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HELLACOPTERS

HELLACOPTERS - 1.10.2005, Köln, Live Music Hall

Nach drei Jahren Abstinenz und mit frischem Album im Gepäck zieht es die HELLACOPTERS endlich wieder in deutsche Gefilde. Schon beim Einbiegen in die Lichtstraße künden lange Schatten im Dämmerlicht davon, dass sich viele Fans diese Gelegenheit nicht durch die Lappen gehen lassen wollen.

Eine kilometerlange Schlange aus Turbojugend- Rückenaufnähern und Motorrad-Lederjacken verstopft den Zugang zum Rock'n'Roll-Himmel. Nach zwei Bier und mindestens einer halben Stunde Wartezeit ist es dann endlich soweit: Schnell noch die obligatorische Taschenkontrolle hinter sich gebracht und nix wie rein.

Drinnen kann man die Luft bereits in Scheiben schneiden. Wir kämpfen uns durch das tropische Gewächshaus bis zur Theke hindurch, nur um dort zu erfahren, dass beide Vorbands bereits den Feierabend eingeläutet haben. Direkt im Anschluss an das Konzert soll hier nämlich noch eine Disco-Sause die Kasse klingeln lassen, weswegen alles ein bisschen zügiger abläuft als vorgesehen. Doppelbelegungen für einen Abend sind ja nicht so ungewöhnlich, aber dass man deswegen die Bands mehr als eine halbe Stunde früher als geplant auf die Bretter schickt, ist schon ein amtliches Armutszeugnis für die hiesigen Organisatoren. Das hohe Abfertigungstempo sorgt rundherum für lange Gesichter. Na ja, wenigstens steht uns der Hauptact noch bevor. Die HELLACOPTERS entern um kurz nach 21.00 Uhr das Podium und rocken knapp anderthalb Stunden alles in Grund und Boden. Sie spielen ein gut durchmischtes Set aus allen Abschnitten ihrer Karriere. Die Menge tobt und grölt sich bei Hits wie 'Toys and Flavours' oder 'Everything's On TV' vom aktuellen Album die Seele aus dem Leib. Der Sound ist hervorragend, überraschend hingegen der relativ geringe Lautstärkepegel an diesem Abend. Mit ein bisschen mehr Volumen hätte man das Wumms-Gefühl sicherlich noch optimieren können. Als Zugabe gibt's einen brandneuen Song auf die Ohren. Bei 'Rock & Roll Is Dead' handelt es sich um eine flockige Midtemponummer, bei der besonders der Refrain nicht mehr aus dem Kopf geht: "Rock & Roll's dead but I don't care!" Nach zwei weiteren Krachern ist dann endgültig Schluss. Keine fünf Minuten später rückt schon die Putzkolonne vor, an der bühnennahen Theke herrscht Ausschankverbot und mehrere Security-Hünen drängeln die verschwitzten Besucher mithilfe eines rot-weiß-gestreiften Absperrbands Richtung Ausgang. Anstatt den Abend gemütlich an der Bar ausklingen lassen zu dürfen, werden wir systematisch wie eine Herde Vieh zentimeterweise nach vorne getrieben und förmlich rauskatapultiert. Draußen warten schon die zahlkräftigen Disco-Kids. Aber auch wenn die Veranstalter anscheinend beschlossen haben, dass Rock & Roll tot ist: Der Band und ihrem Publikum war das in dieser Nacht - zumindest für anderthalb Stunden - völlig schnuppe!