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GOTTHARD, DEEP PURPLE

Europahalle, Karlsruhe

Während andere Bands ein zehnjähriges (Courageous mit ihrem Debüt "Listen"), fünfundzwanzigjähriges (Pretty Maids), dreißigjähriges (Girlschool) oder fünfunddreißigjähriges (Kiss) Jubiläum dieser Tage feiern, bringen es DEEP PURPLE auf die magische Zahl von vierzig.

Gratulation und Respekt! Naheliegend, dass es dazu die 40th-Jubilee-Tour gibt. Und dass man das nicht alleine feiern muss, beweisen die vollen Hallen, wie heute in Karlsruhe.

Den Opener machen GOTTHARD und das erweist sich als gelungener Schachzug. Wahrscheinlich sind die Schweizer dem Großteil des Publikums noch nicht bekannt, doch das ändert sich rasch. Ohrwürmer wie 'Lift U Up', 'Let It Be', 'Gone Too Far', 'The Oscar Goes To ...', 'Top Of The World', 'Mountain Mama' und die Schlussnummer 'Anytime, Anywhere' sind passend für alle Purple-Fans. Überraschend, das man heute ganz aufs Covern verzichtet (wäre ja auch komisch, wenn man den Headliner wie gewohnt mit 'Hush' covern würde), erwartungsgemäß gibt es aber mit 'Falling' aber auch eine reine Ballade. Im Mittelpunkt der Show natürlich Frontröhre Steve Lee, der in Sachen Stageacting einmal mehr stark an den jungen David Coverdale erinnert. Und überhaupt merkt man heute mehr denn je, dass Deep Purple wohl der Haupteinfluss der schweizerisch/englischen Kombination sein dürfte. So hat sich die Teilnahme für die Truppe voll gelohnt und in den nächsten Tagen dürften die Plattenverkäufe durch neugierig gewordene Besucher noch einmal anziehen. Typischer Opener waren die Eidgenossen aber gar nicht, denn ihre Behandlung mit einer Stunde Spielzeit, großer Bühne, viel Licht, gutem Sound und großem Backbanner ist ja nicht immer gegeben, zumal später (wenn ich das richtig gesehen habe) ihr Keyboarder den Headliner bei 'Smoke On The Water' unterstützen darf.

Dann liegt Spannung in der Luft, in der es sonst stark nach Popcorn und verbrannten Flammkuchen riecht, bis die Veteranen die Bühne betreten, die für den Barfußauftritt von Ian Gillan sogar gesaugt wird. Mit einem Trommelwirbel eröffnet Ian Paice als einzig verbliebenes Originalmitglied den knapp zweistündigen Set. In dem präsentiert sich das Quintett als geschlossene Einheit und in Bombenform. Sei es Steve Morse, der seinen Vorgänger an der Gitarre vergessen macht, die alten Nummern klasse interpretiert und den neuen seinen Stempel aufdrückt, Don Airey, der wirklich ein Tonkünstler an den Tasten ist, Roger Glover, der die Band dirigiert, Ian Paice, der den Takt vorgibt und hält und natürlich Frontman Ian Gillan, der für die Kommunikation sorgt und gut bei Stimme ist. Wer ihm dabei vorwirft, dass er sich nicht mehr an 'Child In Time' ran traut oder die hohen Töne nicht mehr durchweg erreicht, der sollte bedenken, in welchem Alter er sich befindet.

Auffallend aber vor allem, dass die Truppe mit ihren letzten beiden Zugängen Morse und Airey absolute Glücksgriffe gelandet hat. In Sachen Setlist ist klar, dass Gillan nur Nummern bringt, die er auch selber eingesungen hat und darunter sind natürlich zahlreiche Klassiker wie 'Perfect Strangers', 'Knocking At Your Backdoor', 'Strange Kind Of Woman', 'Into The Fire' aber auch gelungene neue Sachen wie 'Rapture Of The Deep' und 'Kiss Tomorrow Goodbye'. Die größte Hitdichte folgt aber zum Schluss, denn da gibt es 'Perfect Strangers', 'Space Truckin', 'Highway Star', 'Smoke On The Water', 'Hush' und 'Black Night' am Stück.

Klar dass danach nichts mehr kommen kann. Unterstützt wird das Ganze durch zwei große Leinwände, auf denen das Bühnentreiben übertragen wird. Fazit: Zwar sind die 50-55 Euro Eintritt recht happig, abschließend muss man aber sagen, dass sie das wert waren.

Eigentlich sollte es zum Schluss heißen: "Alles Gute für die nächsten vierzig Jahre". Das dürfte dann aber doch eher unwahrscheinlich sein.

Unabhängig davon hat die Legende einmal mehr bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört. In diesem Sinne "The Battle Rages On"!

Britta Stippich

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