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POTHEAD

Bonn, Harmonie

Die zwei Mal jährlich vom WDR-Rockpalast veranstalteten Crossroads-Festivals sind eine ganz wunderbare Sache. Wo sonst hat man schließlich die Gelegenheit, gleich an mehreren Abenden hintereinander in der entspannten Atmosphäre eines kleinen Clubs neben etablierten Acts zwischen Rock, Alternative und Blues auch hochwertigste Geheimtipps aus aller Welt kennen zu lernen?

EMMERHOFF AND THE MELANCHOLY BABIES, der erste Act des Abends, sind jedoch nur halb hochwertig. So richtig toll ist nämlich nur die eine Hälfte des Sets, wo sie sich erbarmen, exzellent komponierte, höchst dynamisch gezockte und, hier liegt die Betonung, kurze Seventies-Rock-Juwelen wie 'Black Mark' oder 'Baby Sinister' in die langsam wachsende Menge zu hauen. Die hören sich ein wenig an wie Amorphis minus Folk, aber plus einer dritten Gitarre, gewinnen eine Menge durch den sehr charismatischen Gesang von Chef Gunnar Emmerhoff und sind alles in allem richtig großartig. Leider jedoch werden dazwischen immer wieder arg melancholische, überlange, ruhig plätschernde Epen eingestreut, deren amtliche Würdigung mehr bewusstseinserweiternde Substanzen erfordert als angemessen. Sänger Gunnar nennt diese Songs "something easy", eigentlich sind sie aber eher anstrengend.

Ganz im Gegensatz zu POTHEAD, denen man einiges vorwerfen kann, aber nicht, dass sie sich in Überlänge und Details verlieren würden. Selten dauert ein Song des Berliners Trios länger als drei Minuten, und selten benötigt er mehr als einen mächtigen Groove, zwei oder allerhöchstens drei aus einer Handvoll Powerchords gebaute Riffs und eine für gewöhnlich treffsichere Hookline, um in bester early Black Sabbath-Tradition die Energie mehrerer Dampfwalzen zu entfalten. Da fällt auch gar nicht mehr ins Gewicht, was auf den Alben mittlerweile stört, nämlich die Wiederholung langsam aber sicher hinreichend bekannter Muster mit nur minimalen Variationen. Ob nun neueres Material wie 'Dr. Destructo' oder die alten Hits vom Band-Klassiker "Learn To Hypnotize" wie 'Stop' oder 'You Should Talk': Jede einzelne dieser Song gewordenen Antithesen zu Bands wie Dream Theater funktioniert prächtig, Stoff wie das etwas monotone 'Stadium' blüht gar zu völlig neuem Leben auf. Technisch ist nach kurzer Einspiel-Phase alles im grünen Bereich, kleinere Timing-Schwächen und die zu Beginn noch etwas wacklige Stimme von Sänger und Gitarrist Brad sind spätestens nach dem ersten Drittel des Auftritts keine Probleme mehr. Im Gegenteil fragt man sich, warum das mächtige, soulige Organ des Frontmanns auf den letzten Alben immer so dünn klingt, wo er doch offenbar viel, viel mehr drauf hat. Die mittlerweile brechend gefüllte Harmonie interessiert sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange nicht mehr für derartige Detailfragen, insbesondere in den ersten Reihen tanzt sich der eine oder andere bereits in tiefe Trance. Leider fallen die kurzen Ruhemomente wie 'Kite' oder das abschließende 'Henry & Mabel' ein wenig zu lahm aus, um richtig überzeugen; das ist aber auch schon alles, was es an diesem feinen Gig zu meckern gibt, der wie nur wenige die Essenz eines Rock-Konzertes einzufangen vermag.

SETLIST:

01. Rock Child

02. Appreciate

03. Wild Weed

04. Chess

05. Satisfied

06. Dr. de Structo

07. I'm A Sinner Too

08. If You Wonder

09. Stop

10. Could Not Deal

11. Fire

12. You Should Talk

13. Funkenbus

14. Kite

15. Let's Complete

16. Stadium

17. Never Want It Like That

18. Saul

19. Black War

20. Paper Tiger

21. Down By Law

22. Indian Song

23. Jam

24. Henry & Mabel

Pics: Reinhard Naekel

 

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