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UNLEASHED, MORGANA LEFAY, HATE SQUAD, ABANDONED, DEBAUCHERY, COMMUNIC, EXCREMENTORY GRINDFUCKERS

QUEENS OF METAL FESTIVAL - Kleinwenkheim

Das QUEENS OF METAL FESTIVAL findet dieses Jahr zum allerersten Mal statt, wobei sich die Verantwortlichen eine wirklich schöne, ja fast schon idyllische Location ausgesucht haben.

Kleinwenkheim liegt in der Nähe von Bad Königshofen, am Rande der Rhön, ist ein superkleines Kaff mit Bäcker, Metzger und ein paar kleineren Pensionen/Hotels sowie einem Sportplatz mitten im Wald. Hier wird an diesem warmen, wunderschönen Juniwochenende kräftig dem Metal-Gott gehuldigt und zu supergünstigen Preisen abgeschädelt.

 

Die Veranstalter, die sich unter anderem aus Mitgliedern der Underground-Thrasher Hatred zusammensetzen, haben mit viel Enthusiasmus ein geschmackvolles, supergemütliches Festival von Fans für Fans aus dem Boden gestampft, das nächstes Jahr hoffentlich eine Fortsetzung findet. Als erstes stechen dem neutralen Beobachter die extrem niedrigen Preise ins Auge. 2 Euro für einen 0,5er Becher frisch gezapftes und vor allem kühles Bier sind ebenso klasse wie 1 Euro für einen halben Liter Wasser oder 2 Euro für Jacky-Cola oder Wodka-O. Kulinarisches gibt's in Form von frisch auf dem Grill zubereiteten Bratwürsten (2 Euro) oder Steakbrötchen (3 Euro), die durchaus munden. Zu den Eintrittspreisen: Der Preis für die Tageskarte ist mit 16 Euro mehr als human ausgelegt, und das Weekend-Ticket gibt's für 26 Euro an der Abendkasse. Gezeltet wird auf einem großen Strohacker, der beleuchtet ist und mit ausreichend Dixies versehen wurde. Aufs Duschen muss man allerdings verzichten, aber das ist ohnehin nur etwas für Katzen. Dass bei solchen Voraussetzungen beste Partystimmung aufkommt, versteht sich von alleine, und so gucke ich bei Betreten des Festivalgeländes ausnahmslos in strahlende Gesichter. Mucke-technisch hat man an beiden Tagen eine ausgewogene Mischung aus Death-, Thrash- und Power-Metal-Bands rekrutiert, wobei der nationale Underground besonders intensiv beleuchtet wird.

 

Nach DEFUSE, SUMPFBOLD, DOWNFALL A.D., EBOLA, GODDAMNED X und WEBERKNECHT, markieren die Lokalmatadoren von HATRED den ersten Höhepunkt am Freitag. Vor der ansehnlichen Bühne haben sich viele Bekannte und Freunde der Band versammelt, um dem variablen Old-School-Thrash des Quintetts zu frönen. Eine deutliche Bay-Area-Kante lädt zudem zum Bangen und Abmoshen ein und lässt die Jungs um Mitveranstalter Evil Ewald ordentlich auf der Sympathie-Karte punkten. HATE SQUAD haben es danach ungleich schwerer, und es hat den Anschein, als würde kaum ein Festivalbesucher die Band kennen, obwohl sie zu den dienstältesten des gesamten Festivals gehört. Kaum mehr als 12 Leute stehen sich vor der Bühne die Beine in den Bauch und zucken bei klasse runter geprügelten Mosh/Metal/Core-Granaten der Marke 'Self-Defence (Is No Offence)' oder 'Bastards' allerhöchstens mit dem linken Augenlid. Vielleicht hätte auch ein etwas druckvollerer Sound mehr Leute vor die Bühne gezogen. Die Band um Fronter Burkhard gibt sich wirklich alle Mühe, allerdings vergebens. Erst der abschließende Bandhit 'Not My God', der vor zwei Jahren von Heaven Shall Burn gecovert wurde, lässt endlich ein paar Besucher aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und sorgt für etwas Bewegung vor der Bühne.

Bewegung ist ein gutes Stichwort. DEW-SCENTED haben den ersten und einzigen Moshpit des Tages und knallen mal wieder von vorne bis hinten. Heute zur Abwechslung wieder mit Flo an der Gitarre und Uwe an den Drums, beweisen die Nordlichter mit Gourmet-Keulenschlägen wie 'Cities Of The Dead', 'Inwards' oder 'Bitter Conflict' einmal mehr ihre Ausnahmestellung, die sie im europäischen Thrash-Metal-Zirkus innehaben. Auch der Sound ballert vorzüglich, weil sich Leif und Co. mit Stiefel heute einen der fähigsten Live-Mischer überhaupt gegönnt haben. Allseits frohe Gemüter, könnte man meinen. Leider lässt die Besucherzahl auf dem Gelände ein wenig zu wünschen übrig. 1000 Nasen hätten es schon sein dürfen, 650 sind aber eindeutig zu wenig.

MORGANA LEFAY kümmert es nur wenig. Die Schweden-Urgesteine, die schon auf unserem Festival den Freitagabend würdig ausklingen ließen, lassen auch in Kleinwenkheim nichts anbrennen, entpuppen sich abermals als charismatische Entertainer und haben massenweise Hits im Gepäck. So wird überall auf dem Sportplatz gebangt, sich zugeprostet und Luftgitarre gespielt, was anlässlich kantiger Power-Metal-Granaten wie 'My Funeral Is Calling', 'The Boon He Gives' oder 'Save Our Souls' kein Wunder ist. Gut, dass die Jungs aus Bollnäs zurück sind. Nach dem Auftritt gibt sich der gesamte Festivaltross der Druckbetankung hin, viele Musiker mischen sich unters Volk und feiern gemeinsam mit den Fans ein rauschendes Fest, das bezeichnenderweise friedlich und harmonisch über die Bühne geht.

Für die musikalische Untermalung sorgen spät nachts noch die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS mit wüstem Geknüppel. Als ich um drei Uhr nachts irgendwann aufwache, liege ich auf einer Parkbank in Großwenkheim. Von meinem Kumpel und dem Hotelschlüssel weit und breit keine Spur, so dass ich mich bereits auf eine ungemütliche Nacht einstelle. Doch ich habe nicht mit der Freundlichkeit der Dorfbewohner gerechnet. Kurze Zeit später weckt mich ein freundlicher Herr, entpuppt sich als Wirt meines Hotels und geleitet mich sicher in meine Koje. "Sie gehören doch zu uns ins Hotel, oder? Ich pass schon auf, dass mir keiner meiner Gäste abhanden kommt." So sind sie halt, die Groß- und Kleinwenkheimer. Ein freundliches, zuvorkommendes Völkchen.

 

Der Samstag startet erneut mit einer Armada an unbekannten Bands, die allesamt hoch motiviert und energisch die Auftrittsmöglichkeit nutzen, um sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Nach SANITY, HOKUM, XENOTAPH, FALLING DOWN, DARKFALL, RESPAWN (sehr geiler Retro-Thrash!) und INFERNAL BLASPHEMY sind DEBAUCHERY die erste, etwas "größere" Band des Tages, auf die sich, gemessen an den T-Shirt-Motiven, viele Besucher freuen. Leider verkommt die Show zum Desaster. Der Sound ist kacke, der Sänger hackedicht und die Band sichtbar unmotiviert. Als der Frontmann seinen Gitarristen mit einer Plastikmotorsäge (!) "angreift" und dessen Klampfe malträtiert, eskaliert die Situation und ein scheinbar schon seit längerem schwelender Konflikt bricht ausgerechnet mitten auf dem QUEENS OF METAL aus. Der Gitarrist stürzt sich urplötzlich auf seinen Sänger, nimmt ihn in den Schwitzkasten und verpasst ihm eine. Dann schreitet er von der Bühne und lässt die verdutzen Kollegen auf der Bühne stehen. Nicht wenige Zuschauer glauben an eine gelungene Showeinlage, aber es ist bitterer Ernst. Der Sänger ruft nach der Polizei und mimt das unschuldige Opfer, das Publikum ist entweder geschockt oder lacht sich einen Ast. Debauchery selbst dürften so schnell keinen Festival-Slot mehr ergattern, unprofessioneller und unloyaler kann man sich wohl kaum verhallten. Die Lachnummer des Wochenendes!

ABANDONED dürfen dafür etwas länger auf die Bretter, verplempern die gewonnene Zeit aber mit wenig amüsanten Ansagen und diversen Coversongs, die man nur anspielt, statt komplett runterzuspielen. So baut man zwar immer wieder Stimmung auf, erstickt diese jedoch gleich wieder im Ansatz. Frontmann Kalli ist zwar ein sympathischer Bursche, der ein Publikum schnell um den Finger wickeln kann, aber heute labert er einfach zu viel. Jungs, lasst das nächste Mal doch einfach eure Musik sprechen. Denn schlecht ist der fulminante Thrash-Sound des Quartetts keineswegs. Im Gegenteil, phasenweise krachen die Bay-Area-mäßigen Riffs richtig gut ins Gebälk - und wären da nicht die etwas eindimensionalen Vocals, dann hätte es für die Vorführung sicherlich noch mehr Applaus gesetzt. COMMUNIC zaubern danach Magie in den glasklaren Abendhimmel. Es ist erstaunlich, wie es drei Musiker schaffen, einen atmosphärisch derart dichten Sound zu fabrizieren, der zudem noch unheimlich komplex arrangiert wird. Wenn man Sänger/Gitarrist Oddleif bei der Arbeit zuschaut und zuhört, muss man einfach aus Respekt Beifall klatschen. Unglaublich, wie er diese Doppelbelastung meistert und Songs wie 'Conspiracy In Mind' oder 'Under A Luminous Sky' mit Stil und Klasse intoniert.

Danach ist Death Metal angesagt! UNLEASHED walzen den letzten noch stehenden Grashalm nieder und werden ihrer Headliner-Rolle mehr als gerecht. Mit Dominanz und Erhabenheit regieren die Schweden auf der Bühne, zelebrieren förmlich ihre Hymnen und verursachen endlich mal dichtes Treiben vor der Bühne. Mit Dankbarkeit nehmen die Metaller Songs wie 'Winterland', 'Never Ending Hate', 'Unleashed' oder das fantastische 'The Immortals' auf und mobilisieren die letzten Kräfte. Ein würdiger Abschluss eines grandiosen Festivals, das viel mehr Besucher verdient hätte. Die Nacht klingt aus mit MY FIRST BAND, einer humorvollen Coverband, die bierselig alles, was laufen und kriechen kann, auf die Bühne holt, um gemeinsam alte Metal-Kamellen zu schmettern. Herrlich!

 

Wer nächstes Jahr abseits der Mainstream-Veranstaltungen ein schnuckelig kleines Festival mit moderaten Preisen, engagiertem Personal, hoch motivierten Bands und guter Organisation sucht, sollte unbedingt das QUEENS OF METAL antesten. Wenn's 2007 weitergeht, sind wir definitiv wieder am Start.

 

www.queens-of-metal.de

 

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