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JANE, PAVLOV`S DOG

Karlsruhe-Durlach, Festhalle

Darüber, ob Pavlov`s Dog Rock-Hard-kompatibel sind, lässt sich streiten. Ich habe die Band für mich durch ein Review im Power-Metal-lastigen Fanzine unseren heutigen Textchefs Anfang der Neunziger in der Rubrik "Vergessene Perlen" entdeckt und bin Boris dafür noch heute dankbar, dass er schon damals über den Tellerrand gucken konnte.

Heute haben die ersten Veröffentlichungen der Truppe weit über dreißig Jahre auf dem Buckel und da man schon damals bei uns den Durchbruch schaffte, ist es umso erstaunlicher, dass die Mastermind David Surkamp erst in diesem Jahrtausend und nun bereits zum wiederholten (und hoffentlich nicht letzten) Mal auf Gastspielreise in Europa ist. Und dass die Festhalle gut gefüllt ist, zeigt, dass Pavlov`s Dog noch immer geschätzt werden. Gut so!

Im Vorprogramm tritt die Krautrocklegende JANE auf, deren Comeback sich seit 2002 weitgehend abseits der breiten Öffentlichkeit vollzieht. Umso überraschender, dass die Veteranen keineswegs altbacken daher kommen. Im Gegenteil: Mit ihrem Mix aus Deep Purple und Pink Floyd können die Herren um Charly Maucher vom Ur-Line-up owohl mit altem wie auch neuem Material bei optimalem Sound (Kompliment an den Soundmann!) überzeugen. Interessant dabei vor allem die Besetzung am Schlagzeug, denn da hat man mit Fritz Randow (ehemals Saxon und Sinner) einen alten Bekannten im Boot, der für einen fetten Rhythmus sorgt und zu Recht ein Solo spielen darf.

Gleich zu Beginn liegt bei PAVLOV`S DOG eine gewisse Melancholie in der Luft. Erst nachdem die sechs Musiker seiner Band losgelegt haben, kommt der Großmeister selber auf die Bühne und entführt mit zwei Klassikern zurück ins Jahr 1975. Sofort kann er die Magie entfachen, die die Band damals zur ganz großen Prog-Rock-Hoffnung machte. Apropos Band: Zu der zählen u.a. sein alter Weggefährte Mike Safron (der zugleich Drummer und Entertainer ist), seine Ehefrau Sara und die bildhübsche Abbie Hainz an Violine und Mandoline. Allein alterstechnisch dürften sich hier vier Jahrzehnte treffen, und auch was das Outfit betrifft, zeigt sich eine große Bandbreite, wobei besonders der Gitarrist in der Glam-Metal-Szene der Achtziger verwurzelt scheint. Egal, die Truppe harmoniert perfekt und glänzt mit einer enormen Spielfreude, wobei David immer wieder Anekdoten auf Lager hat, aber auch vom Tod des langjährigen Bandmitglieds Siegfried Carver berichten muss. Dazu seine einzigartige Stimme, die immer noch bewegt und den Songs das gewisse Extra gibt. Die Setlist besteht aus elf Nummern der legendären beiden ersten Alben ("Pampered Menial" und "At The Sound Of The Bell"), zahlreichen anderen Nummern seiner Projekte sowie einem Track vom kommenden Album. Auch wenn die die Klassiker der Siebziger unerreichbar bleiben, können alle Songs begeistern, wobei der rockigste (`Song Dance`) und die emotionalsten (`Late November` (passend) und `Julia`) einmal mehr beweisen, welches Potenzial die Ausnahmetruppe hat(te). Nach zwei Stunden verabschiedet sich David Solo an der Gitarre akustisch. Zurück bleibt ein Publikum, das immer noch Gänsehaut hat. Fazit: ganz großes Kino!

- Preludin

- One And Future Kings

- Breaking Ice

- Heart Of Mine

- She Came Shining

- Late November

- Not By My Side

- Subway Sue

- Episode

- I Still Love You

- We All Die Alone

- Gold Nuggets

- Looking For My Shadow

- Wrong Standing Here With You

- Angeline

- Angels Twilight Jump

- Song Dance

+++

- Julia

- Natchez Trace

- Suzanne I Love You