RH #284ToneZone

TONEZONE-SPECIAL - Der digitale Tod

Warum Metal-Alben immer langweiliger klingen

 

Ein Kinderzimmer in einer schwäbischen Kleinstadt im Jahre 2025. Der 17-jährige Heavy-Metal-Fan Benny Blotzki entdeckt im Plattenschrank seines Vaters Alben von Sacred Steel. „Das ist noch richtiger Old-School-Metal, Alter!“, denkt er sich und träumt von einer Karriere als „Musiker“.

Die deutschen Charts werden von geschminkten Bands dominiert, die der Visual-Kei-Bewegung der Jahrtausendwende ähneln, nur dass sie aus der Mongolei kommen. Das ist im Trend. Das Fußballtraining fällt aus, also beschließt Blotzki, am Wochenende ein echtes Metal-Album aufzunehmen. Das Programm „Stadion Rock“ seines Rechners erkennt die Sacred-Steel-CD und ordnet sie gewissenhaft unter „True Metal“ ein. Aus einem Drop-down-Menü kann man Tempo, Beats, Tonart und Riffart für „True Metal“ wählen. Bei „Riffart“ probiert Blotzki eine Mixtur aus „Shredder“ und „Klassik“ aus. Der Rechner schlägt nun mehrere Varianten vor, die der Junge sich mehrmals bei einer Tüte Popcorn anhört. „Abgefahren, ey!“ Dann werden die in professionellen Studios aufgezeichneten Soundfiles zu einem Playback heruntergerechnet, auf das Benny seinen Text spricht. Das Programm macht Vorschläge, wo die einzelnen Silben stehen könnten. Die Tonart wird über Auto-Tuning vorgegeben, nun muss nur noch der Gesangsstil berechnet werden. „Dio“ oder „Kiske“ oder „Fleischwolfgang Kettenköter“. Schwierig, schwierig. Benny nimmt „Kiske“, die Endungen können per Knopfdruck noch moduliert werden, in diesem Falle „gejodelt“. Das ist originell und neu, schließlich hat Benny ja Ambitionen und will nicht ein weiteres Retortenprodukt veröffentlichen, wie die anderen 100.000 Platten, die jede Woche bei metaltube.com hochgeladen werden... ...

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