überdimensionale Aufblaspuppe der besungenen Lady von der Stage, und während 'For Those About To Rock' feuern Kanonen aus allen Rohren (Nun ja, solche Gimmicks bekommt man aber auch nicht überall geboten, ein bisschen euphorischer bitte, Herr Kollege! - rb). Alles gut, alles bewährt, nix zu meckern. Und eines ist nach dem gut zweistündigen Konzert ohnehin klar: In dieser Form dürfen AC/DC gerne noch ein paar Jährchen weitermachen.

Setlist AC/DC

Rock Or Bust
Shoot To Thrill
Hell Ain't A Bad Place To Be
Back In Black
Play Ball
Dirty Deeds Done Dirty Cheap
Thunderstruck
High Voltage
Rock'n'Roll Train
Hells Bells
Baptism By Fire
You Shook Me All Night Long
Sin City
Shot Down In Flames
Have A Drink On Me
T.N.T.
Whole Lotta Rosie
Let There Be Rock
+++++
Highway To Hell
For Those About To Rock (We Salute You)

 

Pic: Thorsten Seiffert

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