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QUIREBOYS, TWISTED SISTER, EXTREME, LOADED

ROCK-OF-AGES - Mailand, PalaSHARP

Rock Of Ages - Mailand? Klar, Verwirrung ist angesagt, denn das gleichnamige deutsche Festival liegt schon Wochen zurück. In Italien hat man sich den Namen und teile der Konzeption scheinbar ohne Rücksprache mit den Schwaben ebenfalls zugelegt. Sei es drum, denn auch diese Version kann überzeugen.

Der Stellenwert des Billings zeigt sich schon am Billiganbieter-Flughafen Bergamo bei Mailand, wo Fans aus ganz Europa eintreffen, um diesem Veteranentreff beizuwohnen. Darüber kann sich der Veranstalter freuen, denn die klasse Halle im Norden von Mailand ist mit etwa 5.000 Leuten recht gut gefüllt.

 Erste größere Band sind die bereits seit 2001 reformierten QUIREBOYS. Irgendwie ist ihr Comeback bisher nicht ganz in Schwung gekommen, dennoch sind Spike und Guy Griffin auch mit neuen Mitmusikern ein Garant für lässige Stimmung und haben natürlich mit Ohrwürmern wie 'Hey You' oder '7 O'Clock' oder 'There She Comes Again' zeitlose Nummern im Programm. Aber auch das neue Material wie beispielsweise 'I Love This Dirty Town' kann durchaus überzeugen. Um es mit einer Ansage von Spike auf den Punkt zu bringen: "This is rock'n'Roll!" Dass man am Merchandisestand für die neue Scheibe allerdings 20 Euro verlangt, ist etwas happig. Mal sehen, wie Reise der Briten weitergeht, heute präsentiert man sich zumindest souverän und kommt gut an. Daumen hoch! Ganz anders Duff McKagan mit seiner Truppe LOADED. Ehrenhaft und nachvollziehbar, dass der ex-Basser von Guns N'Roses neben Velvet Revolver eine zweite Spielwiese hat. Dumm nur, dass diese niemand so richtig braucht und interessiert. Der leicht punkige Stil (britische Variante) seines eigenen Materials passt nicht ganz ins Billing und so kommen seine Loaded-Nummern auch nicht so richtig an. Anders wird das, als er von der Gitarre an den Bass wechselt und mit Klassikern seiner ehemaligen Band ('It's So Easy' und 'So Fine') die "Gib-mir-das-Gefühl-zurück"-Sehnsucht nach Material der Megatruppe befriedigt. Aber auch das klappt nicht so ganz, da Duff weder das Charisma, noch die Stimme von seinem ehemaligen Kumpel Axl Rose hat und die Band nicht so recht harmoniert. Fans seiner alten Tage sollen sich dann eher an Velvet Revolver halten, ansonsten steht bei Century Media bald eine neue Scheibe von Loaded an.

 Dann liegt Spannung in der Luft, denn von EXTREME haben sich 2004 mehr oder weniger aktiv zurückgemeldet, dabei aber Europa außer acht gelassen. Nun scheint es mit dem Comeback aber ernst zu werden. Gerade eben ist ihr bärenstarkes neues Album erschienen - und heute dann der erste Auftritt auf dem alten Kontinent seit Ewigkeiten. Gleich mit einer neuen Nummer stellen die Amerikaner klar, dass es kein reiner Retroabend wird. Gut so, denn auch die anderen drei neuen Nummern (allen voran 'Stars') demonstrieren eindrucksvoll, dass das Quartett über die Jahre nichts verlernt hat und immer noch ein Garant für klasse Hardrock-Songs ist. Und das gilt auch für diesen Auftritt. Angesagt sind absolute Spielfreude und Lässigkeit. Vor dem Drumpodest gibt es beispielsweise noch ein zweites Plateau, das andauernd bevölkert ist; klar, dass das Publikum sofort anspringt, und Extreme-Sprechchöre gibt es wohl auch nicht jeden Tag. Im alten Line-up (neu dabei nur Drummer Kevin Figueirdeo) machen die Ostküstler klar, dass die Mischung aus Funk und Hardrock von nahezu keiner anderen Band so perfekt beherrscht wird. Im Mittelpunkt dabei Gary Cherone, der immer noch klasse bei Stimme ist und ständig in Bewegung bleibt (während der Instrumentalparts macht er sogar hinter den Boxen Liegestützen!) sowie Mastermind Nuno Bettencourt. Ohne Zweifel zählt der Frauenschwarm immer noch zu den Ausnahmegitarristen und beeindruckt mit seinem Stil und Auftreten. Die Setlist kann sich (auch wenn 'Stop The World' fehlt) sehen lassen und dass man einige der älteren Nummern etwas überarbeitet hat, kommt gut. Klar, dass die Akustiknummer 'More Than Words' (geschickt mit der neuen Nummer 'Ghost' verbunden) nicht fehlen darf und entsprechend abgefeiert wird. Wer aber die Truppe auf diese ruhige Nummer und Welthit reduziert, hat nichts verstanden. Im Gegenteil: Extreme loten die Bandbreite des Hardrocks geschickt aus und räumen damit gnadenlos ab. Dass Twisted-Sister-Basser Mark Mendoza während des gesamten Auftritts begeistert am Bühnenrand steht, sagt eigentlich alles. Letztlich ein wirklich gelungenes Comeback! Einziger Wermutstropfen ist, dass im Rahmen der Europatour nur ein Konzert in Deutschland (Köln) ansteht.

 

Setlist EXTREME

Comfortably Dumb

Decadence Dance

Rest In Peace

It ('S A Monster)

Stars

Tell Me Something I Don't Know

Play With Me

Midnight Express

More Than Words

Ghost

Cupid's Dead

Take Us Alive

Am I Ever Gonna Change

Get The Funk Out

Hole Hearted

 

Dann ist die Zeit für den Headliner gekommen und wer nach den Ansagen vom deutschen Rock-Of-Ages-Festival 2006 damit gerechnet hat, TWISTED SISTER nie wieder auf deutschen/europäischen Bühnen zu sehen, der wurde ja schon durch den Arrow-Auftritt freudig eines Besseren belehrt. Im Gegensatz zum Auftritt im Juli in den Niederlanden treten die New Yorker heute wieder maskiert auf und dürfen zudem einen Headliner-Auftritt hinlegen. Vor dem Hintergrund des gigantischen "You Can't Stop Rock'n'Roll"-Banner ist klar, dass auch heute das 25-jährige Jubiläum des Albums zelebriert werden soll. Zwar gibt es die Scheibe nicht in chronologischer Abfolge, dennoch dominieren die Tracks ebenso wie die von "Stay Hungry" die Setlist. Schon im ersten Drittel des Sets gibt es das Highlight 'We're Not Gonna Take It' und wahrscheinlich gibt es keine bessere Livenummer als diese. Ansonsten kann man darüber streiten, ob man statt 'The Beast' oder 'Captain Howdy' nicht lieber zwei andere Nummern hätte bringen sollen. Egal, denn die Truppe ist bei ihrem erst vierten Auftritt in Italien in großer Spiellaune und macht keineswegs den Eindruck einer alten Herrenrunde. Als große Überraschung verspricht man sogar bald wieder in Italien aufzutauchen. Und wenn schon Italien, darf man auch gerne in unseren Gefilden vorspielen. Auch wenn es erwartungsgemäß kein neues Material gibt und die Ansagen von Jay Jay French in den letzten Jahren immer die gleichen sind, macht ein Auftritt des Quintetts einfach süchtig. Fakt ist, dass Dee Snider wie gewohnt der perfekte Entertainer und seine Truppe die beste Liveband auf diesem Planeten sind und bleiben. Eine bessere 90-minütige Party kann man sich kaum vorstellen!

 Kritikpunkte? Ja, zwei! Einerseits waren Gotthard auf dem Konzertposter und Festival-Shirt angekündigt, kamen aber letztlich nicht, ohne dass die Gründe kommuniziert wurden. Auf ihrer Homepage ist lediglich von technischen Problemen die Rede. Andererseits wird den ganzen Tag am Licht in der Halle gespart und so bleibt es in den Umbaupausen recht dunkel. Aber auch wenn die Bands auf der Bühne stehen, ist die Lightshow eher spartanisch. Ansonsten sind die 50 Euro Eintritt den Tag wert und rechtfertigen sich dadurch, dass die beiden Headliner eigens für diese Shows aus den Staaten exklusiv eingeflogen wurden. Bleibt zu hoffen, dass man 2009 ein ähnlich geiles Billing auf die Reihe bekommt.

 

Pics: Amaya Mendizabal

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