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SABBAT, DESASTER, ONSLAUGHT, AT WAR, RUNAMOK

Thrash Assault II Festival

Das ging schnell! Schon im zweiten Anlauf kann man das THRASH ASSAULT als etabliertes Festival bezeichnen. Nachdem es im Vorjahr im kleineren Rahmen im B-Hof (ebenfalls in Würzburg) zur Erstlauflage kam, ist diesmal die wesentlich größere Halle im Soundpark mit einem multi-kulturellen Publikum aus Europa, Japan und den Staaten rappelvoll. Kein Wunder, denn die Veranstalter haben wieder ein interessantes Line-up und eine Metal-Börse am Start und können sich beim ersten Frühlingstag des Jahres auf eine Horde von Veteranen verlassen.

Und gleich der Opener NOCTURAL sorgt für die erste Überraschung. Absolut professionell gibt es eine Mischung aus den frühen Kreator und Metallica im Old-School-Stil, die klasse ankommt. Respekt! Schade, dass die Truppe bisher weitgehend ignoriert wurde, wer aber heute dabei war (und die Halle war gleich schon gut gefüllt), wird die Gruppe bestimmt nicht mehr aus den Augen verlieren. (wk)

Nun liegt es an den deutschen RUNAMOK, den Stimmungspegel hochzuhalten. Doch schon nach wenigen Minuten ist klar, dass die Band auf verlorenem Posten steht. Bei den anwesenden Old-School-Fans, von denen viele sogar ihre Spandexhöschen aus dem Keller geholt haben, kommen die biederen, mit einem leicht modernen Touch versehenen Songs nicht so recht an. Auch optisch fällt die Band aus dem Rahmen und so vertreiben sich viele die Wartezeit auf den nächsten Act mit Powershopping an den zahlreichen Verkaufsständen.

Erst als die bereits im Vorfeld hoch gehandelten GAMMA BOMB die Bühne entern, kommt wieder so richtig Leben in die Bude. Der stark an Nuclear Assault erinnernde Retro-Thrash wird mit glasklarem Sound, viel Energie und jede Menge Spaß in den Backen Stück für Stück ins Auditorium geballert und das kuttenbewehrte Volk in den ersten Reihen geht ab wie Schmidts Katze. Angespornt von den großartigen Reaktionen laufen die fünf Jungspunde zur Hochform auf und setzen mit 'Scientists' und dem genialen 'Helltrucker' die ersten Höhepunkte des noch jungen Abends.

Tja ... und dann kommen DESASTER. Als die Koblenzer, die sich von Scheibe zu Scheibe zur Weltspitze des Black Thrash hochgearbeitet haben, loslegen, steht die Halle plötzlich Kopf. In den ersten Reihen herrschen Zustände wie in einem Piranha-Becken, in das man einige Brocken noch zuckenden, blutigen Fleisches hält. Uarrgh! 'Satans Soldiers Syndicate', 'Teutonic Steel', 'Metallized Blood', 'Hellbangers', eine Hymne reiht sich an die andere. Die Fans in dem bis unter die Decke voll gepackten Saal brüllen sich die Seele aus dem Leib, bangen, klatschen, tanzen auf den Tischen. Ein wahrer Triumphzug für die Band, die mit "Satans Soldiers Syndicate" nicht nur eine der besten Scheiben des vergangenen Jahres abgeliefert hat, sondern auch auf der Bühne unterstreicht, dass sie zu den besten ihres Faches gehört. Definitiv einer der besten Shows, die ich seit langem gesehen habe. In dieser Form werden DESASTER die Welt erobern. (bc)

Den besonderen Reiz eines solchen Festivals macht oftmals die verspätete Europapremiere eines Thrashurgesteins aus. In diesem Fall geben AT WAR erstmals ihre Visitenkarte auf deutschem Boden ab, und wie immer herrscht im Vorfeld knisternde Spannung, ob die Veteranen noch ihren alten Spirit freisetzen können. Um es vorweg zu nehmen, das Trio aus Virginia Beach kann es noch! Absolut professionell bietet die Truppe in Originalbesetzung einen erstklassigen Gig und beweist einmal mehr, das Thrash auch ohne zweiten Gitarristen funktionieren kann. Bei der Setlist greift man auf die beiden Achtziger-Alben zurück und bietet mit 'R.A.F.' einen überzeugenden unveröffentlichten Song im Stil des alten Materials. Klar, dass sich einige am militärisichen Stil der Truppe stören, aber wir reden hier von Thrash Metal und da singt man halt nicht über Sonnenblumen und die heile Welt. So war die möglicherweise misszuverstehende Nummer 'Ilsa (She Wolf Of The S.S.)' auch gar nicht geplant, sondern wird auf Wunsch zahlreicher Fans spontan ins Programm genommen. Letztlich passen Image und Musik klasse zusammen und beweisen, dass Paul Arnold und seine Truppe das perfekte Bindeglied zwischen Motörhead und Thrash Metal sind. Kein Wunder also, dass 'Ace Of Spades' souverän gecovert wird. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe noch mal ins Studio geht und sich auf dem einen oder anderen Festival bei uns wieder blicken lässt. Diesen Krieg haben die Amerikaner gewonnen! (wk)

Setlist AT WAR:
Rapechase
Ordered To Kill
Church And State
Mortally Wound
Dawn Of Death
Creed Of The Sniper
Ilsa (She Wolf Of The S.S.)
R.A.F.
The Hammer
Ace Of Spades
Eat Lead

Warum PROTECTORS in der Running Order nach den US-Thrashern kommen, ist rätselhaft. Einerseits, weil die Truppe nur wenig mit der Ursprungsformation (Protector) zu tun hat und andererseits, weil die Wolfsburger selbst in den Achtzigern nur zur zweiten Liga der deutschen Thrashelite zählten. Die Erwartungen sind dementsprechend nicht allzu hoch. Dennoch überrascht Originalsänger Martin Missy mit seiner schwedischen Begleittruppe angenehm und lädt zu einer Zeitreise in eine Epoche, in der der VFL Wolfsburg noch in der Amateurliga spielte und mit 'Golem' sogar einen kleinen Hit am Start hatte. (wk)

ONSLAUGHT sind seit der Veröffentlichung ihrer überzeugenden Comebackscheibe, dem Auftritt beim letzten KIT und der kleinen Tour letztes Jahr, wieder groß im Gespräch. Heute aber gibt es eine spezielle Old-School-Show, die den frühen Werken der Briten Tribut zollt. Und wie! Nach allen Regeln der Kunst werden Frontman Sy Keeler und seine Truppe (Gitarrist Alan Jordan ist nicht mehr dabei und durch Andy Rosser-Davies ersetzt) abgefeiert und wenn das Festival, ähnlich wie beim KIT, ein Tagesmotto gebraucht hätte, dann hätte es heute die Hymne 'Metal Forces' sein müssen. Wer die Truppe verpasst hat, darf sich auf ihren Auftritt beim Bang Your Head freuen. Eine ganz souveräne Leistung und für viele war die Band aus Bristol der eigentliche Headliner des Festivals. (wk)

Diese Position kommt aber SABBAT zu, die ebenfalls beim letztjährigen KIT ein überzeugendes Lebenszeichen geben konnten. Wieder in der "Dreamweaver"-Besetzung unterwegs, spielen die Mannen um Martin Walkyier und Andy Sneap ihre ganze Routine aus. Zwar kommt die Stimmung nicht ganz an die von Onslaught heran, aber es tut einfach gut, mal wieder Nummern wie 'Behind The Croocked Cross' um die Ohren geballert zu bekommen. Gut, dass Martin seinen angekündigten Rückzug aus dem Musikgeschäft nicht wahr gemacht hat, denn mit seinem sympathischen Auftreten und den deutschen Ansagen hat er bei allen einen Stein im Brett. Mal sehen, wie es mit den Briten weiter geht ... (wk)

Fazit: Ein wirklich gelungenes Festival, bei dem einfach alles gestimmt hat. Angefangen beim Sound (besser als beim KIT) über die Location (mit einer Empore und großem Hof), die im Herbst auch das KIT beherbergen wird, der Bandauswahl bis hin zum Publikumsandrang (auch wenn der Veranstalter nicht ausverkauft gemeldet hat, voller hätte es nicht sein dürfen). So hat sich das "Zweitfestival" von Oliver Weinsheimer unerwartet rasch von seinem großen Bruder KIT emanzipiert und wird auch künftig bestimmt mit einigen Überraschungen aufwarten. In diesem Sinne: Thrash on!

Pics: Amaya Mendizabal

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

ONSLAUGHT + ARTILLERY + EXARSIS + CHRONOSPHERE23.09.2017OberhausenHelvete Tickets
ONSLAUGHT + ARTILLERY + EXARSIS + CHRONOSPHERE26.09.2017FlensburgRoxyTickets
ONSLAUGHT + ARTILLERY + EXARSIS + CHRONOSPHERE27.09.2017MünchenGarage Deluxe Tickets
ONSLAUGHT + ARTILLERY + EXARSIS + CHRONOSPHERE02.10.2017Tannheim-EgelseeSchwarzer AdlerTickets
ONSLAUGHT + ARTILLERY + EXARSIS + CHRONOSPHERE03.10.2017AT-WienEscape Metal CornerTickets
ONSLAUGHT + ARTILLERY + EXARSIS + CHRONOSPHERE05.10.2017CH-AarburgMusigburgTickets

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