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AC/DC IN JAPAN - Auf den Spuren von Godzilla

Seit Juni 1982 hatten sich AC/DC konstant geweigert, in Japan zu touren. 19 Jahre lang! Sozusagen eine Ewigkeit. Daher war die Überraschung groß, unter den Daten der schier endlosen „Stiff Upper Lip"-Verwüstungsreise rund um den Globus auch drei japanische Auftrittstermine zu entdecken. Wir konnten dem Verlangen nicht widerstehen, ins Land der aufgehenden Sonne zu jetten, um mit eigenen Augen das Ausmaß der von der Rückkehr der verlorenen Söhne hervorgerufenen Schäden festzustellen. Also auf nach Tokio und Osaka, um den monströsen Anguszilla aus nächster Nähe zu bestaunen!

 

Vier Konzerte fanden im Februar 1981 im Rahmen der „Back In Black"-Tour statt (Osaka, Nagoya und zweimal Tokio), fünf im Juni 1982 auf der „For Those About To Rock"-Tour (zweimal Osaka, Kyoto, Nagoya und Tokio). Macht insgesamt verblüffende neun Gigs in Japan. Und das in 28 Jahren AC/DC-Geschichte. Es sah in dieser Zeit also nicht gerade rosig für die japanischen Fans der Band aus. Es sei denn, man hatte das nötige Kleingeld, um in die Staaten oder nach Australien zu reisen, zwei Länder, in denen die Gruppe mit Auftritten wahrlich nicht sparte, eine Tournee nach der anderen abriss, bis knapp an die Sättigungsmarke heran. Die reinste Überdosis.

Nur: Warum waren Malcolm & Co. so ausdauernd böse auf Japan? Als man den Rhythmusgitarristen im Dezember 2000 in Madrid zu diesem Tabuthema befragte, kam folgende Antwort:

»Als wir 1981 und 1982 nach Japan gegangen sind, hatten uns die lokalen Veranstalter versprochen, dass wir unsere komplette Show in den dortigen Hallen auffahren könnten. Sobald wir allerdings an Ort und Stelle waren, wurde uns klar, dass sich davon nichts realisieren ließ. In manchen Sälen konnten wir nicht mal die Höllenglocke unter die Decke hängen. Dennoch hatten die japanischen Fans ihre Eintrittskarten genauso wie die Amerikaner, die Australier und die Europäer bezahlt. Es war unannehmbar, dass wir ihnen nicht die gleiche Show bieten konnten. Das hat mich derart verärgert, dass ich mir geschworen hatte, dort nicht wieder aufzutreten. In den letzten 20 Jahren hat sich jedoch einiges getan. Außerdem haben uns die Japaner so inständig gebeten, dass wir schließlich nachgegeben haben. Wir haben die verantwortlichen Techniker frühzeitig vor Ort geschickt, um die Hallen zu inspizieren und uns grünes Licht zu geben. Das haben sie getan. Wir haben also keine Entschuldigung mehr.«

 

It´s only Rock´n´Roll

 

Am 18. Februar 2001 finden wir Angus, Brian und Malcolm, die morgens gelandet sind, um halb drei mittags in den Warner Music Studios von Tokio, wo unsere drei Burschen dem von den Journalisten genährten Feuer bei einer surrealistischen Pressekonferenz die Stirn bieten. Die Fernsehsender sind da, die größten Zeitschriften - mit dem Burrn!-Magazin an der Spitze - ebenfalls. Die für Japan typische Übersetzerin jongliert gekonnt zwischen den Journalisten und der Gruppe hin und her.

Da Angus jedoch mittlerweile ein Meister in der Kunst geworden ist, Fragen, die ihm gestellt worden sind, zu umgehen, indem er auf Banalitäten ausweicht oder seinen Humor spielen lässt, wird schnell deutlich, dass bei diesem Treffen nichts Grundsätzliches oder Wichtiges zur Sprache kommt. Ein paar ausgewählte Bruchstücke gefällig? Okay - here we go:

 

Warum haben Sie 19 Jahre gewartet, bevor Sie zurückgekommen sind, um uns zu sehen?

 

Angus: »Auf AC/DC passt die Fabel mit dem Hasen und dem Igel. Live sind wir zweifellos ein Hase. Aber hinter der Bühne kann´s schon mal passieren, dass wir wie die Igel herumkriechen. Aber im Ernst: Wir sind zufrieden, hier zu sein, und sehr aufgeregt bei der Vorstellung, endlich wieder in Japan zu spielen. Ich weiß, dass ihr uns seit Jahren aufgefordert habt, aber wenn ihr die Show seht, wird euch schnell klar, dass es sich gelohnt hat, eure Ungeduld im Zaum zu halten.«

 

Welchem Stil ähneln Ihre aktuellen Konzerte?

 

Angus: »AC/DC spielen Rock´n´Roll und nichts anderes. Okay, unsere Bühnendekoration ändert sich von einer Tournee zur nächsten, und wir natürlich auch, weil wir unsere Haare und Zähne verlieren. Aber die Musik bleibt dieselbe.«

 

Warum sind Sie nicht bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele von Sydney aufgetreten?

 

Angus: »Die Olympischen Spiele sind, wie jeder weiß, eine Sportveranstaltung. Und ich glaube nicht, dass ein Anfänger, der Gitarre spielt, dort etwas zu suchen hätte. Es sei denn, dass er eine neue Disziplin an den Start bringt - wie zum Beispiel Synchronrauchen (Gelächter im Saal).«

 

Wann bringen Sie endlich ein Best-of-Album heraus?

 

Angus: »Ich sehe nicht, was wir davon haben sollten, so eine Scheibe zu veröffentlichen. Jedes unserer Alben ist für uns bereits in sich eine Best-of, weil wir ja von uns aus systematisch unser Bestes geben. Wir lassen keine Scheibe auf den Markt, mit der wir nicht hundertprozentig zufrieden sind.«

 

Welchen Rat würden Sie einem jungen Gitarristen geben, und welche Alben würden Sie ihm empfehlen?

 

Angus: »Platten von Chuck Berry. Er ist ein Meister an der Lead- wie an der Rhythmusgitarre und hat zudem noch geniale Songs komponiert. Er hat die Beatles, die Stones und AC/DC inspiriert. Er steht am Anfang von allem. Ich würde auch zu Blues-Alben raten: B.B. King, Albert King oder Freddie King. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bestimmte Leute mögen die Soli, andere bevorzugen den Songaufbau der Stücke.

Was die „jungen Gitarristen" betrifft: Ganz ehrlich, der beste Trick ist der, sich seinen eigenen Stil aufzubauen, ausgehend von dem, was existiert und inspiriert. Wir haben von Anfang an nichts anderes gemacht. Ich habe Chuck Berry geliebt. Ich war zwar nicht in der Lage, so wie er zu spielen, aber ich habe zu erraten versucht, was er wohl daraus gemacht hätte, wenn er im selben Augenblick wie wir angefangen hätte.«

 

Was ist das Geheimnis Ihrer Langlebigkeit?

 

Angus: »Viagra (Gelächter im Saal)!«

Brian (mit der Stimme eines alten Mannes): »Kann mir jemand eins davon geben?«

 

Ich habe Sie vor kurzem in Australien spielen sehen. Warum hat Ihr Publikum blinkende rote Hörner getragen?

 

Angus: »Das liegt am Cover des „Highway To Hell"-Albums, auf dem ich Teufelshörner getragen habe. Scheint fast, als wäre das Publikum davon fasziniert gewesen. Das Lustige für uns war: Als wir auf die Bühne sind und die Hörner in der Menge blinken sahen, hätten wir beinahe vermutet, dass überall Notausgänge waren!«

 

 

Was Japan nach zwanzig Jahren einer weitgehend vollzogenen Scheidung beschäftigt, das sind also diese Hörnchen, die im Dunkeln blinken, eine Spielerei, die bei den drei Konzerten lastwagenweise verkauft wird. Soviel zum Wiedersehen zwischen AC/DC und den japanischen Medien. 25 kurze Minuten, und das war´s. Niemand hat weitere Fragen an die Band - zur großen Freude der Young-Connection, die ohnehin nicht danach verlangt hat. Malcolm scheint am Ende aufzuwachen, als wenn es zur Pause geklingelt hätte. Er hat kein einziges Wort gesagt. Und Brian hat man auch kaum gehört. Es bleibt gerade noch Zeit für eine schnelle Fotosession, bei der das Teufelchen mit einer von der Gruppe signierten Gibson SG posiert, die später gegen Höchstgebot über eine Website vertickt wird.

Die Sache zieht sich in die Länge. Kaum haben wir die Zeit, aus den Händen eines Presseattachés die neue japanische Single von AC/DC entgegenzunehmen — ´Stiff Upper Lip´, ergänzt um den unveröffentlichten Titel ´Cyberspace´ (Leftover-Material der Recording-Sessions des letzten Albums) und drei 1996 in Madrid live aufgenommene Titel (´Hard As A Rock´, ´Black In Black´ und ´Whole Lotta Rosie´), letztlich verzichtbar, weil sie ja bereits auf der „No Bull"-DVD stehen — da sehen wir, dass die drei Musiker die Räumlichkeiten auf Zehenspitzen verlassen.

AC/DC, die Hundertmetersprinter der Interviews, meiden Promotion wie die Maul- und Klauenseuche. Sie leben, dafür haben wir wieder einmal die Bestätigung, nur für ihre Musik. Der Rest ödet sie an oder, noch schlimmer: ist ihnen egal.

 

Glückliche Gewinner

 

Gegen 17.00 Uhr geben Brian, Angus und Malcolm Autogramme in einem Plattenladen. Anderthalb Stunden später schließen sich ihnen Phil Rudd und Cliff Williams für eine zweite Autogrammstunde bei Tower Records in Shinjiku an. Eine ähnliche Veranstaltung hatte am 23. März 2000 im Pariser Virgin Megastore auf den Champs Elysées eine Panik ausgelöst. Hier ist man weit davon entfernt, weil die disziplinierten Japaner die Spielregeln ohne Widerrede akzeptieren: In jedem der beiden Plattengeschäfte treffen sich nur hundert Glückliche mit der Gruppe. Diese Fans haben in der Woche zuvor bei verschiedenen Wettbewerben eine Einladungskarte gewonnen und sind nun zusammengepfercht von einem Sicherheitskordon, geschützt gegen den Rest der Menge, die das Ganze ruhig und ohne Animositäten beobachtet. Höflichkeit und Respekt sind hier das A und O.

Dann haben wir die Gelegenheit, die ersten „echten" Fans zu treffen, die von mehr oder weniger kontrollierter Hysterie ergriffen sind; durchweg mit Angus-ähnlichen Schuluniformen verkleidet, um sich zu dem Abbild des zwergenhaften Idols zu bekennen, das fast zwei Jahrzehnte lang böse auf sie war und das sie dennoch vorbehaltlos verehren.

24 Stunden später sind es dieselben Gesichter, die uns bereits am frühen Nachmittag in der Umgebung der Yokohama Arena, etwa 20 Kilometer vom Zentrum Tokios entfernt, über den Weg laufen. Warum so früh? Damit es gelingt, die Plätze in der ersten Reihe zu stürmen? Nein, die Eintrittskarten sind allesamt nummeriert. Es wird ohnehin jeder von einer Platzanweiserin an seinen Platz gewiesen. Nein, die mehreren hundert Fans, die sich bereits vor dem Saal anstellen, stehen dort, weil sie Fanartikel kaufen wollen.

So etwas haben wir noch nicht gesehen: Den Befehlen gehorchend, die ihnen von verständnisvollen, aber unerbittlichen Ordnungskräften per Flüstertüte zugebellt werden, rücken diese Die-hards im Gänsemarsch in einem Labyrinth von Barrieren vor, um am Ende des Parcours nach ein oder zwei Stunden Wartezeit vor die offiziellen Verkaufsstände hinter der Arena zu gelangen.

Die gezahlten Preise sind für jeden europäischen Fan mit Selbstachtung exorbitant: Das einfachste T-Shirt kostet ungefähr hundert harte deutsche Eier. Dennoch ist es nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass jeder Zuschauer mindestens mit zwei oder drei T-Shirts (obwohl das AC/DC-Organisationskomittee erstaunlicherweise nicht einmal ein Spezialmodell für die Japan-Dates hat drucken lassen), dem Tourneeprogramm und den berühmten blinkenden Hörnchen in den Saal vordringt.

Mit dem Preis der Eintrittskarte (8.500 Yen, ungefähr 180 Mark) kommen die Fans also auf einen durchschnittlichen Gesamtbetrag von 500 Mark pro Mann und Nase...

 

Zucht und Ordnung

 

Hier und da läuft man Fans über den Weg, die T-Shirts von 1982 tragen, veritable Kriegsbeute, die sorgfältig vor Staub und Motten geschützt wurde... und vor dem Vergessen.

Sieht man mal davon ab, dass die weiße Unterhose von Angus bei ´Bad Boy Boogie´ mit dem roten Punkt der aufgehenden Sonne verziert erscheint, die gigantische Angus-Statue umgedreht wurde, um die gleiche Sorte Unterwäsche über ihrem Hinterteil zu präsentieren, und Brian, zaghafter als gewohnt, seine Tarzan-Nummer am Glockenseil von ´Hells Bells´ starkt verkürzt hat (einige Tage zuvor war der Mann in Australien böse gestürzt), sind die japanischen Shows den australischen und europäischen Gigs in allen Punkten ähnlich: ein Riesenhallo des Publikums, wenn der Saal dunkel wird, inbrünstiger Chorgesang bei ´The Jack´ und ´Whole Lotta Rosie´, von den vier heiligen Buchstaben flankierte Spruchbänder und magische Blitze.

Die Setlist selbst hat seit dem Gig in Madrid am 11. Dezember 2000, bei dem ´Safe In New York City´ in letzter Minute - sehr zum Verdruss von Brian - durch ´Sin City´ ersetzt worden war, nicht die kleinste Änderung erfahren.

Malcolm: »In Madrid hat mich nach dem ersten Konzert ein Fan darauf aufmerksam gemacht, dass wir keinen Titel von „Powerage" spielen, und nachdem ich ausführlich darüber nachgedacht habe, stellte ich fest, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Wir haben überall behauptet, dass diese Platte unsere Lieblingsplatte sei, und uns dadurch in eine Sackgasse manövriert. Am zweiten Abend habe ich daher mitten im Set beschlossen, ´Safe In NYC´ rauszuschmeißen und wieder ´Sin City´ zu spielen. Brian ist ausgeflippt, weil das absolut nicht vorgesehen war und er sich nicht darauf vorbereiten konnte. Mangels Auffrischungskurs hat er daher die Hälfte der Wörter verschluckt, aber das Publikum hat ihm hilfreich unter die Arme gegriffen.«

Eine kleine sympathische Gefälligkeit, dass Malcolm solche Fan-Wünsche berücksichtigt. Aber man kann es halt nicht allen recht machen: Seither melden sich von der anderen Seite böse Zungen und tadeln die Band, weil sie nur einen Titel des neuen Albums spielt. Zugegeben: Diesbezüglich ist das Programm ein bisschen mager. ´Meltdown´, ´Satellite Blues´ und ´Safe In NYC´ sind in der Versenkung verschwunden...

Das hieße jedoch, den Feinschmecker zu spielen, denn AC/DC lassen es auf der Bühne nicht bei weniger Großartigem bewenden. Zum Beispiel Drummer Phil Rudd, der in Australien Opfer einer Niereninfektion geworden ist und, kaum wiederhergestellt, darauf besteht, wie ein brünstiger Tyrannosaurus Rex auf seine Klotzkiste einzuschlagen: „Bum!" - „Bam!" - „Bum! " - Godzilla erschüttert die Yokohama Arena mit jedem seiner Schritte bis in ihre Fundamente.

Gesteigert wird dies am nächsten Abend während ´The Jack´ - laut Brians Angaben „a song about a dirty woman, one bad bitch": Als die Kameraleute, sittenlos und verspielt, ein Mädchen aufs Korn nehmen, das sich gerade die Brüste streichelt, und sie den 12.000 Fans auf der gigantischen Leinwand zum Fraß anbieten, hört man deutlich, wie sich ein „Ohhh!" der Entrüstung erhebt. Hier sind wir in Japan, nicht in Kalifornien, und diese Art von Sport praktiziert man nicht. Mein Kumpel Denis flüstert mir zu: „Diese Göre hat gerade einen Kulturschock provoziert." Und als ich den Kopf meines Nachbarn sehe, der rot ist wie eine Pfingstrose und mächtig bestürzt dreinschaut, scheinbar unentschlossen, ob er nun lachen oder weinen soll, muss ich zugeben, dass der Kerl nicht übertreibt.

Später, am Ende von ´Highway To Hell´, als Brian wie jeden Abend über seinem Rhythmusgitarristen kauert und dabei die Worte „to Bon" ausspricht, wobei er das Publikum mit der Hand über dem Herzen ansieht, stellen wir fest, dass es auf den Tag genau 21 Jahre her ist, dass Bon Scott in London gestorben ist. Es war der 19. Februar 1980. 21 Jahre! Und doch kommt es uns vor, als ob es erst gestern gewesen wäre.

Ich erinnere mich noch an die zitternde Stimme von Francis Zégut, als er den Tod des Sängers auf WRTL verkündete. An die Gänsehaut. Die Tränen der Wut. Die Weigerung, diese Meldung zu glauben. Bis die Wahrheit nicht mehr zu verdrängen war. 21 Jahre ist das also schon her...

Nun erst erkennen wir die Tragweite dieses japanischen Konzerts, dem wir soeben beigewohnt haben, vollständig: Ja, man hat kein Recht auf ´Riff Raff´ oder ´Gone Shootin´´ gehabt, noch weniger auf ´Have A Drink On Me´, stattdessen nörgelt man, übersättigt von unvergleichlichen Hits, erschöpft und glückselig. Man nörgelt, weil man sich gewünscht hätte, dass die Gruppe ihre Rückkehr nach Japan mit einem Gimmick feiert. Und dann auf einmal dieses „to Bon", dieser Flashback, der uns mitnimmt ins Gestern, als wir noch Haare auf dem Kopf hatten.

Wir beenden unseren innerlichen Protest und steigen wieder in die Party ein, wobei wir uns vergewissern, dass wir an einem Wunder teilhaben: Bon Scott ist vor 21 Jahren gestorben. Und AC/DC sind immer noch da, stehen kurz davor, die Stadien Europas zu erobern. Die Titel, die sie spielen, ob klassische oder unveröffentlichte, sind unwichtig. Das Wesentliche ist, dass sie am Leben sind. Das allein ist schon außergewöhnlich.

 

Sayonara

 

Zwei Tage nach ihren beiden Konzerten in Yokohama (am 19. und 20. Februar) treffen wir die Gruppe in der Jo-Hall von Osaka wieder, unweit der mittelalterlichen Stadt Kyoto. Osaka feiert die Rückkehr seiner „enfants terribles" mit einer überwältigenden Inbrunst, rockiger als Tokio.

Der Gig ist derselbe, die Setlist ebenso. Die geballte Mauer von Klassikern ist im Laufe der ersten Europatour physisch noch stärker zurechtgeschliffen worden, und ganz sicher haben die Australien-Gigs die Moral der Band zusätzlich gestärkt, das Kriegsbeil mit einem in seiner Ehre verhöhnten Japan zu begraben. Aber es bedarf sicherlich noch einiger Jahre, um Vergebung für die jahrzehntelange Abstinenz zu finden. Dies ist die eher positive Bilanz eines gelungenen, aber nicht wirklich mitreißenden Comebacks. In Sushiland hat Angus noch nicht die Größe, mit den wahren Topsellern zu konkurrieren. Das zweite Konzert in Yokohama war nicht ausverkauft. Und ein paar Tage später treten Kiss, die Japan seit jeher mit häufigen Besuchen beehrt haben, im Tokyo Dome auf, einer Halle mit wesentlich größerem Fassungsvermögen als die Arena und die Jo-Hall.

Aber der Godzilla im Liliput-Format ist auf dem richtigen Weg. Vorausgesetzt, er kommt von jetzt an regelmäßiger wieder, um die Küsten der Insel — die nicht mehr und nicht weniger verlangt — heimzusuchen.

 

Text: Philippe Lageat

Bearbeitung: Matthias Breusch

Fotos: Marc Villalonga

 

 

Setlist Japan 2001:

 

You Shook Me all Night Long

Stiff Upper Lip

Shot Down in Flames

Thunderstruck

Hell Ain’t A Bad Place To Be

Hard As A Rock

Shoot To Thrill

Rock´n´Roll Ain´t Noise Pollution

Sin City

Bad Boy Boogie

Hells Bells

Get It Hot

Back In Black

Dirty Deeds Done Dirt Cheap

Highway To Hell

Whole Lotta Rosie

Let There Be Rock (+ Solo Angus)

***

T.N.T.

For Those About To Rock