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MANNHAI, DISILLUSION, FEAR MY THOUGHTS, LAY DOWN ROTTEN, GORILLA MONSOON

RAGNAROCK FESTIVAL, Gemünden

Vom 19. bis 21. Juli 2007 fand das bereits sechste RAGNAROCK OPEN AIR bei Gemünden nahe Marburg statt. Bei dieser Veranstaltung liegt auf der Hand, dass der äußerst sympathischen RagnaCrew jegliche kommerziellen Intentionen fern liegen und hier eindeutig von Metalheads für Metalheads und zum Wohle der lokalen Szene gefeiert wird.

Faire Preise, eine freundliche Atmosphäre und natürlich ein für abwechslungsreiche Beschallung ausgelegtes Billing sorgten für ausgelassene Laune, und am Donnerstag meinte es Petrus mit lediglich etwas Nieselregen auch noch gut mit uns.

 

Donnerstag

Gemütlich Zelt aufbauen und im nächsten Ort liquide Verpflegung ergattern war vorerst die Devise, dann konnte es eigentlich auch schon in Richtung Bühne gehen: die Punk'n'Roller THE EARWIX aus Hessen überraschten mit erstaunlich professioneller Performance, Songs wie 'Cock Jocker' oder 'Some Say Electric' ließen glauben, es handle sich hier um eine Band von skandinavischem Schlage GLUECIFERs oder THE HELLACOPTERS. Das volle Klischee von Sex, Drugs & Rock'n'Roll eben. Vor allem Frontnase Benni und Gitarrist Lazy verbreiteten das nötige 80er-Glam-Feeling, das aus einem Konzert eine Show macht und von deren Machart sich so einige Newcomer mal eine Scheibe abschneiden sollten. Von den Earwix werden wir hoffentlich und wahrscheinlich noch viel zu hören und zu sehen bekommen. Und: Warum verdammt stehen diese vier Energiebündel nicht unter Vertrag?!

Kurz darauf entern die Death'n'Roller JIGSORE aus Marburg die Bühne, deren groovebetonter Gitarrenstil bei Songs wie 'Wanton' oder 'Opaque Ash' à la SIX FEET UNDER bocken und hervorragend mit des Sängers tiefen Growls harmoniert. Super Mucke, von der stimmungsmäßig die Black-/Death-Metaller HIEMS gut profitierten. Die rohe und oft unmelodiöse, primitive Spielart findet gerade zu später Stunde genügend Anhang, und spätestens nach vollendeter Show hatte wohl jedermann sein Tagespensum an Beanspruchung der Nackenmuskulatur erreicht.

 

Freitag

Der Freitag wartete unerfreulicherweise mit regelrechtem Aprilwetter auf. War es vormittags noch sonnig bis heiß, wütete gegen Nachmittag ein sintflutartiger Regenguss mit heftigen Sturmböen über das Land, bei dem leider das ein oder andere Zelt dran glauben musste. Doch so schnell, wie die Wolken gekommen waren, verschwanden sie dann auch wieder und man konnte getrost der gelassenen Mischung aus Rock'n'Roll und Desert von STILL NO ORDER und BASTARDO bei zurückgekehrtem Sonnenschein lauschen und die Haare trocken schütteln.

Um kurz nach acht mischten endlich die Chaos-Finnen MANNHAI den Laden auf und stellten ihren vierten Longplayer sowie Pasi, den Neuen am Mikro vor. Hier reichte die Palette vom etwas psychedelischen 'Spaceball' bis hin zu heavy Stoner-Nummern mit Glam-Anleihen wie 'Fuzzmaster' oder dem ruhigeren, schön-depressiven 'Hall of the Dead'. Mit ordentlichen Gitarrensoli und edler Performance die Helden des Abends!

Nun aber schnell am Bierstand nachgetankt und ab zu den Wunderkindern des melodischen Metalcores, FEAR MY THOUGHTS: Bei 'Sweetest Hell' oder 'Blankness' kann man sich von den Thrash-Qualitäten der fünf Freiburger überzeugen, in Kombination mit kreischenden und cleanen Vocals sowie Death-Growls nebst tonnenschweren Riffs, deren groovende Mélange stets den Nagel auf den Kopf trifft. Eindeutig auch für Metalcore-Verweigerer.

 

Samstag

Den im stiefmütterlichen Ruf stehenden Einstieg bestritten Samstagnachmittag die Death-Lokalmatadoren CONCIOUS INSANITY, die wirklich eine Show der Sonderklasse abgaben. Schier unersättlich ließ man begeistert die Köpfe fliegen. Seitens der Soundtechniker gab es zwar kein grünes Licht für eine Zugabe; diese mussten dann jedoch trotz Zeitverzugs einsehen, dass ein letzter Song den fleißigen Bangern nicht abzuschlagen sei und drehten der Band kulanterweise nicht den Saft ab. Daumen hoch!

PESTILENT und DAWN OF FATE hatten leider das Pech, während starken Regens zu spielen - was darin mündete, dass sich nur eine kleine Traube Menschen die Bands aus etwa 50 Metern Entfernung unter dem schützenden Bierzelt anschaute. Zum Glück hielt der Regen nicht länger an und es hieß Schlaghosen angezogen, Gitarren tiefer gestimmt, und ab zu den Gewinnern des Wacken Metal Battle 2005, GORILLA MONSOON. Mit 'Death Revolution' zeigen die vier Dresdner, wo der Doom-Hammer hängt und führen die Hörerschaft mit 'Born to lose' auf die Spuren von Kyuss und Down. Richtig heavy wird's bei 'Codeine Commander' und 'Night Of The Wolverine' - und auch wenn der rotzfrech pöbelnde Frontmann Jack richtigerweise feststellt, dass Black-Sabbath-Cover verboten gehören, versprühen die vier Jungs eben jenen Old-school-Vibe und treten der verdatterten Menge deftig in den Hintern. Die selbstbewusste Mannschaft bringt mit ihren fetten Riffs, Posing der Extraklasse und treibenden Drums das noch fröstelnde Publikum auf jeden Fall richtig zum Kochen.

Ein wahres Death-Metal-Feuerwerk entfesseln danach die Lokalmatadoren LAY DOWN ROTTEN. Die Haare fliegen in bester Propeller-Manier, das Songmaterial wird knüppelhart und technisch versiert vorgetragen und der Sound ist nahezu gewalttätig. Kurzum: die Herborner strahlen auf der Bühne pure Dominanz aus. Der Abgang von Gitarrist Daniel "Mini" Benner wurde durch Nils Förster mindestens gleichwertig kompensiert, zumindest auf der Bühne wird das sichtbar. Bass-Dynamo Uwe Kilian ist zwar mal wieder voll wie tausend Russen, legt aber einen souveränen Bombenteppich aus und bangt sich zudem noch die Seele aus dem Leib. Auch der Rest der Combo hat an Format und Klasse zugelegt, was der Titelsong des demnächst via Metal Blade erscheinenden neuen Albums eindrucksvoll unterlegt. 'Reconquering The Pit' ist einer der besten Death-Metal-Songs der letzten Jahre, basta! Für zusätzliche Unterhaltung sorgt der Gastauftritt von SARX-Sänger Sascha Hoek, der den Smash-Hit 'Pulling The Trigger' kraftvoll und eindringlich interpretiert. LAY DOWN ROTTEN sind auf einem sehr guten Weg und werden heute Abend zu recht abgefeiert.

DISILLUSION haben es danach ungleich schwerer, mit ihrer nicht gerade leicht zu kategorisierenden Mucke das Publikum bei Laune zu halten. Doch den technischen Fähigkeiten und dem völlig unkonventionellen Songwriting der Leipziger kann man sich einfach nicht entziehen. Zudem ist die Band mittlerweile ein richtiger Hingucker, was nicht nur an der neuen Bassistin Alla liegt. Gitarrist Rajk überzeugt mit vielen abgefahrenen Ideen und versprüht ebenso wie Frontmann Andy jede Menge Charisma. Und hinterm Drum-Kit begeistert Aushilsdrummer Clemens (in der Hauptsache bei den Black Metallern HIDDEN IN THE FOG tätig) mit akzentuiertem Drumming und atemberaubenden Figuren. Disillusion sind bekannt dafür, dass sie ihre Songs live stets ein wenig anders präsentieren als auf Platte, wobei die Abweichungen heute nicht sonderlich auffallen. Trotzdem ist es immer wieder aufregend zu hören, was die Jungs und das Mädel mittlerweile aus einem älteren Song wie 'The Porter' rausholen. Demgegenüber stehen epische, nahezu atemberaubende Meisterwerke wie 'Back To Times Of Splendor', wo selbst auf einem Festival Zeit und Raum um einen herum verschwimmen. Erst der abschließende, Samael-artige Stakkato-Smasher 'Don't Go Any Further' holt mich wieder von meiner Wolke herunter. Großes Kino, das allenfalls vom viel zu lauten Sound getrübt wird. Lieber Mischer: Metal soll Spaß und nicht taub machen! Wann kapiert das endlich mal einer?!

 

Pics: Marianne Frenschkowski

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