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THE CULT, THE WHO

Fulda-Sickels, Messegelände

Der Blick aufs Tourshirt sieht schon seltsam aus: Mexico-City, Barcelona, Stockholm, London, München, Los Angeles ... Fulda-Sickels. Keine Ahnung, wer für die Tourplanung verantwortlich ist. Aber egal. Gut, dass THE WHO immer noch touren und auch am Rand der Rhön freut man sich über das Gastspiel der Veteranen.

Beim Gelände handelt es sich um ein Messeareal, das glücklicherweise asphaltiert ist, denn bevor die Vorgruppe loslegt, wütet erst mal ein Unwetter mit Hagelschlag.

Komisch, dass THE CULT (im Gegensatz zur BILD und RTL) nicht auf dem Tourplakat erwähnt sind. So rätseln einige im Publikum zunächst, wer denn da auf der Bühne steht. War das Quintett einer der besten Rockacts der Achtziger und Anfang der Neunziger, hat die Truppe heute erstmal Anlaufschwierigkeiten und kommt nicht so richtig in die Gänge. Frontman Ian Astbury verpasst bspw. bei der ersten Nummer seinen Einsatz und ist auch sonst nicht so ganz bei der Sache. Generell ist wenig Action auf der Bühne angesagt und es scheint, als hätten die Briten ihren Spirit etwas verloren. Das ändert sich erst im letzten Drittel des Sets, als Klassiker wie 'She Sells Sanctuary' zu Ehren kommen. Ansonsten scheint die Truppe in letzter Zeit viel Rammstein gehört zu haben. Nicht nur, dass Ian immer wieder in den Ansagen "Du hasst mich" einstreut, zur Überraschung, wird die Nummer sogar später kurz angespielt. Absolut unpassend der zweite Gitarrist (keine Ahnung, wer das ist, denn die Homepage der Band ist alles andere als professionell und informativ), der in seinem adretten Oldtimer-Rallye-Outfit so gar nicht zum Rest der Band passt und sich fast ständig im hinteren Teil der Bühne versteckt - und auch Hauptgitarrist Billy Duffy war früher ein größerer Aktivposten.

Fazit: Zwar tut es gut, The Cult nach Jahren der Auszeit wieder mal auf der Bühne erleben zu können, was man aber heute bietet, hinterlässt einen unguten Beigeschmack und lässt am angestrebten Comeback etwas zweifeln. Es sieht fast so aus, als hätten Bands wie die Backyard Babies den Briten mittlerweile den Rang abgelaufen. Mal sehen, ob Ian und seine Mannen mit dem neuen Album mehr überzeugen können.

Roger Daltrey und Pete Townshend sorgen anschließend mit ihrer Begleitband (Pino Palladino (Bass), Ringo Starrs Sohn Zak Starkey (Schlagzeug), John Bundrick (Keyboards) und Simon Tonwshend (Gitarre) für eine wunderbare Zeitreise zu den Anfängen harter Musik. Zum Einstieg gibt es 'I Can't Explain' und es ist wirklich schwer zu erklären, wie die beiden Veteranen das Rockgeschäft über vier Jahrzehnte so souverän geprägt und überlebt haben. Körperlich in guter Verfassung (Ausnahme Rogers Stimme, der seine angeschlagenen Stimmbänder ständig mit Tee ölen muss), geben die beiden alten Männer ("The Seniors Are Alright!") alles. Zwar gehen heute keine Gitarren mehr zu Bruch und man springt auch nicht mehr so hoch und weit wie früher, aber Petes Gitarrenspiel ist immer noch ebenso einzigartig wie Rogers Gesang. Insbesondere, wenn Pete zum Propellerspiel ausholt, wird einem klar, dass hier Legenden auf der Bühne stehen und die Rockwelt ohne diese Innovatoren sich sicherlich anders und kümmerlicher entwickelt hätte. Kein Wunder, denn die Setlist reiht einen Klassiker an den anderen (u. a. 'Substitute', 'Pinball Wizard', 'I'm Free', 'The Seeker', 'Won't Get Fooled Again', 'Behind Blue Eyes' (bei der man mal sieht, dass das Original im Gegensatz zur schlappen Limp-Bizkit-Version rocken kann)), bietet sogar eine unveröffentlichte Nummer aus den Siebzigern, spart auch neueres Material nicht aus. Wenig überraschend, dass dabei 'My Generation' den Höhepunkt des Abends darstellt und immer noch eine Aussagekraft hat. Untermalt werden die Nummern von einer großen Projektionsfläche, die mit interessanten Einspielungen das Bühnengeschehen ergänzt. Letztlich kommen die Briten auf knappe zwei Stunden Spielzeit, und wenn man die Publikumsreaktion zum Schluss als Maßstab nimmt, war den meisten Anwesenden die 60-80 Euro Eintritt die Sache wert. Bleibt zu hoffen, dass THE WHO weiterhin aktiv bleiben und uns bald wieder beehren. Bestimmt haben dann noch mehr der Senioren im Publikum ihre Kinder oder Enkelkinder dabei.

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