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CHUCK BERRY

Berlin-Spandau, Zitadelle

Unter allen lebenden Legenden ist Chuck Berry vielleicht die wichtigste. Ohne ihn hätte es Rock'n'Roll in seiner jetzigen Form nie gegeben: Ohne Chuck Berry kein R&B, keine Rolling Stones, kein Motörhead, kein Punkrock, kein Heavy Metal.

Er erfand, dass man nicht schön aber dafür umso lauter (und cooler) spielen muss; dass man nicht perfekt singen muss, sondern auch kreischen kann; dass Rock'n'Roll und Skandale hervorragend zusammen passen - und letztlich erfand er natürlich auch den legendären Duckwalk.

Kurz: Wenn man es einrichten kann, sollte man die Gelegenheit nutzen und den mittlerweile 80-jährigen Rocker live ansehen. Zunächst gibt es aber eine ganze Reihe Vorbands, die ihre Sache zwar allesamt gut machen, die aber nicht weiter in Erinnerung bleiben. Was in Erinnerung bleibt, sind allerdings die mitunter nervigen Ansagen des Schauspielers Rolf Zacher, der die Open-Air-Veranstaltung in der Spandauer Zitadelle organisiert hat.

Noch vor 9 Uhr betritt dann der Meister die Bühne. Und er macht aus seiner Europatour mit 12 Shows in 13 Tagen offensichtlich gleich einen kleinen Familienausflug: Den Background-Gesang besorgt seine Tochter, sein Sohn spielt die Rhythmus-Gitarre. Am Klavier hat er einen ausgezeichneten, erst 22-jährigen norwegischen Pianisten, den er offenbar beim ersten Konzert der Tour in Oslo aufgegabelt hat. Und auch wenn die Truppe ein wenig zusammengewürfelt wirkt: Die Band macht einen hervorragend eingespielten Eindruck.

Vom ersten Ton an reiht sich Hit an Hit: 'School Day', 'Roll Over Beethoven', 'Carol', 'Memphis/Tennessee' und - natürlich - 'Johnny B. Goode'. Da tanzen dann in Ehren ergraute Rentnerehepaare neben mächtig tätowierten Rockabilly-Jüngern und Mädels mit Betty-Page-Frisur oder Uma-Thurman-Pony (immerhin tanzte sie als Mia Wallace mit John Travolta in "Pulp Fiction" ja zu 'You Never Can Tell'!).

Nach etwas mehr als einer Stunde ist dann allerdings leider schon Schluss. Aber was soll's. Der Gute ist ja auch schon etwas älter; und so viele 80-Jährige, die einen 70-Minuten-Gig hinlegen, gibt es ja nun auch nicht. Alles in allem: Rundum gelungen!

www.chuckberry.com