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JOHN WAITE

JOHN WAITE Karlsruhe - Badisch Brauhaus

Schade, dass viele Unwissende JOHN WAITE auf seine ruhigen und radiotauglichen Nummern reduzieren. Dass der Veteran, der mit The Babys, Bad English und als Solokünstler Musikgeschichte geschrieben hat und das Business wie kaum ein Zweiter kennt, im Herzen ein Rocker ist, wird heute eindrucksvoll demonstriert.

Ohne Keyboardunterstützung und mit seinen drei Mitmusikern (Luis Maldonado, Billy Wilkes und Tim Hogan) steigt er gleich souverän ins Set ein und beweist, dass es hier nur um die Musik geht. Immer noch gut bei Stimme, in beeindruckender körperlicher Kondition (er geht auf die 60 zu) und mit einer beeindruckenden Persönlichkeit folgen 90 Minuten in den Welten des Melodic Hardrocks. In der Setlist, die allabendlich verändert wird, finden sich Nummern aus all seinen Schaffensphasen. Konkret sind das u.a.

- 'New York City Girl'

- 'Suicide Life'

- 'Best Of What I Got'

- 'Isn`t It Time'

- 'Midnight Rendezvous'

- 'Back On My Feed Again'

- 'In Dreams', 'Mr. Wonderful'

- 'Head First'

und natürlich die Hitsingles 'Missing You' und 'When I See You Smile' sowie die Coverversionen *'Rock`n Roll' von Led Zeppelin und 'All Along The Watchtower' von Hendrix, die klar die Einflüsse des Briten aufzeigen. Klasse, wie es heute Abend gelingt, den Spirit der Achtziger in die Gegenwart zu retten, die aber spätestens am nächsten Tag beim Einschalten des Radios oder von MTV zurückkehrt. Gitarrist Luis Maldonado, der heute Geburtstag hat und mit einem Kuchen vom Promoter auf der Bühne überrascht wird, hätte sich keine bessere Lokalität zum Feiern suchen können. Überhaupt ist das Brauhaus – in dem sonst eher andere Musik zu Hause ist – ein klasse Schuppen, bei dem Sound, Licht und Bühne stimmen und vor allem das hausgebraute Bier mundet.

Wem der Abend gefallen hat – und das dürften alle Anwesenden gewesen sein – der kann gleich für fanfreundliche zehn Euro die neue Livescheibe der Truppe mitnehmen. Bleibt zu hoffen, dass das Album die hohen Erwartungen, die der Abend geschürt hat, erfüllen kann und der Großmeister bald wieder bei uns auf Tour kommt.

Die einzige Irritation gab es im Vorprogramm, denn das bestritt nicht wie angekündigt Bert Heerink, der ehemalige Sänger von Vandenberg. Der Niederländer hätte sicherlich mit seinem aktuellen Soloalbum sehr gut mit dem Headliner harmoniert, sagte aber kurzfristig ab. Was tun? Kein Problem, wenn man einen talentierten Roadie dabei hat, der spontan als Alleinunterhalter mit der geliehenen Gitarre von John Waite über eine halbe Stunde das Entertainment übernahm. Zu hören gab es eine Reihe von Coverversionen aus dem Hause Poison, Led Zeppelin, Manfred Mann's Earth Band, Billy Idol, Bon Jovi und als Highlight zweimal AC/DC ('You Shook Me All Night Long' und 'Highway To Hell'). Letztlich eine gelungene Aktion, die gut ankam. 

 

PIC: AMAYA MENDIZABAL