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BLIND GUARDIAN

Düsseldorf, Philipshalle

Bei der routiniert zur Sache gehenden Vorgruppe FREEDOM CALL herrschte bereits eine Bombenstimmung in der Philipshalle, und um kurz nach neun brachen dann alle Dämme. Schon die ersten Takte von ´Into The Storm´ reichten aus, um die 6.000 BLIND GUARDIAN-Süchtigen in totale Ekstase zu versetzen. Alle Arme waren oben, alle Matten wurden geschüttelt, und der angenehm differenzierte Sound lud förmlich dazu ein, mit den Krefeldern hartmetallisch in den Mai zu tanzen. ´Welcome To Dying´ entführte in selige "Tales..."-Zeiten, bei ´The Script For My Requiem´ sang die ganze Halle mit, und sogar die Single-B-Seiten-Ballade ´Harvest Of Sorrow´ wurde frenetisch abgefeiert.

Einer der Hauptgründe für die phänomenalen Reaktionen der Fans war die extrem gute Verfassung, in der die Band sich präsentierte. Hansis Stimme wackelte selbst bei den heftigsten Schreien nicht, alle Instrumente kamen glasklar und druckvoll rüber, und selbst bei den komplexen Songs der letzten beiden Alben standen die vielstimmigen Chöre wie eine Eins. Dazu kam noch, dass die Guardians Wort gehalten und ein neues Stage-Konzept ausgearbeitet hatten. Statt langweilige Backdrops spannte man riesige Tücher kreuz und quer über die Bühne und tauchte sie entweder in stimmungsvolle Farben oder projizierte verschiedene Artworks auf die großen Flächen. Die Wirkung dieser ebenso simplen wie genialen Idee war gigantisch und wurde nur noch von den zahlreichen Feuer- und Pyro-Effekten übertroffen, die so geschickt eingesetzt wurden, dass sie das Publikum jedes Mal wieder wie die Hobbits im "Herr der Ringe"-Film bei Gandalfs Feuerwerk in großäugiges Staunen versetzten.

Der absolute Höhepunkt war erreicht, als nach nagelneuen Tracks wie ´Under The Ice´ und ´The Soulforged´ (mit brennendem Drumriser) oder der einzigen Uralt-Nummer ´Valhalla´ die Fans im Alleingang ´The Bard‘s Song - In The Forest´ sangen. Eine meterdicke Gänsehaut legte sich über die Philipshalle, und nicht wenige hatten Tränen der Rührung in den Augen und einen dicken, fetten Kloß im Hals. Schöner hat eine Metal-Ballade live nie geklungen, weshalb die 6.000 ChorsängerInnen hinterher völlig zu Recht 15 Minuten (!) lang die Band und sich selbst so heftig abfeierten, dass an eine Fortsetzung der Show nicht zu denken war. Wetten, dass dieser denkwürdige Moment auf der DVD auftauchen wird, die ein Kamerateam während der Tour aufzeichnete?

Aber die Party war noch lange nicht zu Ende: Bei ´Journey Through The Dark´ und ´Imaginations...´ bangte man sich die Gänsehaut vom Körper, bevor im Zugabenteil mit ´A Past And Future Secret´ (von dezentem Fackellicht flankiert) die nächste Lagerfeuer-Mitsing-Hymne auf dem Programm stand. ´Time Stands Still (At The Iron Hill)´ setzte den ersten Schlusspunkt, doch die Südkurven-kompatible Stimmung ließ die Band nur kurz im Backstage-Bereich Luft holen. Unter dem Knattern und Knallen der letzten spektakulären Pyro-Effekte donnerte man ´Mirror Mirror´ in die nicht klein zu kriegende Anhängerschaft. Manch einer hätte sicherlich gerne noch ´Lord Of The Rings´, ´Somewhere Far Beyond´, ´Battlefield´ oder ´And Then There Was Silence´ gehört, aber die Guardians waren nach über zwei Stunden völlig ausgepumpt und wären beim nächsten Song wahrscheinlich vor Glück und Erschöpfung implodiert. Normalerweise sind Sätze wie "Ihr wart das beste Publikum, das wir je hatten" abgedroschener Schwachsinn, aber als Hansi Kürsch sich mit diesen Worten bei der Menge bedankte, kamen sie aus tiefstem Herzen. A night to remember...

Setlist Blind Guardian

War Of Wrath (Intro)

Into The Storm

Welcome To Dying

Nightfall

The Script For My Requiem

Harvest Of Sorrow

Under The Ice

Valhalla

The Soulforged

Traveler In Time

Mordred´s Song

Punishment Divine

The Bard´s Song - In The Forest

Journey Through The Dark

Imaginations From The Other Side

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Lost In The Twilight Hall

A Past And Future Secret

Time Stands Still (At The Iron Hill)

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Mirror Mirror

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BLIND GUARDIAN03.09.2016Gießen, Open Air KinogeländeSCHIFFENBERG ROCKTTickets
BLIND GUARDIAN + HÄMATOM + ORDEN OGAN + HELL + ICED EARTH + ENSIFERUM + KATAKLYSM + UNEARTH + SAXON09.12.2016
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