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NEVERMORE

Bochum, Zeche

Nevermore wurden in letzter Zeit nicht gerade vom Glück verfolgt. Nicht genug, dass Bassist Jim Sheppard und Steve Smyth zeitweise bzw. immer noch stark erkrankt sind, auch Warrel Dane hatte zum ersten Termin der Live-DVD-Aufnahme mit einer fiesen Infektion in Verbindung mit Unterzuckerung zu kämpfen, welche den behandelnden Arzt dazu veranlasste, Warrel kurz vor der Show Auftrittsverbot zu erteilen.

Nachdem man also ziemlich genau vor einen Monat Hunderte angereister Nevermore-Die-Hard-Fans enttäuscht vor der Zeche stehen ließ und sich auf der Tour im Vorprogramm von Disturbed eher mäßig präsentieren konnte (zumindest der Livemixer beim Dortmunder Konzert hatte seine helle Freude, die Gitarre rein und wieder raus zu drehen und die Stimme zu übersteuern), war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Nevermore einen derartig grandiosen Gig hinlegen würden.

Man merkt Warrel und Co. richtig an, dass sie es genießen, endlich mal einen Rahmen gefunden zu haben, um ein paar lange nicht gespielte Schmanckerl präsentieren zu können. So überraschten die Modern-Thrasher vor ausverkauftem Haus gleich mit jeweils zwei Tracks der im Live-Programm häufig nicht bedachten Alben "Nevermore" (Ein Medley aus 'What Tomorrow Knows' und 'Garden Of Gray') und "Dreaming Neon Black" (das solide 'I Am The Dog' und das famose Titelstück). Dazwischen mischt man (relativ wenige) Songs des "This Godless Endeavor"-Überwerks, sowie immer sitzende Hits wie 'Enemies Of Reality' oder 'Inside Four Walls'. Sogar die EP "In Memory" wird mit dem obergenialen 'Matricide' bedacht. Warrel und seine Mitstreiter wirken hoch motiviert und können mit einem glasklaren Sound brillieren, bei dem endlich mal wieder deutlich wird, was für ausnahmslos gute Musiker die fünf Herren doch sind. Gerade bei Jeff Loomis wahnwitzigen Riffs und Soli wird klar, dass der Mann zu den besten Gitarristen im Metalsektor zählt. Auch Warrel ist sowohl von der Beweglichkeit als auch stimmlich in Höchstform. Jeder Ton sitzt perfekt, und das a-capella-Intro zu 'Dead Heart ...' sorgt für so manche Gänsehaut.

Doch die absolute Vollbedienung liefern Nevermore ab, indem sie jeden über 7-minütigen Track ihrer Karriere in voller Länge ausspielen. Die Darbietung der inhaltlich zusammenhängenden 'The Learning' und 'Sentient 6' ist schon eine Klasse für sich, doch dass tatsächlich das supersperrige 'The Politics Of Ecstasy' aus der Schatzkiste gehievt wird, treibt nicht nur den Verfasser dieser Zeilen in einen Freudentaumel. Nach einer kurzen Pause in Form des vom Band eingespielten 'Noumenon' geht dann noch einiges: 'Narcosynthesis' und 'Born' sorgen für heftige Mosh-Attacken im Publikum, während 'The Heart Collector' noch einmal bedächtig stimmt. Als Zugabe hauen Nevermore dann tatsächlich noch den Übertrack 'This Godless Endeavor' in die Menge, und es ist allen Anwesenden klar, dass diese Performance vorerst nicht zu toppen ist. Gut, dass dieses Ereignis in Bild und Ton festgehalten wurde. Watch out for the DVD!

Setlist

01. Final Product

02. My Acid Words

03. What Tomorrow Knows/Garden Of Gray (Medley)

04. Next In Line

05. Enemies Of Reality

06. I, Voyager

07. The Politics Of Ecstasy

08. The River Dragon Has Come

09. I Am The Dog

10. Dreaming Neon Black

11. Matricide

12. Dead Heart In A Dead World

13. Noumenon (Intro)

14. Inside Four Walls

15. The Learning

16. Sentient 6

17. Narcosynthesis

18. The Heart Collector

19. Born

20. This Godless Endeavor