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ASIA

Aschaffenburg, Colos-Saal

Die Scorpions haben mit ihrer Abschiedstour die Diskussion um die Thematik "Alter, Authentizität und Musik" angestoßen. ASIA sind auch in die Jahre gekommen und als die Briten um 20.15 Uhr (ohne Vorgruppe) zu ihrem ersten Deutschlandauftritt der Tour die Bühne betreten, merkt man, dass die Veteranen auch optisch gealtert sind. Wüsste man nicht, dass es sich hier um die Herren Carl Palmer, Steve Howe, John Wetton und Geoff Downes handelt, würde man wohl eher auf eine Coverband tippen. Dann legt die Combo aber souverän los und lässt die Spötter verstummen.

Zu Beginn dominieren Nummern der Comebackphase und die können sich gegenüber den Klassikern durchaus sehen lassen. Apropos Setlist: Auf Songs ihrer bisherigen Bands legen die Musiker heute keinen Wert. Im Gegensatz zu den US-Konzerten, bei denen im letzten Jahr u.a. 'Video Killed The Radio Star' (Buggels), 'In The Court Of The Crimson King' (King Crimson) und 'Fanfare For The Common Man' (Emerson, Lake And Palmer) gespielt wurden, gibt es heute also ASIA pur. Auch nicht schlecht, zumal wieder deutlich wird, welche Hitdichte die Supergroup zu bieten hat. Dass bei solchen Ausnahmemusikern Soloeinlagen stattfinden, ist klar. Zuerst gibt Steve Howe einen Beweis seines Könnens und später bietet Carl Palmer – integriert in 'The Heat Goes On' – ein außergewöhnliches, virtuoses und kreatives Drumsolo, bei dem er eindrucksvoll beweist, dass er einer der wenigen ist, die in einer Liga mit Neil Peart spielen. Drumsolos dieser Klasse haben eine Daseinsberechtigung und sorgen für herunterklappende Kinnladen! Komisch nur, dass Tatenzauberer Geoff Downes kein Keyboardsolo spielt.

Im Mittelpunkt der Show steht John Wetton, der sichtlich Spaß am Geschehen hat und noch gut bei Stimme ist. Etwas erschreckend allerdings die Optik von Steve Howe: Während er immer noch brillant Gitarre spielt, ist sein körperlicher Zustand – im Gegensatz zum Rest der Truppe – besorgniserregend und irgendwie hat man den Eindruck, dass er gerade aus dem Altenpflegeheim ausgebüchst ist. So überrascht es dann auch wenig, dass nach 45 Minuten eine viertelstündige Pause eingelegt wird, die die Herren wohl zur Erholung nutzen. Währenddessen wird im Publikum getuschelt, dass man hier vielleicht wie die Scorpions konsequent sein sollte. Man kann und sollte das aber auch anders sehen: Die Band hat ein musikalisches Vermächtnis zu verwalten und so lange ihr das gelingt, ist alles in Ordnung. Wie sehr ihr das gelingt, zeigen die positiven Publikumsreaktionen. So ist es letztlich ein toller Abend, der mit der Hoffnung endet, dass sich die Band bald mal wieder bei uns blicken lässt und Steve Howe noch lange durchhält.

Noch ein paar Worte zum Colos-Saal: Ohne Frage ist der rührige und professionelle Laden einer der besten Plätze für Classic-Hardrock in Deutschland. Doch wenn eine Show wie heute ausverkauft ist, ist sie meistens überausverkauft, was zu Lasten der Konzertfreude geht. Bei ASIA war es wirklich unzumutbar voll…

Pics: Britta Stippich

SETLIST

I Believe

Only Time Will Tell

Holy War

Never Again

Through My Veins

Don`t Cry

Steve Howe Solo

Smile Has Left Your Eyes

Open Your Eyes

+++ (Pause)

Finger On The Trigger

Time Again

An Extraordinary Life

The Heat Goes On

End Of The World

Here Comes The Feeling

Sole Survivor

+++

Go

Heat Of The Moment