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JOURNEY, SIEGES EVEN

Karlsruhe, Schwarzwaldhalle

Eigentlich unglaublich: Da machen sich JOURNEY über Jahrzehnte in Europa mega rar und nun statten sie dem alten Kontinent in drei Jahren drei Besuche mit drei verschiedenen Sängern ab. Dabei gastieren die Veteranen wie schon im Vorjahr ein zweites Mal in Karlsruhe, diesmal allerdings nicht in der Europahalle, sondern in der Schwarzwaldhalle und das ist auch das einzige Problem des Abends, denn der Sound in der altehrwürdigen - aber leider nicht allzu prächtig gefüllten Halle - ist recht bescheiden.

Apropos Zuschauerzuspruch, der dürfte dieses Jahr leider etwas unter dem Besuch im letzten März liegen. Um das Fazit vorwegzunehmen: Die heutige Show toppt die letztjährige! Keinen geringen Anteil daran hat der mit Spannung erwartete neue Sänger Arnel Pindea. Sicherlich hat der kleine Kerl mit der großen, hohen Stimme keine leichte Aufgabe, seine erfahrenen und bekannteren Vorgänger zu ersetzen. Aufgrund seines jungen Alters dürfte er auch auf seine älteren Mitmusiker positiv ausstrahlen (Neal Schon oder Ross Valory könnten immerhin seine Väter sein). Also, Kompliment, der Mann macht seine Sache ausgezeichnet und wird auch gleich vom Publikum akzeptiert. Unabhängig davon ist und bleibt aber Drummer Deen Castronovo die beste Stimme der Band, was er bei einigen Nummern eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Klar, dass bei den Kaliforniern die Hitdichte brutal ist, und geschickt wechseln sie härtere Nummern mit ihren Mega-Power-Balladen und die sind es vor allem, die die Truppe so einzigartig macht. Hinzu kommt, dass die Band eine große Spielfreude an den Tag legt, viel improvisiert und für einige Überraschungen gut ist. Besonders sympathisch dabei Ross deutschsprachige Ansage zur Hymne auf seine Heimatstadt ('Lights') sowie der A-capella-Ausklang der Schlussnummer ('Faithfully'). Sicherlich werden einige Anwesende an der Setlist was zum Rumnörgeln finden, wer aber auf einen solch umfangreichen Pool an Hits wie JOURNEYs zurückgreifen kann, kann es niemandem Recht machen.

Zumindest nicht überraschend liegt der Schwerpunkt auf Nummern aus dem Jahre 1981 ("Escape"). So ist der Abend mit seinen über 90 Minuten eine Zeitreise durch die Geschichte des hochklassigen melodischen Hardrocks, und dass die Zeit für die Band noch nicht abgelaufen ist, demonstriert man am heutigen Abend mit gleich zwei Songs vom brandneuen Album "Revelations", das zum Zeitpunkt der Show in Deutschland noch nicht veröffentlicht ist. Ein wirklich ergreifendes Konzert, das nur unter dem dürftigen Sound zu leiden hat. Jetzt fehlt nur noch, dass JOURNEY nächstes Jahr wieder in Deutschland auftauchen. Dann aber bitte nicht wieder in Karlsruhe!

Noch ein Paar Worte zum Start des Abends. Auch wenn dieser eindeutig dem Headliner gehört, verdient der Opener einen Sonderrespekt. Überraschend sind dies nämlich SIEGES EVEN, die auf den Tourplakaten nicht erwähnt werden und für den allergrößten Teil des Ü-45-Publikums absolute Unbekannte sind. Eigentlich eine schlechte Ausgangssituation, zumal man in Sachen Licht, Sound und Spielzeit alles andere als optimale Bedingungen herrschen, da ja heute der Retrofaktor im Vordergrund steht.

Trotzdem schaffen es die Münchner sich positiv durchzusetzen und vor allem ihr aktuelles Meisterwerk "Paramount" mal einem breiteren Publikum vorzustellen. Dies gelingt ihnen nicht zuletzt wegen der ungebrochenen Spielfreude der Holzwarth-Brüder und ihrem sympathischen Frontman Arno Menses. Wer die Genialität der Truppe allerdings erkannt hat, fragt sich, wieso die Ausnahmeband einfach nicht den Durchbruch schaffen will. Das aber ist eine andere Geschichte, da man Minuten später schon von der Magie des Headliners gefangen ist.

Setlist Journey:

Intro

Never Walk Alone

Seperate Ways

Only The Young

Stone In Love

Ask The Loneley

Who's Crying Now

Change For The Better

Wheel In The Sky

Keep On Runin'

Wildest Dreams

Lights

Edge Of The Blade

After All These Years

Open Arms

Mother Father

Instrumental Jam

Where Did I Lose Your Love

Be Good To Yourself

Anyway You Want It

+++

Don't Stop Beliving

Faithfully

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